Wer mit dem Zug in Basel einfährt, sieht als Erstes den Lonza-Turm. Das 1962 erbaute Hochhaus gilt nicht als allzu schönes Gebäude. Markant ist es mit seinen 68 Metern aber. Deshalb wurde es ins Inventar schützenswerter Bauten aufgenommen. Dieser Eintrag verunmöglicht offenbar den Einbau grossflächiger Solarpanels. Im Auftrag von Lonza hat eine Firma die Stadtbildkommission angefragt, ob sie Solarzellen an der fensterlosen Südfassade bewilligen würde. Die Panels würden zwei Drittel, etwa 1000 Quadratmeter, der seitlichen Fassade bedecken. Das lehnt die Kommission ab. Die Begründung auf Behördendeutsch: Das «Gesamtkonzept der Gebäudegestaltung» würde «erheblich verunklärt».

Diese Absage hat über Ostern zu einem Aufschrei der Entrüstung geführt. Der grüne Regierungspräsident Guy Morin baute seine Kritik an der Kommission in seine Rede vor den Anti-AKW-Demonstranten ein (bz von gestern). «Solarpanels müssen die Zukunft unseres Stadtbildes bestimmen», forderte er. Sein Regierungskollege Hans-Peter Wessels (SP) doppelte via «Onlinereports» aus seinem China-Aufenthalt nach: «Aus meiner Sicht spricht grundsätzlich nichts gegen Fotovoltaik-Panels am Lonza-Hochhaus – ganz im Gegenteil!» Auch die CVP springt sofort auf den Zug auf: In einer Medienmitteilung bezeichnet sie den Kommissionsentscheid als völlig verfehlt: «Hohe ästhetische Ansprüche und die Gewinnung von Sonnenenergie lassen sich – gerade bei diesem Gebäude – mit Sicherheit gut verbinden.»

Regierung ist mitverantwortlich

Auf die Stadtbildkommission prasselt harte Kritik nieder. Dabei ist für ihren Entscheid auch die Gesamtregierung verantwortlich: Sie hat das Lonza-Hochhaus in das Inventar schützenswerter Bauten aufgenommen. Dieser Eintrag bedeutet, dass die Fassade so weit wie möglich geschützt wird. Die Stadtbildkommission stützte sich somit auf einen Entscheid der Gesamtregierung, der nun aber indirekt von zwei Regierungsräten infrage gestellt wird.

Ganz begraben ist die Idee der Solarzellen am Hochhaus noch nicht. Lonza stellte erst eine Voranfrage. Diese ist wie deren Absage rechtlich völlig unverbindlich. Konkret wird es erst, wenn das Life-Sciences-Unternehmen ein Baubegehren einreicht. Dieses würde dann von der gesamten Stadtbildkommission behandelt. Die Voranfrage hingegen hat nur die vierköpfige Geschäftsleitung der Kommission behandelt: ein Architekt des Kantons sowie zwei externe Architekten und ein Grafiker.

Dieses Quartett ist von Wessels’ Bau- und Verkehrsdepartement gewählt. In der Gesamtkommission sitzen zusätzlich noch vier Fachleute, die von der Regierung gewählt sind, sowie Baudirektor Hans-Peter Wessels als Präsident. Nach seiner Aussage zu urteilen wird ein Entscheid der Gesamtkommission wohl anders aussehen als jener der Geschäftsleitung. Ob Lonza ein Baugesuch einreicht, lässt sich die Firma nach der Absage aber offen. Zumindest für weitere Gespräche zeigt sie sich bereit.

Eine Grundsatzdebatte steht bevor

Dass der Fall via Schweizer Fernsehen an die Öffentlichkeit gelangt ist, bedauert André Frauchiger, Sprecher des Basler Baudepartements. Die Stadtbildkommission erwarte nun, dass die Firma das Gespräch sucht. Gemeinsam wolle man einen Ausweg aus der Situation finden. Diskutiert werden könnten etwa Solarpanels auf anderen Gebäuden des Lonza-Areals. Zudem heizt der Fall in Basel eine grundsätzliche politische Diskussion an, die durch Fukushima eine neue Dynamik erhalten hat: Wo will man Solarzellen und wo nicht?