Auf der einen Seite steht die Schliessung der Möbel-Pfister-Filiale in Basel-Stadt (die bz berichtete), auf der anderen Seite die Stärkung der Filiale in Pratteln, wo in den nächsten Monaten für viel Geld umgebaut wird. Ein kleiner, wohltuender Nadelstich der wirtschaftlich gebeutelten Baselbieter?

Sie sind derzeit verzweifelt um die Niederlassung von Unternehmen bemüht. Möbel-Pfister-Sprecherin Sylvie Merlo sagt immerhin: «Dass wir nun dort mehrere Millionen investieren, zeigt, dass es für uns auch ökonomisch stimmt.»

Agglo hat Standortvorteil

Die Kommunikationsverantwortliche von Pratteln, Sandra Meier, hat den Standortvorteil der Agglogemeinde erkannt und will ihn nutzen. Der Steuersatz sei ein Grund, aber «noch entscheidender ist der Platz. Firmen, die wachsen, können sich diesen in der Stadt oft nicht mehr leisten und suchen neue Standorte».

Pratteln setzt im Grüssen-Gebiet, wo sich neben Möbel Pfister auch Ikea, Conforama oder der Mediamarkt niedergelassen haben, auf ein durchmischtes Gewerbe, wie Meier sagt.

Kein zweiter «Fall Straumann»

Von einem ersten kleinen Erfolg als neuer Baselbieter Wirtschaftsförderer will Thomas de Courten indes nichts wissen. Es freut ihn zwar, dass ein renommiertes Unternehmen den Standort im Baselbiet ausbaut und stärkt. Gleichzeitig sagt er nach drei Monaten im Amt: Es sei aus Baselbieter Sicht kein wirtschaftspolitischer Schwerpunkt, grosse Detailhändler aus der Stadt aufs Land zu locken.

Dabei hat auch er den Trend beobachtet: «Grosse Detaillisten, Discounter und Outlets benötigen vor allem Platz, der in den Zentren rar und teuer ist.» Entsprechendes Standortmarketing würde sich bei solchen Firmen aufdrängen. Doch de Courten sieht dieser Entwicklung mit Sorge entgegen. «Sie hat auch ihre Schattenseiten. Nämlich das Lädelisterben in den Dörfern.» De Courten bezeichnet es mit Verweis auf die grösseren Baselbieter Gemeinden gar als «unerfreulich», wenn das traditionelle Detailhandelsgewerbe aus den Dorf- und Stadtzentren verschwindet. Die Mitglieder der landrätlichen Volkswirtschaftskommission pflichten de Courten bei, der seine Kernaufgabe darin sieht, «wertschöpfungsintensive» sowie «exportorientierte» Unternehmen im Baselbiet zu halten.

«Viel lässt sich nicht mehr rausholen»

Peter Brodbeck (SVP) findet, man solle sich auf die ertragreicheren Firmen konzentrieren. «Die Detailhandelsfirmen gehören da nicht dazu. Was die Löhne angeht, sind sie ja ganz unten auf der Skala anzutreffen.» Auch Brodbecks Kommissionskollege Daniel Münger (SP) glaubt nicht, dass in der Agglomeration viel Potenzial brachliegt, wenn es um Detailhändler oder Discounter geht. «Viel lässt sich nicht mehr rausholen», ist er sich sicher. Schon bei Migros oder Coop würden die Prioritäten bei der Standortwahl abweichen.

De Courten, seit April im Amt, legt explizit wert darauf, dass er Firmen aus der Stadt nicht anlocken will. Umgekehrt aber, das räumt er ein, will er das Baselbieter «Standortprofil so stärken, dass die Unternehmen nicht am Schluss in die Stadt ziehen.» Einen weiteren Fall wie jenen des Zahnimplantate-Herstellers Straumann, bei dem ein Grossunternehmen in die Stadt zieht, will der Wirtschaftsförderer nicht miterleben.