Das Debakel um das einsturzgefährdete Dach der Kunsteisbahn Sissach nimmt eine neue Wende: Gemeinderat Martin Hauswirth von der Ortsgruppe «Stächpalme» hat am Montagmorgen seinen Rücktritt bekannt gegeben. Er legt sein Amt als Gemeinderat per 31. Juli nieder. Gegenüber der bz konnte Hauswirth, der beim Neubau der Kunsti als Bauleiter engagiert war, gestern keine Stellung nehmen. Dafür hatte er den ganzen Tag «wirklich keine Zeit».

Aussenseiterrolle im Gemeinderat

Die Situation im Gemeinderat wurde zuletzt immer verzwickter: Als ehemaliger Bauleiter trat Hauswirth bei allen Geschäften zur Kunsteisbahn in den Ausstand. So konnte das siebenköpfige Gremium nicht immer als Ganzes funktionieren. Gemeindepräsident Peter Buser vermutet, dass Hauswirth, der als einziger in den Ausstand trat, so die Freude am Amt verloren hat.

«Es ist bedauerlich, dass der Rücktritt auf die ganze Geschichte mit der Kunsteisbahn zurückzuführen ist», sagt Buser. Er könne den eher unerwarteten Entscheid jedoch nachvollziehen.

Überraschend kam die Nachricht von Hauswirths Rücktritt auch für Rolf Cleis. Der Medienbeauftragte der Gruppierung «Stächpalme» nimmt ebenfalls an, dass Hauswirth das Gefühl, im Gemeinderat keine Einheit mehr zu sein, zum Rücktritt bewogen habe. «Martin Hauswirth konnte nicht mehr überall mitdiskutieren. So kann es gut sein, dass er sich ein bisschen als Aussenseiter fühlte», sagt Cleis.

Turbulenzen brechen nicht ab

Dass der Rücktritt auf politischer Ebene die Wogen, die die einsturzgefährdete Kunsteisbahn schlug, glätten kann, schliesst Cleis nicht aus. Das Debakel um die Kunsti ist für ihn jedoch noch lange nicht abgeschlossen: «Das wird eine langwierige Geschichte.»

So ist sich Cleis sicher, dass die neue Gemeinderätin oder der neue Gemeinderat am 1. August in einer für Sissach noch immer turbulenten Zeit das Amt antreten wird. Ob die Nachfolge ebenfalls von der Gruppe «Stächpalme» kommt, wird sich zeigen. «Dass wir bereits wieder auf Kandidatensuche gehen müssen, hätten wir nicht gedacht.» Dennoch zeigt sich Cleis zuversichtlich, dem Sissacher Stimmvolk eine Kandidatur der «Stächpalme» zur Ersatzwahl vorschlagen zu können.

Pro Sissach in den Startlöchern

Die neu gegründete bürgerliche Gruppierung Pro Sissach ist ebenfalls bereits in den Startlöchern, um beim Wahlkampf mitzumischen. «Nach den Fasnachtsferien wollen wir darüber informieren, ob wir einen geeigneten Kandidaten finden konnten», sagt Patrick Mundwiler, Medienbeauftragter von Pro Sissach.

Der «Stächpalme» nun einen Sitz abzuluchsen, wäre für Mundwiler ein ideales Szenario. «Das ist ein sehr ehrgeiziges Ziel», räumt er ein. Für ihn ist klar: «Die Wahl ist nicht von der Partei oder Gruppierung abhängig, sondern alleine von der Person.» Obwohl Pro Sissach nun bereits frühzeitig eine Chance auf einen Gemeinderatssitz bekommt, bedauert Mundwiler den Rücktritt von Hauswirth: «Er ist ein Herzblut-Bauleiter, der mit vollem Engagement seiner Arbeit nachgeht.»