So aufgeregt sieht man einen ausgefuchsten Gastronomen selten. Doch Silvan Degen war am vergangenen Freitagabend sichtlich bewegt. Schliesslich hatte er gemeinsam mit Partnerin Bea Wagner zum Wiedereröffnungs-Apéro des Gasthauses «Sonne» in Reigoldswil geladen. Nach 21 Jahren als erfolgreicher Gastgeber im Restaurant «Giuseppe Verdi» in Sissach. Der Neuanfang in Reigoldswil sei ein grosser Schritt und eine grosse Herausforderung» so Degen.

Raues Pflaster

Denn scheinbar ist Reigoldswil ein raues Pflaster für die Beizenszene, schliesslich stand die «Sonne», ein Opfer des Beizensterbens, zweieinhalb Jahre leer. Und während Degen und Wagner die Gäste zur Wiedereröffnung der «Sonne» begrüssten, gingen zeitgleich nur einen Steinwurf entfernt andere Lichter aus. Ebenfalls am Freitagabend schloss nämlich der Gasthof Ryfenstein seine Pforten mit einer «Ustrinkete», am Samstag fand ein Totalausverkauf von Einrichtung und Getränken statt.

Wein selbst aussuchen

Silvan Degen aber will sich aufs Positive fokussieren. Er konzentriert sich auf seine saisonale Küche, die auf der klassisch französischen Cuisine beruht und auf den Weinkeller, der bis vor kurzem noch eine Gerümpelkammer war. In tagelanger Arbeit hat er geräumt und geschraubt, ab Mittwoch, wenn das Gasthaus zur Sonne offiziell eröffnet, werden sich die Gäste hier ihren Wein gleich selbst aussuchen können, Apéros sollen bereitstehen. Bereits im Februar hat er begonnen, Wein für seinen neuen Keller einzukaufen. Damals hatte sich die Sache mit der «Sonne» erst ergeben.

Eigentümer Kurt Degen, nicht verwandt, hatte Silvan Degen um ein Konzept für eine Wiedereröffnung des Gasthauses gebeten. Der Gastronom hat sich sofort in die «Sonne verliebt»: «Die Räumlichkeiten haben mich ungemein gereizt.» Ausserdem kennt Degen, der in Titterten aufwuchs, das Gasthaus nur zu gut: «Es erlebte wirklich goldene Zeiten.» Das Gasthaus Sonne war die Lokalität schlechthin für Hochzeitsfeiern im Tal. Mit Banketten im klassischen Stil – erstmals an Silvester – will Silvan Degen an diese Historie anknüpfen. Dies ist nur möglich, weil er praktisch das ganze Inventar seines vorigen Restaurants mitgenommen hat, einen ganzen Lastwagen an Ware. Ausserdem beteiligte sich die Eigentümerschaft an der Einrichtung.

Gasthaus 1593 erbaut

Das Gebäude steht unter Denkmalschutz, die Säle und Stuben, mit 300 Sitzplätzen, sowie die Wand- und Deckenmalereien sind vielfach im Originalzustand. Das Gasthaus, erbaut 1593, gehört zu den ältesten im Kanton. Diese Räume gilt es nun wieder mit Leben zu füllen. Silvan Degen ist optimistisch. Bereits jetzt verzeichnet er eine stolze Zahl an Reservationen «und das, obwohl wir noch gar nicht geöffnet haben. Das stimmt uns zuversichtlich.» Falls das doch nicht hinhaut, hat das Wirtepaar Wagner-Degen immer noch die Glaceproduktion aus «Giuseppe Verdi»-Zeiten und das Schwimmbadrestaurant in Sissach.