«Viele Bienen machen den Honig», lautet die Erkenntnis im Aufklärungsfilm der Basellandschaftlichen Kantonalbank (BLKB). Doch geht es nicht um die Bienchen und Blümchen prüder Sexualaufklärung. Vielmehr erklärt die Drohne Franz auf Youtube das neue Geschäftsfeld der BLKB: Wer eine tolle Idee, ein innovatives Projekt oder eine umwerfende Vision hat, aber kein Geld, besorgt sich dieses auf der der BLKB-Website miteinander-erfolgreich.ch: Ein Schwarm von Sponsoren – auf Youtube die «Bienen» – beteiligt sich mit mehr oder weniger grossen Beträgen und erhält dafür ein Schmankerl: Für 1000 Franken gibts beispielsweise ein Candle-Light-Dinner mit dem Regisseur des geplanten Baselbieter Roadmovies «Doug & Walter», für 35 Franken bekommt man immerhin «einen Kuss auf den Bauch mit Anlauf» – von wem auch immer. Mit einem Beitrag von 150 Franken kann man mit einem der beiden Studenten, denen man die Teilnahme an den Segelflug-Weltmeisterschaften in Australien finanziert, in die Luft gehen. Den dazu passenden Unisex-Duft gibts für einen Tausender, wenn man sich an der Produktion einer limitierten Edition des Parfüms «Air-Mail» beteiligt, das als Maturarbeit und bei «Schweizer Jugend forscht» Lorbeeren abgeräumt hat.

Alles oder nichts

Die Spielregeln: Wer Geld für sein Vorhaben sucht, beschreibt dieses auf der neuen Crowdfunding-Website der BLKB, gibt den Betrag an, den er erreichen will und einen Zeitraum von maximal drei Monaten. Für die eingehenden Spenden muss er ein Konto bei der BLKB einrichten und das Projekt wird von der BLKB auf Sittenwidrigkeit, Geldwäscherei und Ähnliches geprüft.

Wird es zugelassen, kann man in einer der 16 möglichen Kategorien von Soziales über Technologie, Wissenschaft, Journalismus oder Kunst bis Musik publizieren. Erreicht die Sammlung innerhalb der Frist den Zielbetrag – oder auch mehr – so zahlt die BLKB 90 Prozent der Summe an das Projekt aus. 6 Prozent behält sie als Provision, 4 Prozent sind für die Transaktionskosten. Findet die präsentierte Idee aber zu wenig Zuspruch und erreicht das angepeilte Spendenziel nicht, so geht das Geld zurück an die Spender.

Den Einwand, solche Crowdfunding-Websites gebe es bereits – beispielsweise wemakeit.com – kontert Beat Oberlin, CEO BLKB, mit dem Hinweis, miteinander-erfolgreich.ch sei die erste Website, bei welcher der Betreiber der Plattform mit einem eigenen Beitrag interessanten Projekten zum Erfolg verhelfen will. «Jährlich erhalten wir rund 400 Sponsoring-Gesuche. Nur ein Viertel können wir unterstützen. Künftig können wir den anderen anbieten, ihre Projekte auf unserer Plattform zu präsentieren.»

Risikolose Finanzvermittlung

Trotzdem ist der Vergleich mit wemakeit.com nicht ganz falsch: Die Technologie der neuen BLKB-Website entwickelt Swisscom als Plattformprovider in Kooperation mit wemakeit. Manuel Walker, Leiter Banking & Cloud der Swisscom, liess gestern an der Medienkonferenz durchblicken, was einen Finanzdienstleister wie die BLKB reizt, eine Plattform für Schwarmfinanzierung zu betreiben: «Der Crowdfundingmarkt verdoppelt sich 2014. Das gleiche Wachstum erwartet man für 2015.» Und in Wachstumsmärkten kassieren jene die Innovationsrendite, die zuerst einsteigen: Die BLKB lanciert als erste Schweizer Bank einen eigenen Crowfunding-Marktplatz. Sie ermöglicht damit eine direkte Finanzierung von Privat zu Privat, bei der sie selbst keine Risiken eingeht.

Dabei darf sie damit rechnen, dass alle, die aus der ganzen Schweiz Projekte einreichen und dafür Werbung machen, zugleich PR für die BLKB betreiben. Entsprechend stellt Oberlin miteinander-erfolgreich.ch in einer Reihe mit anderen BLKB-Innovationen wie der Online-Hypothek via Swissquote oder die Gratis-Erdbebenversicherung auf Hypotheken.

Bereits gestern wurden fünf Projekte für insgesamt 58 000 Franken aufgeschaltet. Neben dem bereits erwähnten Film, dem Parfüm und den Segelfliegern geht es um ein Gratis-Open Air in Liestal und um die dritte CD der Brassband «Bieranjas» aus dem Fricktal und dem Baselbiet. Diese haben aufgrund ihres Auftritts im SRF-Format «Kampf der Orchester» bereits schweizweite Bekanntheit erlangt und dürften kam Probleme haben, die angepeilten 20 000 Franken zu erreichen. In den ersten neun Stunden erreichten sie bereits 612 Franken – und die Schlagzeuglektion ist bereits ausverkauft.