Die Prattler Planer wurden in der Vergangenheit oft genug von Fakten in Form von Einkaufszentren und Logistikhäusern überrumpelt, was politisch für Streit und auch für so manchen Gerichtsentscheid gesorgt hatte. Im Gebiet der Rheinstrasse westlich der Salinenstrasse hingegen sah die Gemeinde schon seit längerer Zeit ein für die verkehrsintensive Logistikbranche gut geeignetes Gebiet vor, und genau dort betreibt inzwischen die Firma Leimgruber seit einigen Wochen ihr neues Logistikzentrum.

Am Donnerstag zog nun auch die Firma DHL auf dem Gelände zwischen Schweizerhalle und Salinenstrasse ein. Pratteln wird damit zum wichtigsten Logistikzentrum in der Region und läuft den einschlägigen Quartieren in Basel wie etwa dem Dreispitz oder dem Bahnhof Wolf langsam, aber sicher den Rang ab.

«Entscheidend für diesen Standort war nebst dem idealen Autobahnanschluss die Möglichkeit, ein abgeschlossenes und umzäuntes Areal über 48000 Quadratmeter zu benutzen», betonte DHL-Bereichsleiter Jürgen Schöne am Donnerstag an der Eröffnungsfeier.

Magnetwirkung

Nebenbei wird auch erwähnt, dass das von der Autobahn gut sichtbare Gebäude der Firma Planzer ebenfalls eine Art «Magneteffekt» auf weitere Logistikunternehmungen gehabt hatte. Die Firmen an der Rheinstrasse müssen allerdings mit ihren Lastwagen auf dem Weg zur Autobahn nicht über den Kunimattkreisel zirkeln, was durchwegs als grosser Vorteil angesehen wird.

Das neue Gebäude ist schon seit langem sichtbar, doch der Innenausbau benötigte viel Zeit. Sicherheit ist Trumpf: Die altgedienten Sendungsscanner böten zusammen mit den zahlreichen Überwachungskameras im Falle eines Falles die Möglichkeit, nachzuvollziehen, welcher Mitarbeiter wann mit welcher Ware Kontakt hatte. Auch Gefahrgut soll problemlos gelagert werden können; das Gebäude verfügt dafür über sieben einzeln abgeschottete und separat belüftbare Lagerräume. Trotz modernster Technik können sich die Büromitarbeiter aber nicht nur auf die Informationen am Bildschirm verlassen: Eine herkömmliche Rohrpost hilft bei der Verteilung von Fracht- und Zollpapieren.

Die Firma Leimgruber besorgt seit dem Jahr 2005 praktisch alle Anschlusstransporte für die DHL. Die Anlage auf dem Basler Bahnhof Wolf hat nicht mehr genügend Kapazität. Daher waren regelmässige Shuttles nötig, beispielsweise zum Standort Kaiseraugst. Nun wird die Warenverteilung zentral am Standort Pratteln zusammengefasst. Nach und nach sollen hier bis zu 400 Arbeitsplätze entstehen. Trotz naher Bushaltestelle bietet das Gelände praktisch genau so viele Pw-Parkplätze an.

Der Vollbetrieb der Anlage in Pratteln soll im Januar 2011 erreicht werden. Die frei werdende Fläche im Basler Umschlagbahnhof Wolf wird voraussichtlich von den Zollbehörden genutzt werden. Im Gegensatz zu den meisten anderen Grosslogistikzentren verfügt die neue Anlage an der Rheinstrasse in Pratteln noch über keinen Schienenanschluss. Theoretisch wäre dies zwar möglich, doch die Verantwortlichen winkten am Donnerstag auf entsprechende Fragen ab: Im Stückgut-Geschäft sei die Schiene gegenüber der Strasse kaum konkurrenzfähig.