Am Samstagnachmittag herrschte auch in der zweitgrössten Baselbieter Gemeinde buntes Treiben: Mit insgesamt 70 Guggen, Wagen und Cliquen liess sich der Reinacher Fasnachtsumzug nicht lumpen. Vor allem die Guggen sorgten mit pfiffigen Rhythmen für eine ausgelassene Stimmung bei den zahlreich herbeigeströmten Besucherinnen und Besucher.

«Rynach het z'lang» lautete das Motto der diesjährigen Reinacher Fasnacht. Dabei ging es in erster Linie um die leidige Sanierungsgeschichte des Reinacher Gartenbades und noch so einige andere Dinge, die in Reinach nach Meinung der Fasnächtler halt eben zu lange dauern.

Doch wer einen Umzug ganz im Zeichen des Gartenbad-Fiaskos erwartet hatte, wurde eines Besseren belehrt. Nur wenige Cliquen und Guggen widmeten sich lokalen Themen. Die, die es dann doch taten, machten es aber mit Biss: «S Rynacher Schwümmbi isch nid ganz dicht, aber das isch e langi Gschicht», jammern etwa Deluxe09: «Vom schöne Schwümbi sind mir no wit ewäg, bruun wirsch nur vom Baustelledrägg. Im Wasser muesch e guete Stand ha, damits di nit uf e Rugge haue cha. Uf de Wäg sind Stei so spitz, das git in d Fiess bluetigi Schlitz.»

Hippie-Wagen und Social Media

Tiefsinnig kam die Reinacher Wagenclique Die Behämmerete unter dem Motto «S'gross Theater – um alles und nüt»daher: «Dörfsch mit dine Chind in d' Badwanne sitze? Chönnt bime Chleid ächt dr Buse blitze? Weles Verhalte isch no richtig? Und weles nit – was isch uns wichtig? Mir Waggis findes dorum rächt schwirig, nid z lasch sy oder z'gierig, me chönnte jo eine stööre, wos Gras tuet wachse hööre.»

Die Wagenclique Nochwuchs Waggis Birsegg machten mit einem bunt geschmückten Hippie-Wagen auf sich aufmerksam: «Statt Vorschrifte mache und alles verbiete, düend lieber d'Fasnachtskultur behiete, als Hippies sin mir do, kei Scherz und findes gar nit glatt, dä Kommerz!» Die Fluhstroosgorbser machten den «Socia- Media-Wahn» zum Thema: «Hüt posted me jo jede Mischt, ob das wirklich wichtig isch?»

Die Räppli-Speutzer lamentierten über «D Shipis in unserem Land, mache gärn dä Adler mit ihrer Hand. Es seig ihri Kultur vo dört. Praktisch niemerts wo das stört. Schulterzuckend wird›s zur Kenntnis gno, als miess das eine no verstoh, zeigsch als Schwizer Stolz und Ehr, tien sich negativi Stimme mehre.»

Poetisch geben sich die Wolfschwilerwaggis: «Doch wenn im Friehjohr d'Amsle verliebt ihr Liedli singt, no spyyrsch grad an der Sunne, was d›Stadt und hit no bringt. D'Erinnerig duet uns saage, was Duu no hit darfsch seh, und länggt so Dyni Auge, no zmitts ins freienr Gscheh.»