Die Rennbahnkreuzung gehört zu den wichtigsten Verkehrsknoten im Kanton Baselland. 25'000 Fahrzeuge passieren sie gemäss einem Verkehrsmonitoring von Rudolf Keller & Partner täglich. Dazu kommen Trams, Velofahrer und Fussgänger. Die Kreuzung hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Unfallschwerpunkt entwickelt.

Gemäss Baselbieter Verkehrsunfallstatistik wurden 2017 acht Personen bei Unfällen auf der Rennbahnkreuzung leicht verletzt, 2016 waren es deren fünf. Nicht eingerechnet sind dabei die Unfälle ohne Personenschaden und jener grosse Unfall am 18. Oktober 2017, als ein Lastwagen in ein Tram fuhr und 37 Personen verletzt wurden.

Erhöhte Leistungsfähigkeit

Mit ein Grund für die Unfallzunahme ist die Änderung der Steuerung der Lichtsignalanlage 2014. Seit dem haben links abbiegende Fahrzeuge aus der Margelackerstrasse in Richtung St. Jakob gleichzeitig grün wie die entgegenkommenden geradeaus fahrenden Fahrzeuge aus der Birsfelderstrasse. Mit einem orangefarbenen Blinklicht wird die Situation zwar angezeigt, trotzdem kam es deswegen zwischen 2015 und 2017 zu fünf Unfällen mit drei leicht verletzten Personen.

«Mit der Steuerungsanpassung sind die Anforderungen an den Fahrzeuglenker etwas gestiegen», gibt Urs Hess, Leiter Geschäftsbereich Kantonsstrasse beim Baselbieter Tiefbauamt, zu. Die fünf Unfälle wären mit der alten Steuerung nicht möglich gewesen. Trotzdem verzichtete das Tiefbauamt bisher auf eine Rückkehr zum alten Steuerungsregime. Die Situation werde aber im Auge behalten. Gemäss Hess hat sich die Steuerungsanpassung aber gelohnt: Die Leistungsfähigkeit der Kreuzung habe sich seit 2014 erhöht.

Kurze Grünphasen für Velos

Die Rennbahnkreuzung wird täglich auch von hunderten Kindern auf dem Velo überquert, die im Schulhaus Margelacker oder Hinterzweien zur Schule gehen oder auf dem Sportplatz trainieren. Die Grünphasen für Velofahrer auf der kantonalen Veloroute und für Fussgänger sind äusserst kurz geschaltet, sodass es für das hinterste Velo in einer kurzen Warteschlange schon mal knapp werden kann, um die Kreuzung noch in der gleichen Grünphase zu überqueren.

Dem in Muttenz vorherrschenden Gefühl, dass die Grünphasen für Velos und Fussgänger seit Beginn der Schänzlitunnel-Sanierung zugunsten des Verkehrsflusses zusätzlich verkürzt wurden, widerspricht Urs Hess. «Grünzeiten werden grundsätzlich so kurz wie möglich und so lang wie nötig eingestellt, um den Verkehrsfluss nicht unnötig zu beeinträchtigen.» Auch die Abstände zwischen den Grünphasen der Velofahrer, Fussgänger und Autofahrer seien unverändert geblieben.

Dies alles kann den für Sicherheit zuständigen Muttenzer Gemeinderat Roger Boerlin (SP) nicht besänftigen. Mit alt Gemeinderat Peter Issler (FDP), der an der Gemeindeversammlung im Juni per Anfrage eine Entschärfung der Rennbahnkreuzung forderte, sprach er bei Baudirektorin Sabine Pegoraro (FDP) und Kantonsingenieur Drangu Sehu vor und klopfte gemäss eigenen Angaben auf den Tisch. «Wir haben zum Ausdruck gebracht, dass es eine sehr gefährliche Kreuzung ist und Anpassungen nötig sind», erklärt Boerlin. Pegoraro und Sehu hätten dies auch verstanden, aber dem keine Priorität eingeräumt. Die Unterredung beim Kanton sei für ihn «ernüchternd» gewesen, so Boerlin. Er werde das Gefühl nicht los, dass beim Kanton der Verkehrsfluss gegenüber der Sicherheit Priorität geniesst.

Unterführung als Lösung?

Die Situation an der Rennbahnkreuzung bleibt für den Muttenzer Gemeinderat unbefriedigend. Boerlin bringt als mögliche Lösung eine Unterführung für den Velo- und Fussgängerverkehr und vielleicht sogar für das Tram ins Spiel, wie es schon vor vielen Jahren diskutiert wurde. Urs Hess vom Tiefbauamt kennt diese Idee.

Um die Leistungsfähigkeit und Sicherheit massgeblich zu verbessern, müssten gewisse Verkehrsträger kreuzungsfrei geführt werden. Ob und zu welchen Kosten dies möglich wäre, müsste im Detail untersucht werden, so Hess: «Es müsste sicher mit Kosten von über 15 Millionen Franken gerechnet werden, je nach Länge einer Unterführung mit deutlich mehr.»