Bis vor kurzem wusste niemand, wie alt die gotische Balkendecke im Torstübli ist, das sich im ersten Geschoss des Liestaler Törlis befindet. «Wir haben diese Decke immer wieder betrachtet, so wie sie ausgesehen hat: mit Wurmfrass und irgendwelchen Oberflächenbehandlungen jüngeren Datums», erzählt Christoph Reding, der stellvertretende Kantonsarchäologe.

Der Turm wurde vor etwa 100 Jahren umgebaut; offenbar waren auch die gotischen Fenster ersetzt worden. Man habe den Eindruck gewonnen, die Holzdecke sei damals vielleicht sekundär eingebaut worden, sagt Reding.

Während der Renovationsarbeiten am Törli, die vergangenes und dieses Jahr stattfanden, führte die Archäologie Baselland an der Holzdecke eine Jahrringanalyse durch. Das Resultat: Die gotische Balkendecke stammt von 1398/99 und ist damit die älteste bekannte Holzdecke im Kanton. Laut Christoph Reding besteht sie aus Nadelhölzern und Eiche.

1427 erstmals schriftlich erwähnt

Nachdem das Stedtli 1381 – es war damals im Besitz des Bischofs von Basel – in Brand gesteckt worden war und niederbrannte, veräusserte es 1400 der in Geldnöten steckende Bischof an die Stadt Basel. «Wir vermuten, dass die Stadt Basel dann rasch entschieden hat: Hier muss ein Turm hin», so Reding. Erstmals schriftlich erwähnt worden ist das «obere Tor» aber erst 1427.

In den kommenden Monaten führt eine Studentin aus Arlesheim, die an der Universität Bamberg ihr Masterstudium in Bauforschung absolviert, im Liestaler Törli eingehende bauarchäologische Untersuchungen durch.

Im Zentrum stehen Aufnahmen mit einem Laserscanner. Daraus entstehen sollen Pläne von Geschossen und Schnitten durchs Gebäude. «Daraus resultieren detaillierte Pläne, in die wir auch gewisse Einzelheiten unserer Bauuntersuchungen eintragen werden», erklärt der stellvertretende Kantonsarchäologe.

Sie dienen einerseits dazu, dass Fachleute gewisse Sachen besser verstehen. Andererseits sind sie Dokumente für die Nachwelt, sollte dem Törli mal etwas widerfahren. Dann wäre das Objekt mit seinem ganzen Bestand untersucht, und man könnte es formgetreu wieder ergänzen, erklärt Christoph Reding.

Vielleicht setzt die Studentin, welche diese Arbeiten im Rahmen ihrer Masterarbeit verrichtet, auch eine Wärmebildkamera ein. Damit könnte man unter dem Putz im Mauerwerk zum Beispiel zugemauerte Öffnungen entdecken. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass es mit den Temperaturunterschieden klappt.

Gibts weitere Überraschungen?

Reding setzt grosse Hoffnungen in die Tätigkeit der Arlesheimerin, die von Archäologie Baselland unterstützt wird. «Wir erwarten schon das eine oder andere, das noch auftauchen könnte.»

Die grössten Überraschungen bei derartigen Projekten bringen sogenannte dendrochronologische Untersuchungen (Jahrringanalysen) hervor. Diese hätten stets einen grossen Aha-Effekt, spricht Christoph Reding aus Erfahrung. Wenn auf diese Weise ein Baudatum eruiert worden sei, gehe oft ein Licht auf. Vielmals kann damit die Geschichte eines Bauwerkes neu geschrieben werden.

Nun stellt sich die Frage, ob wohl noch weitere Geheimnisse im Törli zu Liestal schlummern.