Gleich vier A4-Seiten braucht der entrüstete Flugblattschreiber, um seinen Unmut kundzutun. Ernst Madörin schreibt vom «Skandal-Kinderheim» in Sissach und von den «fünf hilflosen Pflegekindern», die wie in einem Gefängnis eingeschlossen seien. Oftmals müssten die Kinder auf der Strasse spielen, unbeaufsichtigt und «in Gefährdung von sich selber wie auch der übrigen Verkehrsteilnehmer».

Madörin kommt zum Schluss, dass die Familie mit den Pflegekindern schlicht überfordert sei. Dem aus Eritrea stammenden Vater werde der Zutritt verweigert, und auch die Besuchstage würden von der Pflegefamilie nicht eingehalten. In einem emotionalen Steigerungslauf wettert er in seinem Flugblatt zunächst über die neu organisierte Vormundschaftsbehörde und den «überforderten» Baselbieter Sicherheitsdirektor Isaac Reber, den er in der Verantwortung sieht.

Die Vorwürfe sind gewiss polemisch – und doch scheinen sie nicht aus der Luft gegriffen. Der Kanton weist in einer Stellungnahme darauf hin, dass die «aufgeworfenen Fragen» bereits in verschiedenen ordentlichen Verfahren geprüft würden.

Zum einen gehe es um die Qualitätsfragen eines privaten Kleinheims, wofür die Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion zuständig sei. Zum anderen handle es sich um zwei Kinder und um die Frage, ob sie durch den Vater oder fremdbetreut werden sollten – für die Frage der Obhutszuteilung ist die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) in Laufen zuständig. Derzeit ist eine Beschwerde gegen den Entscheid der Kesb beim Kantonsgericht hängig.

Frau hatte Selbstmord begangen

Ernst Madörin, der in Ascona lebende Seltisberger Urheber des Flugblatts, setzt sich seit Jahren für die Rechte des eritreischen Vaters ein, der für das Sorgerecht kämpft, nachdem seine Frau Selbstmord begangen hat. Zwei seiner drei Kinder leben im angeblichen «Skandalkinderheim» in Sissach, eines im Kanton Aargau.

Gegenüber der Sissacher «Volksstimme» gab Madörin am Dienstag seiner Verzweiflung Ausdruck und erklärte, warum er eine Anzeige wegen Verletzung der Persönlichkeitsrechte in Anspruch nimmt: «Ich will damit zeigen, dass die Buben aus Eritrea in Sissach nicht gut aufgehoben sind, wenn die Eltern nicht mal ihre eigenen Kinder im Griff haben.» Madörin spricht die Tatsache an, dass ein leiblicher Sohn der Pflegefamilie straffällig geworden ist. Was die Überprüfungen des beschuldigten Kinderheims angeht, gibt sich der Kanton bedeckt.

Wer gegen den Kesb-Entscheid Beschwerde eingelegt habe, wird mit Verweis auf das «laufende Verfahren» nicht kommuniziert. Ebenfalls nicht, warum der Kanton den Hinweisen schon vor der Publikation des Flugblatts nachgegangen ist. «In diesem Zusammenhang erfolgen immer wieder Überprüfungen», meint dazu der zweite Baselbieter Landschreiber, Nic Kaufmann.