Die eidgenössische Justizministerin Simonetta Sommaruga will mit solchen Zentren das bisher schier endlose Asylverfahren schneller abwickeln. Dagegen hat eigentlich niemand was.

Und trotzdem müssen sich die vier Asyldirektoren der Nordwestschweizer Kantone Basel-Stadt, Baselland, Solothurn und Aargau darauf einstellen, sich mit ihren Plänen unbeliebt zu machen. Denn: Asylzentren sind bekanntlich nur so lange populär, bis sie vor der eigenen Haustüre stehen.

Schweizerhalle als Standort?

Rechnet man nun das Basler Empfangs- und Verfahrenszentrum Bässlergut mit seinen rund 350 Plätzen dazu, dann fehlt der Nordwestschweiz immer noch ein grosses Asylzentrum mit rund 500 Plätzen.

Gemäss Recherchen hat sich der zuständige Baselbieter Regierungsrat Anton Lauber der delikaten Aufgabe bereits angenommen. Den Asylkoordinator Rolf Rossi hat er angewiesen, sich auf die Suche nach möglichen Standorten eines grossen Asylzentrums zu begeben. «Ja, wir haben den konkreten Auftrag zu einer solchen Prüfung bekommen», bestätigt Rossi auf Anfrage.

Der Asylkoordinator steht vor einer grossen Herausforderung. «Idealerweise liegt das Gebiet in der Peripherie einer Gemeinde und nicht inmitten eines Wohngebiets. Im Weiteren sollte die Anbindung an den öffentlichen Verkehr gegeben sein.» Im Normalfall gelte auch: In Stadtnähe gestaltet sich die Suche nach brachliegendem Platz schwieriger als etwa im Oberbaselbiet.

Rossi hält denn auch für möglich, dass sich die Nordwestschweizer Kantone auf eine Kompromisslösung einigen und statt eines riesigen Zentrums mit 500 Asylbewerbern zwei kleinere bauen. Damit gäbe es auch die Möglichkeit, in der Agglomeration nach Standorten Ausschau zu halten.

Rossi bringt gleich auch einen Vorschlag ins Spiel: «In meinen Augen wäre beispielsweise das Gebiet Schweizerhalle in Pratteln geeignet.» In der Agglogemeinde zeigt man sich erstaunlich offen gegenüber dieser Idee. «Wenn der Kanton auf uns zukommt, dann können wir das gemeinsam anschauen», verspricht Gemeindepräsident Beat Stingelin. In Pratteln habe man mit den Asylzentren, beispielsweise in der Lachmatt, keine schlechten Erfahrungen gemacht.

Und zu Rossis konkretem Standortvorschlag meint er: «Wir haben ja vor einigen Jahren bereits einmal rund 200 Plätze bei der Schweizerhalle gehabt. Dort fielen die Asylbewerber nicht gross auf. Sie nahmen meist direkt den Bus nach Basel.»

Bundesvorgaben bis 2018 umsetzen

Der Asylkoordinator Rossi kennt aber die Hürden nur zu gut, die solche Asylzentren nehmen müssen. In der jüngeren Vergangenheit kam es auch in liberaleren Gemeinden wie Arlesheim und Therwil zu Protesten, als der Kanton die Planung von Durchgangsheimen ins Auge fasste – hier hätten notabene weit weniger Asylsuchende untergebracht werden sollen.

Der Therwiler Gemeindepräsident Reto Wolf erinnert sich an den Widerstand aus der Bevölkerung. «Nüchtern betrachtet, sprach wenig gegen das Durchgangszentrum – aber bei diesem Thema sind die Leute sehr heikel. Asyl ist ein Reizthema», erinnert sich Wolf an die Zeit vor drei Jahren, als in seiner Gemeinde die Emotionen hochgingen.

Der Asylkoordinator weiss, dass er mit Samthandschuhen ans Werk muss. «Es wäre illusorisch zu glauben, dass irgendeine Gemeinde so ein Bundeszentrum mit Handkuss nehmen würde», ist er sich bewusst. Er will der Skepsis mit guten Argumenten begegnen: «Es gibt ja auch viele positive Aspekte eines solchen Asylzentrums.»

So würde die Gemeinde etwa bei der Aufnahme derjenigen Asylsuchenden entlastet, die längerfristig aufgenommen würden. Allschwil beispielsweise muss weniger Asylbewerber aufnehmen, seitdem das Basler Empfangszentrum Bässlergut hier seine Aussenstelle hat.

Noch, sagt Rossi, könne man über die möglichen Standorte nur spekulieren. «Wir klappern die Gemeinden ja erst nach möglichen Bauzonen ab.» Viel Zeit bleibt den vier Kantonen Baselland, Basel-Stadt, Solothurn und Aargau aber nicht – bis 2018 müssen die Kantone die Bundesvorgaben umgesetzt haben.

Die vier Asyldirektoren werden mit dem Bundesamt für Migration noch vor den Sommerferien ein erstes Treffen abhalten, wie der Basler Regierungsrat Christoph Brutschin verrät. «Durchaus denkbar», sagt Rolf Rossi, «dass in ein paar Jahren ein grosses Asylzentrum im Kanton Baselland steht.» Denn: «Das Baselbiet ist bereit, seinen Teil am politischen Auftrag wahrzunehmen.»