Viele Baslerinnen und Basler kennen das Breite-Quartier nur von oben: Beim Befahren der Osttangente kann ein kurzer Blick auf die Breite geworfen werden. Das lang gezogene Quartier ist so benannt, weil früher zwischen dem St. Alban-Quartier und der Birsmündung ein Feld war. Im 14. Jahrhundert war dieses Gebiet als die «Gebreite» bekannt. Im 19. Jahrhundert wurde die nach Birsfelden und Zürich führende Strasse «Breite Strasse» genannt, später erhielt sie den Namen Zürcherstrasse.

Die Breite war eine Arbeitersiedlung und jahrzehntelang das bevorzugte Wohnviertel und die Hochburg der Sozialdemokraten. Was hat dieses relativ unbekannte Quartier zu bieten?, fragen wir Regierungsrat Christoph Brutschin. Der Sozialdemokrat lebt seit 1985 in der «Breiti» und fühlte sich schnell heimisch und integriert, wie er erzählt.

Der Quartier-Spaziergang beginnt beim St.Alban-Tor. Auf dem Weg Richtung Rhein erzählt Brutschin von den kleinen Wohnungen, die vor über 100 Jahren hier gebaut wurden, vom Quartierleben und vom zweitägigen Breitlemerfest, das jeweils im August eine grosse Menschenmenge ans Birsköpfli lockt.

Grosse Innenhöfe und Gärten

Vor der mächtigen alten Stadtmauer, die das Breite- vom St. Alban-Quartier trennt, bleibt Brutschin stehen. Er zeigt auf einen neben der Mauer erstellten Neubau mit Eigentumswohnungen, der sich wunderbar in die Szenerie einfügt. Vorbei an einem etwas verwahrlosten Gebäude, aus dem nach Meinung von Brutschin der Kanton als Liegenschaftsbesitzer bedeutend mehr machen könnte, bestaunen wir die Blockrandbebauungen, die noch über grosse Innenhöfe oder Gärten verfügen. Die meisten Gebäude entstanden zwischen 1880 und 1920 und verfügen über Drei-Zimmer-Wohnungen mit bis zu 70 Quadratmetern. Wegen der Baustruktur können sie kaum umgebaut werden und sind deshalb für Familien eher ungeeignet.

Ganze Strassenzüge zwischen dem St. Alban-Rheinweg und der Zürcherstrasse sind erhalten geblieben und heute eine bevorzugte Wohnlage. Dieses Geviert heisse «alte Breiti», sagt Brutschin. Besonders schöne Ensembles sind an der Schauenburgerstrasse zu sehen. Die kleinen Reihenhäuser an der Homburgerstrasse stehen inzwischen unter Schutz.

Eine besondere Attraktion des Quartiers ist das Rheinbad, besser bekannt als Rhybadhysli. Hier wird nicht nur gebadet. Seit einiger Zeit kann auch eine abwechslungsreiche Gastronomie genossen werden. Die Birs, der Rhein und der kanalisierte St.Alban-Teich sind die drei Gewässer, die das Quartier einrahmen.

Anziehungspunkt Birsköpfli

Als naturnahes Spielgelände ist 1994 die Cécile-Ines-Loos-Anlage errichtet worden. Sie eignet sich vor allem für Ballspiele. Etwas abgelegen befinden sich Sitzbänke für Ruhe suchende. Der Lärm von der Autobahn und der Eisenbahnlinie ist aber unüberhörbar.

In einem 2005 eröffneten Neubau an der Zürcherstrasse befindet sich das Breitezentrum mit einem Quartiertreff, einem Kindergarten, einer Bibliothek und dem Breite-Hotel. Von dort gehen wir zum Birsköpfli. Auf der Wiese ruhen sich unter den grossen alten Bäumen zahlreiche Menschen aus. Diese öffentlich zugängliche Parkanlage an der Mündung der Birs in den Rhein ist nicht nur ein Anziehungspunkt der «Breitlemer», sondern der ganzen Stadtbevölkerung. Neben der schönen Wiese liegen denn auch Schrebergärten.

Über uns sind die Betonelemente der neuen Eisenbahnbrücke zu sehen. Die neue Brücke wird neben der 1873 in Betrieb genommenen Stahlbrücke erstellt und soll bis 2017 fertiggestellt sein.

Die Diskussionen um die Kosten für den neuen Birskopfsteg, der die alte Hängebrücke ersetzen soll, erachtet Brutschin als überflüssig. Ein neuer Übergang für Velofahrende und Fussgänger sei unbestritten.

Wohnviertel Lehenmatt

Zurück im unteren Teil der stark befahrenen Zürcherstrasse: Hier befindet sich das Einkaufszentrum der Quartierbevölkerung. Neben den Grossverteilern gibt es viele kleinere Läden und einige Restaurants. An der Zürcherstrasse stehen neben Neubauten aus den 60er-Jahren noch trutzige Gebäude aus der Jahrhundertwende. Vereinsamt ist der Kinderspielplatz – es sind Ferien. Weiter weg, an der Wildensteinerstrasse ist ein von der Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige finanzierter markanter Neubau entstanden, in dem Wohnungen zu günstigen Mietzinsen angeboten werden.

Im Wohnviertel Lehenmatt lockt die renaturierte Birs, die damit zu einem neuen Naherholungsgebiet aufgewertet wurde. An der Grenze zu Birsfelden entstanden Anfang der 60er-Jahre die markanten Hochhäuser mit 17 Stockwerken.

Der Spaziergang führt entlang des St.Albanteichs in den Schwarzpark, dessen grösserer Teil zum Breite-Quartier gehört. Brutschin sagt zum Abschluss, er lebe gerne im Quartier und fühle sich inzwischen als «Breitlemer».