Für den Grossteil der im Saal Anwesenden ist die 32. Ausgabe des Events keine Premiere. Das merkt man beispielsweise daran, dass die Leute in den vorderen Reihen Ohrenpfropfen mitgebracht haben, weil sie wissen, dass die Guggen sehr laut sein können. Oder auch daran, wenn die beiden Abwarte Fredy und Fritz (gespielt von Peter Lüdin und Hansruedi Dill), die mit ihren Auftritten zwischen den einzelnen Programmpunkten für Heiterkeit sorgen, im Einsatz sind. Jedes Mal, wenn Fritz eine Konversation beginnt und Fredy mit «Was gits?» antwortet, schreit der ganze Saal «Fritz»!

Der Ohrenschutz kommt gleich zu Beginn ein erstes Mal zum Einsatz, als die Basler «Schränz-Gritte» das Publikum musikalisch auf fasnächtliche Betriebstemperatur bringen. Dann ist die Reihe an den «Räpplibuebe». Der lokale Nachwuchs hält bei seinem Auftritt nichts von Poltical Correctness – Kim Jong Un wird beispielsweise als «fette Ryysfrässer» bezeichnet – und zeigt bei seinem zweiten Larifari-Auftritt durchaus Potenzial. Zwar sind einige Pointen meilenweit im Voraus erkennbar, andere Wortspiele erfordern dagegen genaueres Hinhören. Inhaltlich zeigen die «Räpplibuebe» unter anderem Verständnis dafür, dass die FCZ-Fans jedes Mal auf der Heimreise in Pratteln die Notbremse ziehen. «Wenn du uf Züri müesstisch, würdsch jo au alles mache, dass es so lang wie möglich goht, bis de dört bisch!»

Dorfinstitutionen gefeiert

Auch die «Fägnäschtli», die Junge Garde der «Saggladärne», der «Mässmogge», dessen Bängg nur verhaltenen Applaus ernten, und die «Gaudi Clique», die einen Sketch über den allseits bekannten Frust, in einer langen Schlange im Supermarkt zu stehen, zum Besten geben, sind vor der Pause im Einsatz. Dazu stehen die «Saggladärne» Spalier und feiern drei Dorfinstitutionen, die im Vorjahr 100 Jahre alt geworden sind: Den Verschönerungsverein Pratteln, den TV Pratteln NS und den Prattler Anzeiger (PA).

Wurde im ersten Teil teilweise noch mit Platzpatronen geschossen, werden nun die grossen Kaliber ausgepackt. Den Anfang machen die «Nachfalter Schränzer» und sorgen teilweise für Begeistungsstürme. Ihre Version von Mani Matters «Hemmige» macht gar Anleihen beim New-Orleans-Jazz und gehört zu den Highlights des Abends.

Jeder weiss, wovon die Rede ist

Nach einem Buure-Lümmel-Sketch über die Mühen, beim PA die Jubiläumsausgabe zusammenzubasteln («Keini Bilder, kei Bluet, kei Sex, kei Trump! Jedes Konfirmandelager isch spannender!»), folgt mit dem Auftritt des «Walfischchörli» ein weiterer Höhepunkt. Die Gesangsgruppe, die erstmals am Larifari mitmacht, besingt Frauen und Männer aus der Gemeinde. Nachnamen sind nicht nötig, alle im Kuspo wissen, wer Bärteli, die am Banntag einen kleinen Unfall hatte, oder Käthi, die an jedem Anlass Adiletten trägt (auch am Larifari!), sind. Überhaupt gilt: Je lokaler die Menschen und Themen sind, desto besser kommen die entsprechenden Stücke an. Pratteln braucht keine Pegoraro und keinen Trump, wenn man die lauten zukünftigen Schwiegermütter von Ralph und Fabienne hat.

Denn wie es die «Stächpalme» in einem seiner Bängg kurz vor Schluss auf den Punkt bringt: «S Dorf, das läbt, jo, das läbt!» Das Larifari 2018 ist der beste Beweis dafür. Ein weiterer wird die Prattler Fasnacht sein – und die kann nach den beiden heiteren Abenden im Kuspo definitiv kommen.