Im Dezember hiess es Ende Januar. Bald schon wurde der Termin nach hinten geschoben und Anfang April als neues Eröffnungsdatum genannt. Und nun der 1. August: Dann sollen die ersten Asylsuchenden in das neue Registrierungszentrum des Bundes in Muttenz einziehen. Dieses Datum nennt der Baselbieter Asyl-Koordinator Rolf Rossi auf Anfrage der bz – nicht ohne sogleich einzuschränken: «Wenn denn auch wirklich alles rund läuft.»

Es spricht aber vieles dafür, dass es bei diesem Termin bleiben wird. Denn Bund, Kanton und Standortgemeinde machen vorwärts beim Bundes-Asylzentrum auf dem Feldreben-Areal. Morgen in einer Woche halten sie im Kongresszentrum Mittenza eine Informations-Veranstaltung für die Bevölkerung ab. Die Einladung wird ab heute allen Muttenzer Haushalten zugestellt. Vor einer solchen Veranstaltung müsse aber das Baugesuch bereits vorliegen, haben Bund und Kanton stets betont.

Genau das ist demnächst ebenfalls der Fall: Wie die bz weiss, wird das Gesuch am Donnerstag eingereicht. Und am 19. Mai publiziert die Gemeinde die Pläne im Amtsblatt. Wohl deshalb hat es Rolf Rossi gewagt, mit dem 1. August ein neues Datum zu nennen für den Bezug des dereinst grössten Asyl-Registrierungszentrums der Schweiz.

Es drohen Einsprachen

Zu überstehen gibt es vorerst eine zehntägige Einsprachefrist. Diese läuft ab Einreichung des Baugesuchs am 12. Mai. Mit Einsprachen rechnet der Kanton, und da diese eine aufschiebende Wirkung erzielen könnten, dürfte dies der Grund sein, weshalb der Kanton mit über zwei Monaten eine grosszügige Reserve eingeplant hat. «Bis die Einsprachen nicht geklärt sind», sagt Rolf Rossi, «dürfen wir nur im Innenausbau kleinere Arbeiten erledigen, also Wände streichen, Böden verlegen, das Elektrische einrichten und so weiter.»

Die gröbsten Bedenken hofft Rossi an der Informationsveranstaltung zerstreuen zu können. «Solch ein Projekt weckt natürlich Ängste», sagt der Asyl-Koordinator. «Das ist völlig legitim, und damit haben wir gerechnet, weshalb wir die Bevölkerung schon seit Beginn des Projekts aus erster Hand informieren wollten.»

Anwohner äusserten Bedenken

Zwei Petitionen zum Asyl-Zentrum Feldreben sind in Muttenz eingegangen: Eine im Januar von der SVP-Ortspartei, die andere im Februar von 37 «besorgten Eltern und Anwohnern». Die Petenten zeigen sich unter anderem besorgt um die Sicherheit von jungen Frauen.

Der Muttenzer Gemeindepräsident Peter Vogt verspricht, dass die Fragen, welche die beiden Petitionen aufgeworfen haben, demnächst von der Gemeinde schriftlich beantwortet werden. «Die Verzögerungen bei der Eröffnung des Asylzentrums haben ein Vakuum ergeben. Die Bevölkerung war sich nicht sicher: Kommt es jetzt – oder kommt es nicht?» Er sei froh, dass es nun weitergehe. «In den letzten Tagen habe ich auch keine kritischen Stimmen mehr vernommen.»

Vor der Informations-Veranstaltung gibt es aber auch für Muttenz noch Arbeit zu erledigen. Denn die Vereinbarung zwischen Standortgemeinde und der beim Asylzentrum federführenden Baselbieter Finanz- und Kirchendirektion sei noch nicht unterschrieben, sagt Vogt: «Wir sind uns in fast allen Punkten einig, es müssen aber noch einige Details geklärt werden. Das sollte in den kommenden Tagen bereinigt sein.»

Muttenz ist auf die Bedenken seiner Einwohner eingegangen und fordert vom Kanton eine attraktive Gestaltung des Asylzentrums – das betrifft insbesondere den Aussenraum. «Das Gelände sollte so eingerichtet sein», erläutert Vogt, «dass sich die Flüchtlinge dort wirklich erholen können und sich gerne auf dem Areal aufhalten.» Der Zweck der hohen Aufenthalts-Qualität: Die Asylsuchenden sollen wenn möglich nicht in die Quartiere und ins Zentrum ausweichen. Laut Vogt sind im Aussenbereich Hecken und Bäume geplant.

Stufenweiser Einzug

Der Kanton sieht vor, in den beiden Hallen zwei Arten von Hütten aus Stein und Holz zu erstellen. Schrittweise sollen die Flüchtlinge einziehen, maximal 500. Bei grösserem Bedarf vonseiten Bund könnte die Kapazität auf bis zu 900 Bewohner ausgebaut werden.

Der Kanton wird dem zuständigen Staatssekretariat für Migration (SEM) die Hallen einige Tage vor dem Bezugstermin übergeben. «Wir müssen uns zuerst noch einrichten», sagt SEM-Sprecher Martin Reichlin. «Es braucht schon einen Moment, bis die ersten Bewohner in den Hallen übernachten können.»