Das war vor vier Jahren grosses Polittheater auf der Liestaler Bühne: Peter Küng (SP) löste mit seiner Motion zu einer Fussgängerzone innerhalb der Stadtmauern im Einwohnerrat eine emotionale Grundsatzdiskussion aus, die zwischen Begeisterung und Empörung hin- und herschwappte und mit 19 zu 19 Stimmen in einem Patt endete. Auf der befürwortenden Seite standen die links-grünen und Mitte-Politiker, auf der ablehnenden die bürgerlichen, angereichert mit ein paar Abweichlern.

Das Tüpfchen auf dem i war die «Stollsche» Entscheidung: Weil Sohn Diego Stoll als einziger Sozialdemokrat Nein stimmte, sorgte schliesslich Vater und Ratspräsident Hanspeter Stoll, ebenfalls SP, mit seinem bejahenden Stichentscheid für die Überweisung der Motion, übrigens gegen den Willen des mehrheitlich links-grünen Stadtrats.

Der zweite, unspektakulärere und abschliessende Akt folgte nun letzte Woche: Der Rat versenkte auf Antrag des Stadtrats das Anliegen, indem er mit 19 zu 14 Stimmen die Motion abschrieb. Der Stadtrat argumentierte, dass insbesondere mit der Aufwertung der – autofreien – Rathausstrasse «wesentliche Ziele» aus der Motion Küng erreicht seien. Küng selbst, mittlerweile Liestaler Einwohnerratspräsident, versteht sich in seiner derzeitigen Rolle als politischer Eunuch und äusserte sich weder in der Debatte noch jetzt im Nachhinein zum Thema.

Parkleitsystem kommt 2019

Heisst der Ratsentscheid nun, dass in Sachen Verkehrsführung in der und unmittelbar um die Liestaler Altstadt auf ewig alles beim Alten bleibt? Der federführende Stadtrat Franz Kaufmann (SP) sagt: «Bei der Verkehrsführung ändert sich vorderhand sicher nichts Grundlegendes. Der von 2019 bis 2025 bevorstehende Vierspurausbau der SBB wird uns mit den im Bahnhofgebiet wegfallenden Parkplätzen, dem Baustellenverkehr und den Verkehrsengpässen schon genug belasten, sodass wir keine neuen Verkehrsbaustellen eröffnen wollen.» Dazu komme auch noch der Postneubau.

Neuerungen stehen aber bei der ganzen Parkplatzsituation an. So wird laut Kaufmann nächstes Jahr ein Parkleitsystem installiert, bei dem auf grossen Tafeln an Liestals Eingangspforten die verfügbaren freien Parkplätze in den Parkhäusern angezeigt werden. Zudem wird in einem Jahr das neue Rebgarten-Parkhaus am untern Altstadtrand eröffnet, in dem für die Öffentlichkeit 60 von der Stadt subventionierte Parkplätze zur Verfügung stehen werden.

Ob die Stadt im Gegenzug in der Altstadt einige Parkplätze aufhebt, lässt Kaufmann offen. Er meint nur vage: «Es ist denkbar, dass aus dem einen oder andern Parkplatz ein Baum wächst. Grundsätzlich sind die 60 neuen Parkplätze aber Ersatz für jene, die mit der Realisierung des Post-Quartierplans in der Allee wegfallen werden.» Im günstigsten Fall begännen der Neubau der Post und die Umgestaltung der Allee im Jahr 2020. Und der Bauminister weist auf einen bis vor kurzem für nicht möglich gehaltenen Konsens: «Wir sind uns in Liestal von der Politik bis zum Gewerbe weitgehend einig, dass wir genügend Parkplätze haben. Das beweist auch der samstägliche Genussmarkt mit viel Publikum ohne Parkplatznotstand.»

Fischmarkt als Wohnstrasse?

Auch wenn Kaufmann froh ist, dass die Küng-Motion beerdigt wurde, heisst das nicht, dass der Stadtrat die Altstadt verkehrlich nicht mehr anfasst: «Wir wollen in Grössenordnung fünf Jahren den Fischmarkt, den Zeughausplatz und die Amtshausgasse aufwerten. Wie, das ist im Moment völlig offen. Sicher ist nur, dass wir das subtil angehen müssen.»

Die Subtilität ist auch dem Umstand geschuldet, dass man sich in Liestal nicht einig ist, wieso der städtebaulich eigentlich pittoreske Fischmarkt gewerblich weitgehend tot ist. Kaufmann sagt dazu: «Für mich haben die vielen Leerstände mit dem Sog der aufgewerteten Rathausstrasse und mit den zahlreichen Parkplätzen, die den Fischmarkt unattraktiv machen, zu tun. Vielleicht heisst die Lösung Wohnstrasse.»

Mit dieser Einschätzung ist Kaufmann gar nicht so weit weg von Küng, der damals, als er seine Motion einreichte und noch nicht politischer Eunuch war, argumentierte: «Einkaufen und Konsumieren hat viel mit Emotionalität zu tun. Man will sich treffen, miteinander plaudern, zusammen sein und sich frei bewegen. All das kann nur eine konsequente Fussgängerzone bieten.»