Grenzenloser Jubel. Frenkendorfs Gemeindepräsident greift im Bus auf der Heimfahrt durch die Nacht zum Mikrofon. Vor einer Stunde erst haben sich die Frenkendörfer Jasser gegen starke Konkurrenz aus Binningen behauptet. Damit kommt der Donnschtig-Jass von SRF am kommenden Donnerstag nach Frenkendorf.

Der «megastolze» Gemeindepräsident fordert tosenden Applaus für die vier Frenkendörfer Jasser ein und adelt OK-Präsident Toni Kummli: «Toni lebt den Donnschtig-Jass mit Leib und Seele.»

Gradl, bekannt für Witz und launige Reden setzt noch einen drauf. «Ab morgen luchsen wir Pratteln das Schwingfest ab und holen die Fussball-WM nach Frenkendorf, dann kann ich mit einem guten Gefühl zurücktreten.» Natürlich bloss ein Scherz, aber vielleicht zeigt gerade dieser Scherz, welchen Stellenwert die Frenkendörfer Seele diesem Erfolg beimisst. Schliesslich gelang der Coup vor vier Jahren nicht, als man Arlesheim unterlag.

In bestechender Tagesform

Die Binninger zeigten sich enttäuscht. Sonja Wernli, treibende Kraft im OK, meinte, «es ist sehr schade, konnten wir nicht gewinnen, denn wir haben viel investiert». Noch am Nachmittag hatten sie und Dominique Ehrsam von der wunderschönen Kulisse geschwärmt, vor der Ihr Donnschtig-Jass hätte stattfinden sollen. Vor dem Schloss Binningen. Die Binninger zeigten sich aber auch als gute Verlierer. Mitjasser und Gemeinderat Daniel Nyffenegger (FDP) bekundete sportlich, «Frenkendorf hat verdient gewonnen.»

Damit lag Nyffenegger richtig. Möglicherweise war dazu aber mehr als eine Prise Wettkampfglück nötig. Im Jass-Memory werden den Kandidaten neun Spielkarten vorgelegt, die nach 20 Sekunden umgedreht werden. Danach müssen möglichst viele der Karten richtig benannt werden. Binningens Gemeinderat Christoph Anliker (SVP) erinnerte sich an deren sieben. Eine starke Leistung. Pech nur, dass die Konkurrenz in der Person von Miriam Baumann-Blocher, der Besitzerin des Läckerli Huus, bestand. Sie erinnerte sich an jede einzelne Karte. Gemäss einem Mitglied der Fernsehcrew hatte das bisher erst ein einziger Kandidat geschafft. Baumann-Blocher und die Frenkendörfer hatten zudem einen Werbegag auf Lager. Sie verteilten 2000 Läckerli in Form einer Jasskarte im Publikum. Von jenen Exemplaren, die SRF zeigte, musste erst der Aufkleber mit dem Firmenlogo entfernt werden.

Noch nicht ganz verloren

Und dann jasste das Quartett Kurt Schwob, Jonas Rosenthaler, Thomas Hartmann und vor allen anderen Marlies Mathys einfach richtig gut. Mathys schloss zwei ihrer drei Differenzler-Runden mit einem Nuller ab. Lag das Binninger Quartett mit Daniel Nyffenegger, Barbara Voegelin, Benedikt Hächler und Brigitte Buser nach der ersten Runde noch in Führung, lautete das Schlussresultat 48 zu 97 zugunsten von Frenkendorf.

Ganz aus dem Rennen ist Binningen damit noch nicht. Die zwei besten Verlierer treten zum Schluss gegeneinander an, um den ersten Austragungsort der nächsten Saison auszujassen. Eine Runde vor Schluss liegt Binningen hinter Thun auf dem zweiten Rang.

OK-Präsident Mike Keller (FDP) konnte dem Binninger Abenteuer Donnschtig-Jass trotz Niederlage viel Gutes abgewinnen. «Die bisherigen Vorbereitungen auf den kommenden Donnschtig-Jass haben wir wo immer es möglich war, gemeinsam organisiert», sagte Keller. Derjenige, der den Zuschlag nicht erhält, solle so wenig Unkosten und Umtriebe wie möglich haben. Ein positiver Nebeneffekt sei, «dass sich gezeigt hat, wie problemlos und konstruktiv Gemeinden zusammenarbeiten können». Für die Binninger könnte es noch zum Duell mit Thun kommen. Für die Frenkendörfer gilt es, das «Fest» vorzubereiten.

Auf der Heimfahrt durch die schwarze Nacht plärren alte Gassenhauer aus den Lautsprechern. Sonst ist es ruhig und dunkel geworden im Bus. Roger Gradls Blick geht ins Leere. Wahrscheinlich lässt er nochmals die Proben vom Nachmittag Revue passieren.

«Das ist kein Traum, oder?»

Der plötzlich einsetzende Regen. Moderator Roman Kilchsperger, der die Binninger mit diesen Worten begrüsste: «Jööö, seid ihr schon in schwarze T-Shirts gekleidet; habt ihr eure Niederlage bereits eingestanden?». Ein Frecher, dieser Kilchsperger. Reto Scherrer, der durchgab, wann und wie gejubelt werden sollte. Oder Angelo Kelly, der einst Kleinste der Kelly Family, der nun eine eigene Kelly Family zum Singen bringt. So vielem ist Gradl an diesem Tag begegnet. Dann stupst er sein Gegenüber, Bürgerratspräsident Peter Schaub, an: «Hey, Piet, sag, haben wir es wirklich geschafft? Das ist kein Traum, oder?»