Wer sich über die Reinacher Asylheimaffäre aufregte, wer unzufrieden über den Umgang des Gemeinderats damit war, wer die Ergebnisse der diversen Untersuchungen zur Affäre nicht abwarten wollte, wer der «Basler Zeitung» mehr Glauben schenkte als dem Gemeindepräsidenten – der musste Caroline Mall in den Reinacher Gemeinderat wählen. Fast alleine repräsentierte die SVP-Frau in dieser Gemeinderats-Ersatzwahl den Wunsch, möglichst rasch Klarheit in die verworrene Asylaffäre zu bringen.

Es wären andere Kandidaten zur Verfügung gestanden. Aber die SVP setzte voll auf Mall, im Wissen, dass ihr forscher, teils undiplomatischer Stil bis tief in bürgerliche Kreise unbeliebt ist. Die Absicht der SVP war klar: aus der Asylheimaffäre Profit ziehen. Doch mit der Abfuhr für Mall zeigt sich: Die Partei hat sich getäuscht. Die Reinacher sind offenbar zufrieden, wie die Asylheimaffäre aufgearbeitet wird – oder zumindest sehen sie sie nicht als entscheidend für die Zukunft ihrer Gemeinde an.

Wie viele SVP-Politiker behauptet Mall von sich selber, sie sage, was viele nur denken würden. Zumindest in der Asylheimaffäre hat sie die Reinacher falsch eingeschätzt. Tragisch ist nur: Mit ihrer lauten Kritik haben Mall und einige wenige andere Akteure zum Rücktritt von Gemeindepräsident Urs Hintermann beigetragen. Spätestens nach dieser Wahl kann man sagen: Das wäre nicht nötig gewesen.

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