«Es war ein grandioser Moment, als mir Sabine Pegoraro zu unserem Erfolg gratulieren musste.» Die Genugtuung steht dem Läufelfinger Gemeindepräsidenten Dieter Forter ins Gesicht geschrieben. Mit Stationsvorstands-Mütze auf dem Kopf und Signalkelle in der Hand ist er aus Liestal ins Homburgertal zurückgekehrt.

Im prallvollen Saal des Café Brot und So lässt er sich von den euphorisierten Anhängern feiern. Es fühlt sich an, als seien alle, die sich in den vergangenen Monaten für den Erhalt des Regionalzugs eingesetzt haben, nach Läufelfingen gekommen. Inmitten von unzähligen gelben Ballons mit der Aufschrift «S 9 stilllegen: Nein!!!» bejubeln sie ihren Triumph. Politiker aus dem ganzen Baselbiet, Bahn-Nostalgiker und viele Läufelfingerli-Benutzer sind da.

läufelfingerli

«Die Bewegung aus dem Homburgertal hat das ganze Baselbiet ergriffen»

«Die Bewegung aus dem Homburgertal hat das ganze Baselbiet ergriffen»

Ein Gespräch mit der Sissacher Nationalrätin Maya Graf im Läufelfingerli und weitere Stimmen aus dem Lager der Abstimmungssieger.

Unterstützer aus dem Laufental

Die rund 200 Anwesenden sind sich einig: Mit seinem Entscheid für den Weiterbetrieb der Bahnlinie zwischen Sissach und Olten hat sich das Baselbieter Stimmvolk für starke Randregionen ausgesprochen. «Die Solidarität, die uns aus dem ganzen Kanton entgegengebracht wurde, ist grossartig», sagt Dieter Forter. Auf seine Worte folgt ein tosender Applaus des Publikums, das sich damit bei den Baselbieterinnen und Baselbietern bedankt.

Als Geschenk für die vielen Helferinnen und Helfer werden Lebkuchen mit dem Bild des geretteten Läufelfingerli verteilt. Eine der süssen Köstlichkeiten darf Peter Hueber mit nach Hause nach Zwingen nehmen. Gemeinsam mit seinen Mitstreitern aus dem Laufental solidarisierte er sich mit den Zug-Befürwortern. Nach dem Auftritt an der Landsgemeinde in Rümlingen flattert auch am Siegerfest in Läufelfingen eines der kultigen Tücher mit den handgeschriebenen Slogans. Diese kennt man noch von der Abstimmung über die Deponien vor fast genau einem Jahr. Auch damals scheiterte ein Vorhaben des Kantons am Widerstand der Bevölkerung.

Eine Kalorienbombe ins Homburgertal mitgebracht hat hingegen Stephanie Fuchs. Die gebürtige Solothurnerin beschenkt die Läufelfingerli-Anhänger mit einer Solothurner Torte. Auch wenn die Freude über den Erhalt der S 9 derzeit riesig ist, spricht sie den Anwesenden auch ein wenig ins Gewissen: «Es geht jetzt darum, den Regionalzug ideal ins Bahnnetz zu integrieren.» So könne man die Attraktivität des Läufelfingerli deutlich steigern.

Freude im Kanton Solothurn

Aus dem gleichen Kanton wie Stephanie Fuchs kommt Felix Wettstein. Der Grünen-Kantonsrat aus Olten lobt die Stimmbevölkerung des Nachbarkantons: «Wir Solothurnerinnen und Solothurner haben grosse Freude an euch Baselbietern.» Selbstverständlich sei auch er heute mit dem Läufelfingerli gefahren. «In bloss acht Minuten bin ich bei euch.» Für ihn und für viele andere Oltner sei das Homburgertal eine beliebte Ausflugsregion. Auch deshalb rief er, noch bevor im Baselbiet eines gegründet wurde, im Solothurnischen ein Komitee für die S 9 ins Leben.

Nach dem Reden-Marathon stürmen die einen das reichhaltige Buffet, während die anderen den ausgestellten Holzschnitt mit dem über das Rümlinger-Viadukt fahrende Läufelfingerli bestaunen. An den Tischen unterhalten sich viele über ihre Erfahrungen mit dem schon oftmals bedrohten Regionalzug. Darunter ist auch Margrit Balscheit, ehemalige Gemeindepräsidentin von Läufelfingen und im Referendumskomitee stille Helferin im Hintergrund. Sie erinnert sich: «Wir mussten immer wieder für die S 9 kämpfen. Aber es hat sich stets gelohnt.»

Es scheint, dass die Bahn trotz konstant tiefer Belegung einfach nicht totzukriegen ist. Und im Gegensatz zu sonst ist sie nach dem Siegerfest für einmal auch gut gefüllt.