Eigentlich wollte sich die Baselland Transport AG (BLT) nicht in die Abstimmung um den Margarethenstich einmischen. Das sagte deren Direktor Andreas Büttiker immer wieder. Auch in seinem Gastbeitrag, der gestern in der bz erschien. Oder in der gestrigen Pressekonferenz, die er am Montag eiligst einberufen hatte. «Wenn Behauptungen verbreitet und Unsicherheiten geschürt werden, müssen wir uns einfach zu Wort melden», erklärte Büttiker denn vor den versammelten Medien. «Wir haben nichts gegen eine Debatte, aber sie muss auf Fakten basieren.»

Wenig Verständnis zeigt dafür Hanspeter Weibel vom Nein-Komitee. Dass sich nun die BLT eingeschaltet hat, bezeichnet er als «äusserst befremdlich». Die BLT steckt in der Rolle des Auftragnehmers, würde sie die Tramlinie auf dem Margarethenstich doch im Auftrag der Kantone betreiben. «Das wäre, als würden die Bauunternehmer eine Medienkonferenz einberufen, wenn über ein Bauprojekt abgestimmt wird.»

War auf Kritik gefasst

Büttiker hat mit solcher Kritik schon gerechnet, wie er auf Anfrage der bz sagt. «Aber ich bin am nächsten am Betrieb, kenne die Herausforderungen und Kundenbedürfnisse. Daher kann ich aus erster Hand Auskunft geben.» Ihm sei es denn auch nicht um Politik gegangen, sondern die Berichtigung verschiedenster Gerüchte. «Es ist durchaus berechtigt, dass wir uns da einschalten. Wir sind nicht einfach eine ausführende Verwaltungseinheit, sondern ein privatwirtschaftlich geführtes Unternehmen.»

Weibel bleibt dabei: «Dass sich ein Vertreter der BLT in eine politische Debatte einmischt, ist nicht richtig. Wenn allenfalls Fakten richtiggestellt werden sollen, dann muss das die zuständige Regierungsrätin Sabine Pegoraro machen.» Dass sie das übernimmt, hätte sich auch die Co-Präsidentin des Ja-Komitees Elisabeth Schneider-Schneiter gewünscht. «Grundsätzlich wäre es die Aufgabe der Regierung, die Unmengen an falschen Behauptungen, die kursieren, richtigzustellen», findet die CVP-Nationalrätin. «Da diese jedoch nicht aktiv wurde, bin ich froh, dass Andreas Büttiker das übernommen hat, auch wenn er Auftragsnehmer ist. Er machte ja keine Abstimmungspropaganda.»

Weibel sieht das anders. Büttiker habe sich ja im Gastbeitrag bereits zu den laut ihm «unhaltbaren Behauptungen der Gegner» geäussert. «Aber ich dachte, mit dem Gastbeitrag sei das Thema erledigt. Ich schloss daraus, dass die übrigen Aussagen der Gegner des Margarethenstichs korrekt sind. Wieso jetzt gleich noch eine Pressekonferenz nachgeschoben wird, verstehe ich nicht.»

Büttiker begründet die von ihm in Absprache mit Pegoraro einberufene Medienkonferenz mit einem Gastbeitrag, der am Montag in der «Basler Zeitung» erschienen war und das Fass zum Überlaufen gebracht habe. Darin legt Paul Bossert – einst Mitglied im Referendumskomitee, heute Einzelkämpfer – eine Alternative zum Margarethenstich dar: Das von Binningen kommende Gleis soll bei der Heuwaage mit einer Kurve mit jenem der Linie 16 in der Inneren Margarethenstrasse verbunden werden und bei der Markthalle Richtung Bahnhof abbiegen.

«Wir haben diese Variante mehrfach angeschaut und sie verworfen», so Büttiker. Dies unter anderem, weil die Gleisabnützung in der steilen Kurve bei der Heuwaage zu gross wäre und weil bei der Markthalle neue Stausituationen entstehen würden. «Damit wurde suggeriert, dass bei einem Nein schon eine Rückfallebene existiert», sagt Büttiker. «Aber es gibt keinen Plan B. »

Am Beitrag über die Alternativvariante stört sich auch Weibel. Ihm gehe es nicht um die Umsetzbarkeit dieser Variante. «Aber die Darlegung von Paul Bossert macht weis, das Stimmvolk hätte die Wahl zwischen dem Margarethenstich und seiner Variante, was nicht der Fall ist.»

2er und 10er fahren weiterhin

Die Alternativvariante ist nur eines von vielen Gerüchten und Gegenargumenten, die Büttiker zum Schritt an die Öffentlichkeit bewogen haben. So höre man immer wieder Befürchtungen, dass der 2er nicht mehr an den Bahnhof fahren oder der 10er künftig über den Margarethenstich verkehren soll. Beides stimme nicht, sagt Büttiker. Auch das Gegenargument, dass die Arbeitsplätze im Klybeck durch die neue Linienführung abgehängt würden, möchte Büttiker nicht gelten lassen. Wegen diesen sei die Linie 17 vor 30 Jahren eingeführt worden. Mittlerweile seien die meisten dieser Arbeitsplätze jedoch nicht mehr vorhanden und der 17er werde kaum noch für den Arbeitsweg dorthin benützt. Deshalb sei er vor vier Jahren bereits eingekürzt worden und verkehrt morgens nur noch bis zur Schifflände.