Das Kantonsspital Baselland (KSBL) will am Standort Liestal ein grosses Parkhaus bauen: Gemäss Recherchen der bz ist im Gebiet Mühlematt ein mehrstöckiges, oberirdisches Parking mit 700 Plätzen geplant.

Für das Grossprojekt gibts mehrere Gründe: Bekanntlich will das KSBL in Liestal für 150 Millionen Franken einen neuen Behandlungstrakt bauen. Darin sollen Notfallstation, Operationssäle, Intensivstation und Radiologie untergebracht werden. Für den Neubau müssen nördlich des Hauptgebäudes einige Dutzend Parkfelder weichen.

Zudem soll ein grosses Parking dazu beitragen, die unübersichtliche Situation zu beseitigen: Heute sind die insgesamt 630 Parkplätze für Mitarbeitende, Besucher und Patienten in Liestal auf ein Dutzend Flächen in der näheren und weiteren Nachbarschaft verteilt; das KSBL ist in mehreren Parkings anderer Eigentümer (300 Plätze) eingemietet. Die Umgebung des Spitals hat Hinterhof-Charakter.

Ambulante Behandlungen steigern den Parklatzbedarf

Schliesslich macht das KSBL einen Bedarf an zusätzlichen Parkplätzen geltend. «Wir haben immer mal wieder Meldungen von Mitarbeitenden, Patienten und Besuchern, die keinen Parkplatz finden», sagt KSBL-Chef Jürg Aebi auf Anfrage. Ein Grund sei der Trend zur Ambulantisierung der Medizin. Auch in Liestal werden immer mehr Patienten nicht mehr stationär behandelt; sie suchen das Spital nach der ambulanten Erstversorgung mehrmals zur Kontrolle und Therapie auf. Damit steigt das Verkehrsaufkommen.

Wie gross und wie teuer das Parking wird, ist noch nicht bekannt. Man sei derzeit gemeinsam mit der Stadt Liestal an der Erarbeitung des Quartierplans; sobald dieses offiziell gestartet sei, würden die Kosten bekannt, sagt Aebi. Ebenfalls noch nicht verraten will das Spital den genauen Standort des Parkings.

Allerdings kommt dafür fast nur der heutige ebenerdige Parkplatz zwischen KSBL-Direktionsgebäude und Gewerbeschule infrage. Alle anderen Flächen in Fussgängerdistanz zum Spital sind entweder anderweitig verplant oder zu klein.

Wahrscheinlich muss Liestal über das Projekt abstimmen

Der zuständige Stadtrat Franz Kaufmann (SP) bestätigt, dass das Projekt derzeit in der Stadtbaukommission diskutiert wird. «Ich bin sehr gespalten», kommentiert Kaufmann. Einerseits sei er «gottenfroh», dass es nun endlich konkrete Pläne gibt, die vielen Parkplätze rund ums Spital zu konzentrieren. Begrüssenswert sei auch, dass das Parking in die Gesamtplanung für das Gebiet Mühlematt einbezogen wird.

Als «suboptimal» bezeichnet Kaufmann hingegen, dass mitten im Siedlungsgebiet ein mehrstöckiges oberirdisches Parkhaus errichtet werden soll. Das vorgesehene Areal befindet sich in der Wohn- und Geschäftszone (WG 3). Dort ist für ein grosses Parking ein Quartierplan nötig; dieser muss durch den Stadt- und den Einwohnerrat.

Eine Volksabstimmung ist wahrscheinlich, die öffentliche Kontroverse programmiert. Bis schon nur die Bewilligung da ist, dauert es noch mindestens zwei Jahre. Kaufmann betont, dass die Stadt für das Parkhaus einen Standort näher an der Rheinstrasse, Liestals Hauptverkehrsachse, bevorzugt hätte. «Allerdings sehen wir auch, dass dort kaum geeignete und verfügbare Flächen vorhanden sind.»

Der Neubau liegt deutlich hinter dem Zeitplan

Dass im Liestaler Gebiet Mühlematt ein Parkhaus gebaut werden soll, ist an sich nicht neu. So existieren Pläne der Elektra Baselland (EBL) für ein Parking auf einer eigenen Parzelle östlich des Spitals an der Ergolz mit 275 Parkplätzen. Davon hätte die EBL rund 200 ans KSBL vermietet. Die Stadt hat für das Projekt 2013 sogar einen Quartierplan abgesegnet.

Wie KSBL und EBL mitteilen, ist diese Zusammenarbeit beendet worden. Grund: Mit dem KSBL-Neubau habe sich die Ausgangslage verändert; die im EBL-Parking zur Verfügung stehenden Plätze reichten nicht aus, um den Mangel zu beheben, sagt Aebi. Für die EBL kein Beinbruch, wie deren Chef Tobias Andrist auf Anfrage betont: «Dass das gemeinsame Parking gescheitert ist, ist für uns nicht weiter tragisch.» Die EBL verfüge über genügend Parkplätze, um die eigenen Bedürfnisse zu decken.

Zwar sei das Areal unternutzt, betont Andrist, fügt aber an: «Das ist kein Problem, das wir bereits morgen gelöst haben müssen.»
Derweil verzögert sich der KSBL-Neubau: Laut Aebi soll das Siegerprojekt des Architekturwettbewerbs im Februar 2019 bekannt gegeben werden; ursprünglich vorgesehen war Dezember 2017. Mit dem Spatenstich ist nicht vor 2021 zu rechnen.