Das Chluri 2019 könnte das Letzte gewesen sein. Es wäre ein herber Verlust für die Sissacher Fasnacht, könnte der beliebte Brauch nicht mehr stattfinden. Noch haben die Chluri-Bauer nicht aufgegeben. Sie brauchen eine neue Bleibe, dringend. Die alte Behausung, die Chluurischüüre beim Schulhaus Dorf, wird abgerissen – Ersatz sei keiner in Sicht, schreibt die «Volksstimme», trotz unzähliger Anfragen.

Die Ansprüche sind hoch. Der neue Bauplatz für die meterhohe Holzfigur müsste etliche Kriterien erfüllen. Gesucht ist eine Halle oder zumindest ein überdachter Platz, mit einem Eingangsportal, das vier Meter hoch und vier Meter breit ist. Ein paar Tonnen Last sollte der Boden aushalten, und gross Miete bezahlen können die künftigen Nutzer auch nicht.

Schon die bisherige Chluurischüüre war eigentlich zu klein für die Holzfigur. Die zehn «Bouer» fertigten jeweils drei Teile an und setzen sie im Freien zusammen. Da das Schulhaus Dorf einem Neubau weichen muss, ist die Schüüre bald keine Option mehr.

Tonnenschwerer Koloss

Immer am Donnerstag nach der Sissacher Fasnacht wird die rund 7,5 Meter hohe Figur verbrannt. Mit dem Einäschern des Chluri wird symbolisch die Fasnacht verabschiedet. Auf den Richtplatz auf der Allmend gelangt der Holzkoloss, der gegen neun Tonnen wiegt, mit einer Prozession. Sie führt von der Begegnungszone bis zur Allmend und wird unter anderem von Cliquen und Guggen begleitet. Vor dem Anzünden die Leichenrede: Der Redner – sein Name wird nicht publik gemacht – erklärt, wen die Figur jeweils darstellt. In der Regel ist es eine Persönlichkeit mit Bezug zu Sissach. Dazu gibt es Anekdoten, mal augenzwinkernd, mal kritisch-bissig, zum soeben zu Ende gehenden Fasnachts-Jahrgang.

Jeweils nach den Sommerferien beginnen die «Chluuribouer» mit ihrem Werk. Das wäre also in weniger als vier Monaten. Der Termin könnte dieses Jahr ins Wasser fallen. In der «Volksstimme» wird der Chef der «Bouer», Roland Schmitter, zitiert, man habe zahlreiche Absagen erhalten. Schmitter wird von der Fasnachts-Gesellschaft Sissach (FGS) unterstützt. Deren Präsident, Fabio Fedriga, sagt zur bz, als Non-Profit-Verein könne die FGS auch keine marktüblichen Mietzinsen aufbringen. «Wir wären auf Goodwill der Vermieter angewiesen. Es müsste auch nicht zwingend ein so grosser Raum sein wie bisher, wird sind flexibel.»

Höhepunkt der Landfasnacht

Das Chluri ist mittlerweile einer der Höhepunkte der Fasnacht in Sissach. Das war nicht immer so. Es ist nicht einmal gesichert, wann das Wahrzeichen erstmals den Flammen übergeben wurde. Die Protokolle widersprechen sich: einmal heisst es 1932, einmal 1934.

Keine Option ist laut Fedriga, das Holzungetüm komplett im Freien zusammen zu zimmern. Feuchtigkeit wäre Gift für den Ablauf des Brauchs: «Das Holz könnte sich bis zum Fasnachtstermin vollsaugen. Dann würde das Chluri nicht richtig brennen, höchsten ein bisschen vor sich hin dampfen, und das wollen wir auf keinen Fall!»