Am kommenden Mittwoch präsentiert die Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD) den Generellen öV-Leistungsauftrag für die Jahre 2018 bis 2021. Mit dem Leistungsauftrag legt der Kanton Streckennetz, Linienführung, Angebot und Tarifpolitik für Bahn, Tram und Bus auf seinem Gebiet fest. Das Papier wird mit Spannung erwartet, deutete die Regierung im Herbst 2015 doch mit ihren Sparvorschlägen zum laufenden Leistungsauftrag für die Bahnlinie S9 (Läufelfingerli) und eine Reihe unrentabler Buslinien an, welche Strategie sie beim öV im Oberbaselbiet verfolgt.

Spareffekt von 900 000 Franken

Zwar wies der Landrat Ende Februar einen Grossteil der Massnahmen zurück, sodass vom anvisierten Sparziel von 900 000 Franken für 2017 letztlich noch 200 000 Franken übrig blieben. Dennoch wird der Kanton im neuen öV-Leistungsauftrag mit grosser Wahrscheinlichkeit nochmals ähnliche Sparvorschläge präsentieren. Wie diese Zeitung weiss, wird die Stilllegung der S9 zwischen Sissach und Olten wieder zum Thema. Zudem soll auf drei Buslinien die Anzahl Kurspaare auf das Grundangebot von neun Kurspaaren pro Tag heruntergefahren werden (Kasten rechts).

Dank dieser Massnahmen (sowie der für 2017 bereits beschlossenen) resultiert total ein Spareffekt von 1,4 Millionen, für den Kanton sind es 900 000 Franken. Alleine die Einstellung des Läufelfingerlis und Umstellung auf Busbetrieb brächte brutto 750 000 Franken ein. Den entsprechenden Vorschlag unterbreitete die BUD an einem Workshop zum Leistungsauftrag im April. Ob dieser Eingang fand in die definitive Fassung, die kommende Woche präsentiert wird, war gestern nicht zu erfahren. Das Läufelfingerli ist politisch bereits mehrmals zur Disposition gestellt worden, zuletzt im Rahmen des Entlastungspakets 2012 bis 2015 der Regierung. Auch hier kippte der Landrat (im Juni 2012) die vorgeschlagenen Einsparungen. Noch 2010 beteiligte sich der Kanton per Landratsbeschluss mit 2,8 Millionen an der Erneuerung der Bahnlinie durchs Homburgertal, die seit 2012 zudem mit neuem, klimatisierten Rollmaterial ausgestattet ist.

Läufelfingens Gemeindepräsident Dieter Forter will sich nicht zum erwähnten Workshop äussern, prognostiziert aber: Es werde sehr schwierig, das Läufelfingerli aufrecht zu erhalten. Gleichzeitig stellt er klar: «Wir sind offen für Neues und halten nicht stur am Bahnbetrieb fest.» Er sei sich bewusst, dass nicht alle Gemeinden im Homburgertal dieselben Interessen verfolgten und einige die Umstellung auf Busbetrieb begrüssen. «Wir fordern ein Gesamtkonzept, das eine gute öV-Anbindung Läufelfingens und des Tals gewährleistet.» Dies wäre der Fall, wenn zusätzlich zum geplanten Busersatz Richtung Sissach eine attraktive Verbindung Richtung Trimbach-Olten geschaffen werde. Forter bringt dazu einen Shuttle-Zug ins Spiel. «Für die Entwicklung unseres Dorfes ist zentral, dass die Anbindung Richtung Mittelland attraktiv ist.»

Anschlüsse in Olten verbessern

Eine weitere Idee: dass das Läufelfingerli weiter fährt, aber an gewissen frequenzschwachen Stationen, die weitab der Dörfer liegen, nicht mehr hält. Damit könnten die Fahrzeiten verkürzt und die Anschlüsse verbessert werden. Heute fährt etwa den Passagieren, die von Bern her in Olten ankommen, das Läufelfingerli buchstäblich vor der Nase weg. «Sind die Anschlüsse besser, steigen die Fahrgastzahlen an, womit der Kostendeckungsgrad der Linie verbessert wird», sagt Forter. Dasselbe werde erreicht, wenn die Bahn im Homburgertal nicht mehr als isolierte Linie geführt, sondern ins S-Bahn-System eingebunden wird. Vom Fahrgastpotenzial ist Forter angesichts von 450 000 Fahrgästen pro Jahr in Bus und Bahn bei bloss 4500 Einwohnern im Tal überzeugt. «Das ist doch eine sehr gute Auslastung», findet er.