Vielleicht war das Vorhaben für den Start einfach etwas zu gross: eine gemeinsame Stellungnahme zur Entwicklungsplanung Leimental-Birseck-Allschwil (Elba). Ausgerechnet ein Verkehrsthema, wo es immer viel zu diskutieren gibt, wollten die Gemeinden Allschwil, Biel-Benken, Binningen, Bottmingen, Burg, Ettingen, Oberwil, Schönenbuch und Therwil als Gelegenheit ergreifen, sich zum ersten Mal mit vereinter Stimme beim Kanton für die Interessen ihrer Region einzusetzen. Es blieb beim Vorhaben: Auch nach mehreren langen Sitzungen konnten sich die Exekutiven der neun Gemeinden nicht einigen.

Nicht nur deshalb haben Allschwil und Schönenbuch ihre Konsequenzen gezogen. Eigentlich wollten sich die Gemeindepräsidenten der neun beteiligten Ortschaften einmal im Monat im Rahmen der Anfang 2014 gegründeten Plattform treffen, um über Herausforderungen und regionale Lösungen zu diskutieren. Nun haben Allschwil und Schönenbuch aber beschlossen, nur noch halbjährlich an den Treffen teilzunehmen. «Ich habe mir von der Zusammenarbeit einfach mehr erhofft», erläutert Nicole Nüssli-Kaiser. Die Allschwiler Gemeindepräsidentin war zu Beginn noch mit grossem Elan dabei, sagte damals, dass sich gewisse Themen wie Fragen der Raumplanung und des Verkehrs nicht mehr gemeindeintern lösen liessen. Entsprechend ernüchtert ist sie nun. «In der Theorie sind alle für regionale Zusammenarbeit, aber wenn es wirklich um die Wurst geht, sieht es ganz anders aus.»

Interessen prallen aufeinander

Für Nüssli ist es eines der grössten Anliegen, ihre Gemeinde vom vielen Verkehr zu entlasten. Deshalb kämpfte sie auch für eine Umsetzung von Elba mit Trasseesicherung für die Südumfahrung, die damals noch zur Debatte stand. So bekam sie früh zu spüren, dass die neun Plattform-Gemeinden oft sehr gegensätzliche Interessen vertreten. «Dass Allschwil entlastet werden muss, sehen zwar alle ein. Aber wenn es um konkrete Massnahmen geht, befürchten andere Gemeinden, selbst mehr Verkehr abzubekommen.»

Uneinigkeit war nicht nur in Sachen Verkehr ein Problem. Auch im Zuge der Umsetzung des neuen Polizeigesetzes wollten die Gemeindepolizeien der neun Ortschaften eigentlich nach einer gemeinsamen Lösung suchen. «Die Bedürfnisse waren jedoch zu unterschiedlich», erzählt Nüssli. Am Schluss seien noch Binningen und Ettingen für eine Zusammenarbeit mit Allschwil offen gewesen. «Mit der Gemeindepolizei Binningen kooperieren wir nun. Eine Zusammenarbeit mit Ettingen macht leider aufgrund der Distanz wenig Sinn.» Mittlerweile setzt Allschwil wieder verstärkt auf sich selbst. «Wir sind eine so grosse Gemeinde, dass wir quasi eine eigene Region sind», so die Allschwiler Gemeindepräsidentin. «Wir können viele Themen selbst abdecken.» Davon profitiert auch der kleine Nachbar Schönenbuch. «Wo sie auf eine Zusammenarbeit angewiesen sind, besteht diese meist schon mit uns.»

Abschotten möchte sich Allschwil nicht. Grundsätzlich sei das Interesse an Zusammenarbeit vorhanden. «Aber eben nur, wo es Sinn macht.» Auch den Untergang der angestrebten regionalen Zusammenarbeit, die der Kanton mit dem Gemeindestrukturengesetz vorantreiben möchte, sieht Nüssli aufgrund ihrer Erfahrungen nicht. «Aber die Zusammenarbeit stösst eben an Grenzen.» Für sie beginnen diese schon bei der demokratischen Legitimation. «Niemand möchte eine vierte Staatsebene schaffen. Deshalb fallen die Entscheide am Schluss immer in den einzelnen Gemeinden. Diese müssen dann nicht mit dem Beschluss der Regionalkonferenzen übereinstimmen.»

Einen halben Schritt zurück

An einer gemeinsamen Sitzung der kompletten Plattform Leimental Plus vor den Sommerferien wurde beschlossen, dass Allschwil und Schönenbuch zumindest über die Traktanden der ohne sie stattfindenden Sitzungen auf dem Laufenden gehalten werden. So können sie allenfalls spontan dazustossen, wenn ein Thema für sie relevant ist. Das freut Lotti Stokar, die in der Plattform Leimental Plus Oberwil vertritt. Sie sieht darin einen «halben Schritt» zurück in Richtung Zusammenarbeit.

Den Rückzug von Allschwil und Schönenbuch findet Stokar schade, möchte aber nicht den Teufel an die Wand malen. «Wir stehen mit der Plattform Leimental Plus noch am Anfang. Das muss sich erst einspielen», ist sie überzeugt. Dass die Plattform ihren Einstand ausgerechnet mit dem Thema Elba geben wollte, fand auch sie ungeschickt. «Man muss doch nicht gleich das Thema nehmen, an dem man sich seit 20 Jahren die Zähne ausbeisst», findet sie. «Es war klar, dass wir dort keine einheitliche Meinung finden werden.» Das Regionendenken sieht sie wegen der ersten auftauchenden Schwierigkeiten nicht gefährdet. «Es ist klar, dass die Zukunft in der regionalen Zusammenarbeit liegt. Die Frage ist nun nur noch, wie eng diese sein soll.»

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