Was die Ausgabe 2016 dem Publikum bietet, ist beachtlich: eine gelungene Mischung aus absurder Komik und scharfer Satire, viel feinsinnigem Humor und derbem Witz. Und das alles eingebettet in musikalische Häppchen von erster Güte. Das Premierenpublikum im proppenvollen KV-Saal war sich einig: Diese Liestaler Vorfasnachtsveranstaltung ist ein Hochgenuss und braucht nicht neu erfunden zu werden. Kompliment an die Regie mit Thomas von Arx, Maik van Epple, Barbara Kleiner sowie Cliquenchef Dieter Epple. Doch jetzt alles der Reihe nach.

Alles immer noch früher

Der neu auf 19.30 Uhr angesetzte Beginn des Cabaret-Programms hat die Hauptdarsteller auf dem falschen Fuss erwischt. Die sieben Witzbolde standen nämlich zum Teil noch in Unterhose und noch nicht fertig umgezogen auf der Bühne und haderten, weil heutzutage nicht nur das Cabaret früher beginnt, sondern etwa auch Weihnachten bereits im Oktober. Ein witziger Prolog mit viel Realitätsgehalt.

Unbeeindruckt davon haben die Tambouren und Pfeifer des Stamms gleich zu Beginn mit dem Klassiker «San Carlo» angedeutet, dass der Fasnachtsmusik in der Rotstab-Clique auf hohem Niveau gehuldigt wird. Auf dem Weg dorthin auch die junge Garde, die als prächtige Ueli mit dem sauber gespielten «Spitzbueb» die Leute musikalisch verwöhnten. Und das alles vor einem gluschtigen Bühnenbild mit Gutzibüchsen.

Grossartig auch der Auftritt der Pfeifer, die als Märtfraue vor dem Marktstand mit ihren virtuos eingesetzten Piccolos das Potpourri «Fischmärt» zum Besten gaben. Denen standen die Tambouren in nichts nach, die sich verstärkt mit zwei Marimbas, im «Pop Rock Drum» so richtig am Trommelriemen gerissen haben – besser bringts keiner aufs Fell und auf die Holzklangplatten.

Gags und Pointen im Multipack

Was und wen auch immer die Cabarettisten aufs Korn nehmen, da wird gelästert und gestichelt und der Sturm aufs Zwerchfell ist garantiert. «Spieglein, Spieglein im ganzen Land, wär verjättet am meischte Gäld im Baselland», so ihr Spott auf die Baselbieter Regierung, die als Landvogt Lauber, Henker Weber, Ritter Räber mit den zwei Burgfräuleins Sabine und Monica vor dem baufälligen Schloss Wildenstein chaotisch um das «wie weiter» ringen.

Leichtfüssig und bissig kommt dann die Nummer «Roger! Over!» daher. Mit diesem unter Fliegern gängigen Funkcode setzten die als Patrouille-Suisse-Piloten über die Bühne schwebenden Cabarettisten zum umstrittenen Überflug auf das Basel Tattoo an. Im Funkspruch dann eine von vielen Pointen: «Fluglärm über Liestal möglichst vermeiden, damit das Stedtli nicht erwacht.» Und unzimperlich geht man im Stück «Schwyzermacher» mit den Einbürgerungswilligen um. Zwar der grosse Lacher des Abends, wobei die Balance zwischen Tiefgründigkeit und brachialem Witz schwer auszuspielen war.

Zeedel als Highlight

Diesbezüglich ist der Zeedel der Rotstab-Clique ein Meisterstück. Da wird mit dem Sujet «Hart an dr Gränze» die Flüchtlingspolitik mit feinfühligem Humor thematisiert. Chapeau!

Kein Problem in dieser Hinsicht hatte auch Schnitzelfritz, der als Banker mit seinen obskuren und gepfefferten Menüvorschlägen das Cabaret wirklich aufmischt. Zum krebserregenden Fleisch meinte er: «Mi Fründ het kei Gäld gha zu Exit zgoh, derfür het är 12 Brotwürscht, 30 Wienerli und 8 Kilo Haggfleisch gno».

Traditionell setzten im Epilog die Stedtli-Singers das Ausrufezeichen. Das elegant befrackte Septett hat diesmal lokal aufgebauschte Medienhits wie «Chüngel in Rothenfluh» oder «Alarm im Spital» in bekannten Songmelodien fantasievoll vorgetragen und pfiffige Pointen im Akkord geliefert.

Das Rotstab-Cabaret findet vom 8. bis 13. Februar 2016 im KV-Saal in Liestal statt. 
Vorstellungsbeginn ist jeweils um 19.30 Uhr.

www.rotstab-clique.ch