Kahl und löchrig sind die mattgelben Wände, staubig der hellrote Spannteppich des Kinos Oris. Und vorne ein grosses schwarzes Nichts. Kaum etwas erinnert daran, dass hier am 11. Dezember noch der kleine Toto dank des alten Filmvorführers Alfredo im «Cinema Paradiso» die Liebe zum Kino entdeckte.

Denn nach der Abschiedsvorstellung montierte der bisherige Kino-Betreiber Hansjörg Beck alles ab, was ein Kino ausmacht: die 185 Sessel, die Lautsprecher, den Filmprojektor – und eben auch die Leinwand. So präsentiert sich der Filmsaal ziemlich trostlos. Wobei: Seit Kurzem wird wieder gehämmert und gebohrt, Lautsprecher werden aufgehängt, die neue technische Anlage installiert. Das Kino als Baustelle. Und vor dem Eingang an der Liestaler Kanonengasse hängt ein Schild, das alles erklärt: «Kinostart im Mai!»

Teamarbeit statt Vermietung

Ulrich Beyeler will es also noch einmal wissen. Dem 72-jährigen Architekten und Immobilien-Treuhänder gehört seit fünf Jahren die Liegenschaft, in der das Kino beheimatet ist. Seine Kinooris AG war für den Barbetrieb, den Ticketverkauf und die Angestellten zuständig, bis die Firma im November 2016 die Bilanz deponieren musste.

Nach dem grossen Knall mit seinem Mieter Beck, dem das ganze Kino-Equipment gehörte, blieb lange unklar, wie es mit dem «Oris» weitergeht. Nur die Bar blieb stets geöffnet (bz berichtete mehrfach).

«Ich musste mich fragen, wie ich einen so komplexen Betrieb mit Kino, Bar und Events erfolgreich betreiben kann», sagt Beyeler zur bz. Das klassische Vermieter/Mieter-Modell und die Trennung von Kino und Bar sind für ihn gescheitert. Seine Lösung: «Von nun an soll ein Team, bei dem sich alle mit viel Herzblut hineinknien, zusammen für den ganzen Betrieb verantwortlich sein.»

Ein neues Businessmodell also. Schon Ende November hat Beyeler dafür mit der Kinooris Bar GmbH eine neue Gesellschaft gegründet und mit 20 000 Franken Stammkapital ausgestattet, wie dem Handelsregisterauszug zu entnehmen ist.

«Eine GmbH ist buchhalterisch einfacher zu führen als eine AG mit ihrem Aktionariat», so seine Erklärung. Zurzeit hält Beyeler alle Anteile, doch nach und nach sollen sich weitere Teammitglieder beteiligen können. Bereits an Bord ist die bisherige Kino-Oris-Wirtin Melissa Vogt als Geschäftsführerin sowie der bisherige Barman Yvo Dekonti. Beim gestrigen Baustellen-Augenschein der bz war mit Treuhänder Martin Affentranger auch jene Person zugegen, die sich hauptsächlich um die Finanzen des Betriebs kümmern soll.

Doch auch wenn jeder im Team eine Kernkompetenz hat, betonen alle: «Wir kümmern uns auch um diverse weitere Aufgaben.» Nur so seien sämtliche Arbeiten, die bei einem Kino und einer Bar anfallen, abzudecken. Und es braucht noch mehr Leute. Beyeler schätzt, dass das Team am Ende auf fünf bis sechs Personen anwachsen wird. Zurzeit führe man diverse Gespräche.

Man bleibt dem Mainstream treu

Eine Schlüsselposition dürfte sein, wer sich beim Kino Oris künftig um die Filmauswahl kümmert. Hier muss Beyeler neidlos anerkennen: «Das Kinoprogramm von Beck war sehr erfolgreich. Daran wollen wir anknüpfen.» Letztlich hofft das Team, einen alten Kinofuchs mit guter Nase zu finden, der zumindest zu Beginn hilft, aus den hunderten von Filmen, die jedes Jahr erscheinen, auszuwählen. «Mittelfristig wollen wir diese Aufgabe aber auch zu uns holen», sagt Affentranger. Schliesslich sollten Film, Kino und Bar harmonisch aufeinander abgestimmt sein.

Fest steht: Das «Oris» setzt weiterhin auf Mainstream-Filme. Das habe dem Kino laut Beyeler letztes Jahr einen Besucherzuwachs beschert. Bis im Mai – der genaue Eröffnungstag steht noch nicht fest – bleibt aber noch viel zu tun. Das Team möchte die Platzzahl von zuletzt 185 auf rund 150 reduzieren, dafür sollen die Sessel breiter werden. 16 Logen mit Tischen im hinteren Saalbereich sollen ein spezielles Kinoerlebnis ermöglichen.

Auch die Wände und Böden werden neu gestaltet, die Technik modernisiert. «Es gibt ein komplett neues Kino», sagt Beyeler. Vom Erfolg ist man überzeugt. Dass das «Oris» den Liestalern wichtig ist, dafür gibt es ein untrügliches Zeichen: An der Fasnacht war die temporäre Schliessung ein Sujet.