Mitten im Birsfelder Hafengebiet hält ein Lastwagen. Zwei Männer packen nach und nach Jute-Säcke aus und tragen sie in ein kleines Fabrikgebäude. Die Säcke sind voll mit Kaffeebohnen. Und es ist nicht irgendein Kaffee. Es ist Fair-Trade-Kaffee - ein Direktimport aus Peru.

Keine Zwischenhändler

Das Birsfelder Unternehmen Bertschi-Café hat eine Marktlücke entdeckt. Es arbeitet seit längerer Zeit direkt mit lateinamerikanischen Bauernverbänden zusammen. Dies spart enorm viel Geld. Handelsüblicher Kaffee läuft nach Angaben des Geschäftsführers Hans-Jürg Reber über 30 bis 50 Zwischenhändler, bevor er übernächtigten Schweizern den dringend benötigten Koffeinschub liefert. Das gesparte Geld zahlt die Birsfelder Kaffeerösterei den süd- und mittelamerikanischen Kaffeebauern in Form von höheren Löhnen aus. Das Stichwort lautet Fair Trade, fairer Handel.

Die peruanischen Kaffeebohnen kommen von der Bauerngenossenschaft «La Flordia». Im hoch in den Anden gelegenen Regenwaldgebiet bauen über 800 Bauern die Bohnen für das zweitwichtigste Handelsgut der Welt an. Diese werden dann in Lima auf Containerschiffe geladen und finden über Panama und Antwerpen den Weg in unseren Auhafen. Die letzten 400 Meter bringt sie der Lastwagen zu Bertschi-Café.

In Birsfelden geröstet

Dort lässt Reber einen Sack ausladen. All paar Minuten nimmt ein Mitarbeiter ein paar Bohnen aus dem Röstofen und vergleicht deren Farbe mit einem Muster. Schliesslich ist er zufrieden und lässt die ganze Ladung abkühlen. Stolz beisst Reber eine der Bohnen auf und zeigt das Innere: «Die sind komplett durchgeröstet.» Beim billigeren Schnellröst-Verfahren anderer Unternehmen sei die Bohne aussen verbrannt und innen roh. Eine Handvoll der kostbaren Kerne wird direkt gemahlen und aufgebrüht. Reber ist mit dem Ergebnis der Degustation - «das 23. Mal, dass ich heute einen Kaffee probiere. Ich habe alle Tassen ausgetrunken» - zufrieden: «Tipptop: Den Rest auch ausladen», befiehlt er.

Wermutstropfen bleiben

Die Arbeiter haben mit dem Ausladen routinemässig schon vor der Bestätigung begonnen. Reber meint dazu: «Bis jetzt war der gelieferte Kaffee unserer Kooperationspartner immer sehr gut.» Auch dies sei eine Folge der langjährigen Zusammenarbeit und der überdurchschnittlichen Entlöhnung: «Die Bauern wollen weiterhin mit uns kooperieren und liefern dementsprechend gute Qualität.»

Wie viel die Bauern jedoch tatsächlich verdienen, weiss Reber nicht. Viel sei es nicht: «Ich weiss nicht, wie sie davon leben können». Im nächsten Satz ist er aber schon wieder beim Fair-Trade-Label: «Mir ist wichtig, dass wir diesen Leuten ein gutes Überleben sichern können. Das ist nicht überall so.» Ein weiterer Wermutstropfen ist, dass auch die gut bezahlten Bauerngenossenschaften zur Ernte Taglöhner anstellen. Wie hoch deren Lohn ist, kann man von Birsfelden aus nicht kontrollieren. So weit reicht auch das beste Max-Havelaar-Zertifikat nicht.