Frau Pegoraro, nach dem Nein zur Stilllegung des Läufelfingerli werden Sie nun auch den öV-Leistungsauftrag für 2020/21 neu aufgleisen. Wie gehen Sie dabei vor?

Sabine Pegoraro: Das ist so. Weil das Läufelfingerli weiterfährt, können nun im 8. Generellen Leistungsauftrag (GLA) für den öffentlichen Verkehr 840'000 Franken pro Jahr nicht eingespart werden. Ich persönlich sehe es allerdings kritisch, die 840'000 Franken anderswo einsparen zu wollen. Ich werde dafür plädieren, den GLA nun nicht weiter abzuändern. Das entscheiden aber die Gesamtregierung und der Landrat.

Was werden Sie als zuständige Verkehrsdirektorin dafür tun, dass das Läufelfingerli nun attraktiver wird?

Ist das meine Aufgabe? Ist es nicht die Aufgabe der Bevölkerung, die Nein gestimmt hat, das Bähnli stärker zu nutzen? Wenn alle im Homburgertal, die am Sonntag Nein gestimmt haben, fortan den Zug benutzen, dann haben wir kein Problem mehr mit dem Kostendeckungsgrad.

Diese Verpflichtung sehen auch die Gegner der Stilllegung. Gefragt sind aber auch Ihre Ideen, zur Attraktivitätssteigerung der S9 beizutragen.

Sie meinen die Durchbindung der S9 Richtung Basel? Das macht Investitionen am Bahnhof Sissach nötig. Der Bund wird im Rahmen des Bahnausbauschritts Step 2030/ 2035 kaum Mittel dafür sprechen. Dafür ist die Konkurrenz zu anderen, viel besser ausgelasteten Bahnlinien schlicht zu gross. Das kann nicht die Lösung sein.

Die Anschlüsse in Sissach sind nicht optimal.

Ja, aber darauf hat der Kanton nur beschränkten Einfluss. Den Fahrplan machen die SBB, und diese richten sich primär an den grossen Linien aus. Generell bin ich aber offen für neue Ideen, wie die Situation verbessert werden kann.

«Die Bewegung aus dem Homburgertal hat das ganze Baselbiet ergriffen»

«Die Bewegung aus dem Homburgertal hat das ganze Baselbiet ergriffen»

Ein Gespräch mit der Sissacher Nationalrätin Maya Graf im Läufelfingerli und weitere Stimmen aus dem Lager der Abstimmungssieger.

SVP-Landrätin Susanne Strub sagt nach dem gestrigen Nein: «Jedes Baselbieter Dorf hat Anrecht auf eine öV-Anbindung, und das sieben Tage in der Woche.»

Ein Grundangebot muss für jedes Dorf gesichert sein. Das ist eine Vorgabe des öV-Gesetzes, die wir einhalten. Dasselbe Gesetz sagt aber auch, dass eine Linie, deren Kostendeckungsgrad unter 25 Prozent liegt, nicht in den GLA aufgenommen werden darf. Diese Vorgabe wurde in den letzten Jahren laufend untergraben, gerade beim Läufelfingerli. In der öV-Planung sind wir aber an diese Vorgabe gebunden. Möglich ist aber, im Hinblick auf den 9. GLA die Rahmenbedingungen im Gesetz zu ändern.

Welchen Fehler haben Sie bei der Vorbereitung des Geschäfts gemacht? Hätten Sie das Läufelfingerli aus dem GLA genommen, müssten sie diesen nun für 2020 und 2021 nicht neu aushandeln.

Die Vorgabe war klar. Der Landrat hat mir vor zwei Jahren den Auftrag erteilt, im 8. GLA 900'000 Franken einzusparen. Ich erinnere daran, dass der Landrat einen Antrag abgelehnt hat, das Läufelfingerli aus dem GLA zu nehmen.

Die bz hat vorgeschlagen, nach dem Volks-Nein die Anrainer-Gemeinden zu einer finanziellen Beteiligung zu verpflichten. Ist das für Sie ein Thema?

Möglich ist das durchaus. In Münchenstein finanziert heute die Gemeinde die Buslinie 58, nachdem diese wegen mangelndem Kostendeckungsgrad aus dem GLA des Kantons rausgefallen ist. Über eine generelle Kostenbeteiligung der Gemeinden kann man meines Erachtens im Rahmen des 9. GLA verhandeln. Jetzt den laufenden Leistungsauftrag mit einer solchen Debatte zu belasten, halte ich für wenig sinnvoll.

Nach der Elba-Planung und dem Margarethenstich haben Sie in einer verkehrspolitischen Frage erneut eine Abstimmungsniederlage kassiert. Sie aber auch die Landratsmehrheit politisieren hier am Volk vorbei.

Letztlich sind es aber einzelne Verdikte, aus denen sich kaum allgemeingültige Schlüsse ziehen lassen: Das Volks-Nein im September zum Margarethenstich heisst für mich ebenso wenig, dass das Volk keine neue öV-Infrastruktur will, wie nun das Nein zur Stilllegung des Läufelfingerli, dass sich das Volk partout gegen den Abbau unrentabler Linien wehrt.