«Das ist Dingo», sagt Marco Casartelli und zeigt auf ein Bild eines Hundes, das im Eingangsbereich des KleintierKrematoriums hängt, «Er ist der Initiant von dem hier». Als der Hund der Familie Casartelli starb, stellte sich die Frage, was mit dem vierbeinigen Familienmitglied passieren sollte.

Tierfriedhöfe gab es damals noch nicht, die Kadaversammelstelle war für die Familie kein Thema. Es gab in der Schweiz zu diesem Zeitpunkt zwei Krematorien für Kleintiere. Doch die Tiere wurden zur Lagerung beinahe tiefgefroren und danach in eine Öffnung geworfen, wo sie verbrannt wurden, erzählt Casartelli. Auch das war nicht das, was sich die Familie vorstellte. Also fand Dingo seine letzte Ruhe im Garten der Familie.

Doch Werner, den Vater von Marco Casartelli, beschäftigte das Thema. Im Traum hatte er ein klares Bild vor Augen: Dingo, der auf einem Wägelchen ohne jegliche Gewaltanwendung oder Einfrieren ins Krematorium geschoben wird, anstatt achtlos reingeworfen. Der Traum liess Werner Casartelli nicht los.

Anfangs wurde er belächelt

So tat er sich mit einem Ingenieur zusammen, der ihm helfen sollte, ein Krematorium zu entwerfen, wie er es im Traum gesehen hatte. Die beiden tüftelten so lange, bis sie eine Version hatten, die funktionierte.

1998 hängte er seinen Job an den Nagel und eröffnete in Duggingen das Kleintier-Krematorium. Am Anfang wurde Werner Casartelli für seine Idee belächelt. Es gäbe ja bereits Möglichkeiten, sein Tier kremieren zu lassen und auch in der Kadaversammelstelle würden die Tiere schlussendlich verbrannt, hiess es.

«Was natürlich nicht stimmt», erklärt Marco Casartelli, «Das aus den Kadavern gewonnene Tiermehl wurde verbrannt. Was diesen Leuten nicht klar war: Viele Menschen wünschen sich einen würdevollen Umgang mit ihrem toten tierischen Familienmitglied», sagt er.

Bewusst keine Vergrösserung des Betriebes

Zwölf Jahre später übernahm er das Kleintier-Krematorium von seinem Vater. Der gelernte Textillaborant arbeitete in der Forschung, gab aber bereitwillig seinen Job zugunsten des Familienunternehmens auf.

Da er selbst miterlebt hatte, was der Verlust eines Haustieres für ein einschneidendes Erlebnis sein kann, war für ihn die Arbeit im Krematorium sinnstiftender als die in der Chemie. Rückblickend sei er froh, konnte er sich die Entlassungswellen in der Chemie ersparen. Heute arbeiten fünf Leute im Betrieb.

Es hätte die Möglichkeit gegeben den Betrieb zu vergrössern. Doch die Casartellis entschieden sich bewusst dagegen. «Wenn man grösser wird, passieren mehr Fehler», sagt der Geschäftsführer. Ausserdem sollte der familiäre Rahmen beibehalten werden. Etwa 2’800 Kremationen werden jährlich vom Team durchgeführt, Tendenz steigend.

Manchmal reicht auch ein Plastiksäckchen

Obwohl Casartelli tausende von toten Tieren entgegengenommen hat, ist er nicht abgestumpft: «Es ist meistens sehr emotional, wenn Tiere vorbeigebracht werden. Manche Menschen sind alleine in ihrer Trauer. Das geht mir teilweise auch nahe», erzählt er.

Wenn zum Beispiel eine ältere, alleinstehende Person, die nur noch ihr Haustier hatte, vorbeikäme, berühre ihn das sehr. Solche Erlebnisse verarbeite er Zuhause im Gespräch mit seiner Familie. Es sei auch einfacher, sich abzugrenzen, weil er die meisten Tiere nicht lebendig gekannt habe.

Ein Grossteil seiner Kundschaft wolle eine Einzelkremation der Tiere um ihre Asche danach mitzunehmen. Dafür bietet Casartelli verschiedene Möglichkeiten an. Von der Swarovski-Urne über Urnen in Tierform oder einfache Holzkistchen hat er alles im Sortiment. Manchmal reicht aber auch ein Plastiksäckchen: Dann, wenn die Tierbesitzer die Asche verstreuen möchten.

Die meisten Tiere, die kremiert werden, seien Hunde oder Katzen, sagt Casartelli. Aber auch Hamster, Schlangen oder andere Tiere würden abgegeben.

Inzwischen ist das Kleintier-Krematorium Duggingen nicht mehr das Einzige in der Schweiz mit dem Konzept, tote Tiere behutsam zu behandeln. Aber es ist wohl das Einzige, das durch ein im Traum entstandenes Bild entwickelt und verwirklicht wurde.