Das Thema Digitalisierung steht in der Medizin aktuell ganz oben auf der Traktandenliste. Auch das sechste Forum Gesundheitswirtschaft Basel, das gestern und heute stattfindet, befasst sich mit den Chancen und Risiken von Big Data, personalisierter Medizin und der sogenannten E-Health, der elektronischen Gesundheitsversorgung. Tatsächlich werden die Patienten schon sehr bald mit dem Thema konfrontiert sein, etwa beim elektronischen Patientendossier.

«Auch in der Region Basel arbeiten wir mit Hochdruck an diesem Projekt», sagte Lukas Engelberger in seiner Begrüssungsrede. Erste elektronische Patientendossiers sollen in den kommenden zwölf Monaten eröffnet werden, erklärte der Basler Gesundheitsdirektor im späteren Gespräch mit der bz. Bis in drei Jahren müssen alle Spitäler das elektronische Patientendossier von Gesetzes wegen anbieten, bis in fünf Jahren auch die Pflegeheime.

Die Idee dahinter: «Alle Gesundheitsdaten – von der Krankheitsgeschichte über Arztrezepte, bis hin zu Blutwerten oder Röntgenaufnahmen – sind zentral abgespeichert. Wenn ich zum Arzt oder in die Apotheke gehe, kann ich diese freischalten und sie können in die benötigten Unterlagen reinschauen», erklärt Engelberger. Ob sie beim elektronischen Patientendossier mitmachen wollen, können die Patienten selber entscheiden. «Aber das Ganze macht das Leben viel einfacher und sicherer», ist Engelberger überzeugt.

Damoklesschwert Bruderholz

«Die Digitalisierung ist eine Entwicklung, welche die ganze Branche betrifft und nicht etwas, was wir als Kanton verfügen können», sagt Engelberger. «Wir versuchen bei der Planung des Gesundheitswesens, solche Entwicklungen vorwegzunehmen. Dafür müssen wir unsere Spitäler rechtzeitig ausrichten.» Entsprechend haben im Januar dieses Jahres die Kantone Basel-Stadt und Baselland gemeinsam mit Spitälern und Kliniken der Region den Trägerverein eHealth-Nordwestschweiz gegründet. «Eine Schwierigkeit ist es, die unterschiedlichen Systeme der verschiedenen Leistungserbringer zusammen zu bringen.»

So viel zum Spital der Zukunft. Und mit der Spitalgruppe möchten sich die Regierungen beider Basel für diese Zukunft rüsten. Aber: Die Bruderholzspital-Initiative, über die am 21. Mai im Baselbiet abgestimmt wird, könnte die Pläne erschweren. Die Initiative will das Bruderholzspital in der bisherigen Form erhalten.

In den Fusionsplänen der Regierung soll das sanierungsbedürftige Bettenhaus dagegen abgerissen und durch eine Tagesklinik ersetzt werden. Geplant ist zudem ein Schwerpunktzentrum für Reha und Orthopädie und eine «Walk-in Clinic» zur Behandlung von ambulanten Notfällen. «Bei einem Ja zur Initiative könnten wir die Spitalfusion nicht machen», sagt Engelberger. «Stattdessen würde die Zusammenarbeit wohl mehr oder weniger bei der heutigen Form bleiben, allenfalls mit Ergänzungen, wo sinnvoll.»

Dabei sei die geplante Spitalgruppe gezielt auf die neuen Möglichkeiten von E-Health ausgerichtet. «Die Spitäler werden weniger Stationen sein, wo sich die Patienten lange aufhalten, sondern werden verstärkt zum Ort der Behandlung und danach zum Koordinationszentrum für die weitere Betreuung», sagt Engelberger. Beim Forum sei ein Beispiel aus Israel präsentiert worden. Dort würden die Patienten via Smartphone und medizinischer Geräte quasi vom Spital nach Hause begleitet und dort weiterhin betreut.

«Angesichts der bevorstehenden Entwicklung brauchen wir weniger stationäre Spitäler und mehr Gewicht auf ambulante Betreuung.» Genau dieses Element wolle die gemeinsame Spitalgruppe entwickeln mit dem ambulanten Angebot, das anstelle des jetzigen Spitals auf dem Bruderholz entstehen soll.

Auch sonst würde ein Ja zur Bruderholz-Initiative Schwierigkeiten für die Umsetzung von E-Health mit sich bringen: «Der Kerngedanke bei E-Health ist Vernetzung. In der geplanten gemeinsamen Spitalgruppe sei diese naturgemäss einfacher umzusetzen, als wenn es bei einer Partnerschaft zwischen dem Basler Universitätsspital und dem Kantonsspital Baselland bleiben würde.

Dazu kommt: «E-Health ist eine anspruchsvolle Herausforderung für die Spitäler», sagt Engelberger. Die notwendige technische Infrastruktur erfordere hohe Investitionen. «Es ist deutlich wirtschaftlicher, wenn die Spitäler diese Planung gemeinsam machen können.»