Prosten sich die Gäste an einem Apéro des Kantons Baselland künftig zu, schwappt in ihren Gläsern ein Tropfen aus dem Baselbiet. Am 28. Juni werden auf Schloss Ebenrain in Sissach zum ersten Mal eigene Staatsweine gekürt, die anschliessend an offiziellen Anlässen ausgeschenkt werden. In Kantonen wie Aargau, Bern und St. Gallen seit Jahren etabliert, soll der prämierte Rebensaft auch hier dazu dienen, die regionalen Weinproduzenten bekannter zu machen.

Von Winzern, die im Landkanton eigenen Wein herstellen, gibt es eine ganze Menge. «Im Baselbiet existieren derzeit 325 Weinproduzenten, die im ganzen Kantonsgebiet auf 116 Hektaren Reben kultivieren» sagt Lukas Kilcher, Leiter des Landwirtschaftlichen Zentrums Ebenrain in Sissach. Die meisten betrieben den Weinbau als Hobby und produzierten nur geringe Mengen. Einer stattlichen Anzahl Profibetriebe sei es aber gelungen, die für den Baselbieter Staatswein benötigte Anzahl Flaschen zu füllen.

Zuerst Experten, dann Prominente

Von den prämierten Staatsweinen müssen 500 Flaschen an den Kanton Baselland verkauft werden können. In vier Kategorien kürt eine Jury aus bekannten Baselbieter Persönlichkeiten diejenigen Tropfen, die während eines Jahres kredenzt werden. «Bei den Kategorien handelt es sich um die zwei im Baselbiet am häufigsten angepflanzten Rebsorten Blauburgunder und Riesling-Sylvaner», erklärt Paul Leisi, Präsident des Weinproduzentenverbands Region Basel/Solothurn.

Zudem gebe es die beiden Kategorien Rotwein- und Weissweinspezialitäten, bei denen den Kandidaten freistehe, welchen Wein sie ins Rennen schicken. Voraussetzung sei jedoch, dass die Reben aus dem Baselbiet stammen. Bevor die Prominenz über die Weine urteilt, werde Ende Mai eine Expertenjury eine Vordegustation durchführen, führt Leisi weiter aus. Fünf Sommeliers und Winzer widmen sich den bis zum Einreicheschluss am vergangenen Freitag angemeldeten 52 Weinen.

Bewertet werden unter anderem vier Weine der Siebe Dupf Kellerei in Liestal. Diese ist mit jährlich rund 300 000 gefüllten Flaschen eine der grössten Weinproduzentinnen der Nordwestschweiz. Die Jury könne sich allgemein auf viele ausgezeichnete Tropfen freuen, lobt Produktionsleiter Thomas Engel den Weinjahrgang 2015. «Trotz der kurzen Reifephase konnten wir gut ausgereifte und gesunde Trauben ernten.» Was auch daran gelegen habe, dass die gefürchtete Kirschessigfliege wegen tiefer Luftfeuchtigkeit und intensiver Sonneneinstrahlung mit sehr heissen Temperaturen keine Probleme verursachte.

Erfreut über die baldige Kürung sind nicht nur Winzer, sondern auch CVP-Landrätin Sabrina Corvini-Mohn. Die Politikerin ist in Aesch, der grössten Baselbieter Weinbaugemeinde, aufgewachsen. Vor zwei Jahren reichte sie ein Postulat ein, mit dem sie einen Staatswein forderte. «Aus unserem Kanton kommen zahlreiche angesehene Weine, die es zu würdigen gilt», begründet sie den Antrag. Nachdem das Parlament und der Regierungsrat ihren Segen gegeben hatten, stand dem Vorhaben nichts mehr im Weg. Die Aufbauphase der Kürung des Staatsweins wird vom Förderprogramm Baselbieter Spezialkulturen unterstützt.

Vereinbarung läuft 2019 aus

Im Gegensatz zum Kanton Baselland besitzt Basel-Stadt bereits einen Staatswein. «Seit 2005 erhält die Regierung pro Jahr 500 Flaschen Gutedel aus dem Weindorf Istein in Baden-Württemberg», sagt die Basler Staatsschreiberin Barbara Schüpbach-Guggenbühl. Die Ortschaft im nahen Deutschland gehörte zum Herrschaftsgebiet des Basler Fürstbischofs, weshalb man sich entschieden habe, den offiziellen Wein von dort zu beziehen. Die Vereinbarung mit der Bezirkskellerei Markgräflerland läuft im Jahr 2019 aus. «Im Anschluss werden wir einen neuen Basler Staatswein küren», erklärt sie. Die Staatsschreiberin geht davon aus, dass dann auch Weine aus dem Kantonsgebiet zur Wahl stehen. In Basel-Stadt werden fast ausschliesslich in Riehen am Schlipf Reben angebaut.

Lukas Kilcher vom Landwirtschaftlichen Zentrum Ebenrain in Sissach kann sich ein bikantonales Prozedere, bei dem sowohl der Baselbieter als auch der Basler Staatswein von Experten vordegustiert wird, durchaus vorstellen. Einen Staatswein beider Basel soll es jedoch nicht geben, da die beiden Kantone ihre eigenen offiziellen Weine küren und ausschenken sollten. «Ein gemeinsames Vorgehen würde Basel-Stadt eine viel grössere Auswahl für seinen Staatswein ermöglichen. Gleichzeitig könnten die Baselbieter Winzer von einem grösseren Markt profitieren.»

Eine Zusammenarbeit beim Staatswein sei deshalb anzustreben, findet Kilcher, welcher der Landwirtschaftskommission Basel-Stadt angehört. In der nächsten Sitzung des Gremiums, in dem auch Vertreter der Gemeinden Riehen und Bettingen sitzen, werde er seine Ideen präsentieren.