Wenige Tage vor Weihnachten deponierte das Steinbruchunternehmen Newroc AG in Laufen seine Bilanz. Damit ist der Konkurs eröffnet und die Gesellschaft aufgelöst (siehe bz vom 21.12.2014).

Das Dolmengrab, das 1946 an der Wahlenstrasse in Laufen gefunden wurde, zeugt davon, dass bereits in der Jungsteinzeit Laufentaler Kalkstein verwendet wurde. Dies geschah allerdings erst zu kultischen Zwecken, ohne die zum Grab zusammengefügten Steinplatten zu bearbeiten, wie der Historiker Daniel Hagmann in seiner Monografie «Zur Geschichte der Steinhauerei im Laufental» schreibt.

Laufner Steine in Augusta Raurica

Erst seit der Römerzeit wurde der Jurakalkstein systematisch abgebaut. So entdeckte man in Dittingen einen alten, stillgelegten Steinbruch samt einem Säulenfragment. Untersuchungen zeigen, dass in Augusta Raurica und auf dem Basler Münsterhügel Steine aus dem Laufental Verwendung fanden. Der weissliche und rötliche Laufentaler Kalkstein war stets gefragtes Baumaterial, das im 19. und 20. Jahrhundert weitherum verbaut wurde. Zu erwähnen sind etwa der SBB-Bahnhof, die Johanniter- und die Wettsteinbrücke in Basel, der Bahnhof Cointrin sowie der Völkerbundspalast in Genf, aber auch Bauten in Übersee.

Ehemals ein Aushängeschild

Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte die Laufentaler Steinhauerei einen Aufschwung, von dem auch die jurassischen Steinbrüche profitierten, die durch eine Fusion zur Juroc wurden. Das Unternehmen, 1880 vom Röschenzer Ignaz Cueni gegründet, gehörte während Jahrzehnten zu den Aushängeschildern der Branche.

In der Blütezeit beschäftigte Juroc über achtzig Mitarbeitende. Trotzdem geriet die Firma ins Schlingern. In den 1990er-Jahren führte die Basler Baugesellschaft BBG das Unternehmen mit reduzierter Belegschaft als Newroc weiter. Schliesslich übernahm Rainer Chrétien im Jahr 2006 die Newroc von der BBG und führte sie bis zum Konkurs vor Weihnachten. Chrétien war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. In der Branche ist der Konkurs der Newroc keine Überraschung. Bei einer Umfrage war zu erfahren, die Newroc habe «unseriös kalkuliert». Kurt Thomann, Seniorchef des seit 1947 bestehenden Familienunternehmens Gebrüder Thomann AG (mit 18 Mitarbeitenden), sagt, dass ihm der Chefbuchhalter des BBG schon vor Jahren gesagt habe, seine Firma «buttere monatlich zig Tausende» in die Newroc.

Dumping-Preise und Grössenwahn

Unmut bei den Konkurrenten hat sich die Newroc geschaffen, weil sie regelmässig «weit unter der Marge» offerierte. Thomann nennt als Beispiel die Sanierung des Klosters Mariastein. Drei Unternehmen, unter ihnen sein eigenes und die Newroc, hätten diese Sanierung zu je einem Drittel realisieren sollen. Während zwei Unternehmen zu je 370'000 Franken offeriert hätten, sei das Newroc-Angebot bei 220'000 Franken gelegen. In der Folge realisierte die Newroc die Sanierung alleine. Neben den Dumping-Angeboten habe die Newroc aber auch ganzseitige, teure Inserate platziert: «Grössenwahn paarte sich mit schlechter Kalkulation», fasst Thomann die Gründe für den Untergang der Newroc zusammen. Andere Vertreter der Branche, die allerdings nicht genannt werden wollen, bestätigen die Aussagen Thomanns. So habe das nun konkursite Unternehmen regelmässig tief offeriert, «weil sie den Auftrag um jeden Preis wollten», wie es heisst. Den Konkurrenten war aber klar, dass «dies auf Dauer nicht gut gehen kann.» Der Branche gehe es nicht schlecht, auch wenn die Margen eng seien, sagt Kurt Thomann. Zudem müssen die Unternehmen an die Gemeinden Abbau-Gebühren – nach Kubikmetern bemessen – entrichten.

Dabei bleibe unberücksichtigt, dass der Laufentaler Jurastein nur zu 20 Prozent den Abbau von Steinen von hoher Qualität ermögliche; 80 Prozent könne man allenfalls für Bodenplatten brauchen. In diesem Bereich sei die Konkurrenz aus dem Ausland gross. Deutsche Firmen hätten, so Thomann, halb so hohe Lohnkosten wie die Schweizer Konkurrenten. Im Tessin und in Graubünden müssten die Unternehmen keine solchen Gebühren entrichten: Dort sei man froh, wenn ein Unternehmen Arbeitsplätze anbiete.