Marc Scherrer muss in der Schule als Sonderling gegolten haben. Andere träumten davon, Astronaut zu werden, Fussballprofi oder Schauspieler. Scherrer aber wollte Nationalrat werden. Während sich die Träume sämtlicher Jugendfreunde in Luft aufgelöst haben, kommt Scherrer seinem Ziel Schritt für Schritt näher. Es wird noch dauern, vielleicht Jahrzehnte – aber irgendwann wird man das Polittalent in Bern sehen.

Doch erst mal Schritt für Schritt. Im März wird der Laufentaler mit allergrösster Wahrscheinlichkeit zum Präsidenten der Baselbieter CVP gewählt. Er ist der einzige Kandidat, wenn es um die Nachfolge von Sabrina Corvini-Mohn geht, die als werdende Mutter nach viereinhalb Jahren das Amt abgibt. Trotzdem sträubt sich Scherrer gegen den Ausdruck «designierter Präsident» – das gebietet sein Anstand. «Es ist ja auch möglich, dass sich jemand spontan entscheidet, gegen mich anzutreten.»

«Politik ist meine Leidenschaft»

27 Jahre ist der Laufentaler erst, doch für seinen Lebenslauf reicht ein A4-Blatt längst nicht mehr. Er ist heute Vize-Präsident der CVP Baselland, Präsident der CVP Laufental, Präsident des Gewerbevereins KMU Laufental, Stiftungsratspräsident des Businessparcs Laufental und sitzt im Wirtschaftsrat, dem Parlament der Wirtschaftskammer.

Und nun kommt noch das CVP-Präsidium hinzu, das er neben seinem 100-Prozent-Job in der Finanzabteilung der Manor bewältigen muss – und so ganz nebenbei will Scherrer im Sommer auch noch sein Wirtschaftsstudium an der Hochschule Luzern abschliessen. Schwingt da nicht ein bisschen jugendlicher Übermut mit? Georges Thüring, Laufentaler SVP-Landrat, hat so seine Bedenken: «Ich hoffe einfach nicht, dass ihn die CVP jetzt verheizt. Es wäre schade um das Talent.» Der Angesprochene glaubt nicht, dass er sich zu viel zumutet. «Meine Ämter klingen zwar nach sehr viel Arbeit, doch letztendlich mache ich es ja gerne – es ist meine Leidenschaft». Ganz auf seine Hobbys verzichten muss er auch nicht. Dreimal in der Woche treibt er Sport, gelegentlich bekocht er seine Freunde oder verbringt einen Abend mit der Freundin.

Der Anfang war eher zufällig

Was auf den ersten Blick wie die ausgeklügelte Karriereplanung eines ehrgeizigen Jungpolitikers aussieht, nahm vor dreieinhalb Jahren mit einer Zufälligkeit seinen Lauf. Nach seiner Wahl zum Präsidenten des Gewerbevereins Laufental weckte er das Interesse der bürgerlichen Parteien. Scherrer war bis dahin parteilos, wenn auch interessiert am politischen Geschehen. Sämtliche bürgerlichen Parteien klopften bei ihm an. Scherrer machte sich die Wahl nicht einfach: Die SVP sei ihm aber schliesslich zu weit rechts gewesen, bei der FDP habe er mit einigen Parteivertretern «etwas Mühe gehabt». Schliesslich war es alt CVP-Nationalrat Walter Jermann, der ihn von einer Landratskandidatur bei den Christdemokraten überzeugen konnte. Bereut hat es Scherrer nie: «Die CVP ist eine sehr vernünftige Partei und ein wichtiger Ausgleich zwischen den Polparteien.»

Doch auch Marc Scherrer kennt die Probleme seiner traditionsreichen Partei. Die Jungen kehren der Kirche den Rücken zu, Religion ist langweilig, verstaubt. Trotzdem fordert Scherrer keine Diskussion um das «C» im Namen. Nach der letzten Wahlschlappe 2011 standen solche Ideen auf Bundesebene im Raum. Scherrer ist zwar selber kein regelmässiger Kirchengänger, hält das «C» aber nicht für überholt.

Damit wolle die CVP nicht nur die Gläubigen ansprechen, sondern jene, welche die christlichen Werte vertreten, «was zukünftig immer wichtiger wird». Ohnehin plant Scherrer nicht, die Partei völlig umzukrempeln. Die abtretende Präsidentin Sabrina Corvini-Mohn, beim Amtsantritt bloss 25 Jahre alt, habe bereits jeweils viel jugendlichen Elan in die Partei gebracht. Die Parteitage waren in den letzten Jahren immer besser besucht – ein Indiz, dass auch im nächsten grossen Wahljahr 2015 mit der CVP gerechnet werden müsse.

Auch für Scherrer stellen sich dann die Weichen, wenn er für den Landrat kandidiert. Noch stehen ihm im Wahlkreis Laufen zwei namhafte, bisherige CVP-Vertreter vor der Sonne: die ehemalige Laufner Stadtpräsidentin Brigitte Bos sowie der Grellinger Franz Meyer, der das Landratspräsidium anstrebt. Für seinen Traum vom Bundeshaus wird er diese Herausforderung annehmen müssen.