Sieben Baselbieter Gemeinden sollen ihren Kantonspolizeiposten verlieren. Das beschloss Anfang November der Regierungsrat – und liess gleichzeitig für eine der betroffenen Gemeinden ein Türchen offen, nämlich für Waldenburg. Mit dem Städtchen wolle man noch Gespräche führen, hiess es, «aufgrund der speziellen Situation» Waldenburgs, nämlich dass die Distanz zum nächsten Polizeiposten zu gross zu werden drohe. Diese letzte Chance nutzten Waldenburg und die übrigen Talgemeinden, und zwar erfolgreich. Sie brachten die Regierung jetzt zum Einknicken. «Bis auf Weiteres» bleibe der Posten in Waldenburg geöffnet, teilte der Regierungsrat gestern mit.

Nach den Gesprächen mit dem Kanton Ende November hatte die Waldenburger Gemeindepräsidentin Andrea Kaufmann «ein gutes Bauchgefühl». Man habe dem Regierungsrat Isaac Reber und den Spitzen der Polizei das Hauptargument darlegen können: dass der Bezirk Waldenburg der einzige im Kanton ohne eigenen Polizeiposten geworden wäre. «Es wurde sachlich und konstruktiv diskutiert», sagt sie. «Unsere Argumente für den Erhalt des Polizeipostens wurden ernst genommen.» Im Rückzieher der Regierung sieht sie nun «ein gutes Zeichen für den Bezirk».

Das abgelegene Waldenburgertal zu schonen, war tatsächlich die Absicht der Sicherheitsdirektion. «Grundsätzlich kann man sagen, dass der Entscheid primär ein regionalpolitischer Entscheid war», schreibt Polizeisprecherin Barbara Richard auf Anfrage. «Polizeiliche Argumente standen nicht im Vordergrund.» Kaufmann ihrerseits wollte die Polizei behalten, um «ein subjektives Sicherheitsgefühl» in der Bevölkerung sicherzustellen. «Wir fühlen uns einfach sicherer, wenn der Posten da ist», sagt sie. Zudem seien die in Waldenburg stationierten Kantonspolizisten ortskundig, sie würden die Brennpunkte kennen.

Damit ist das 1200-Seelen-Städtchen Waldenburg die einzige von einer Postenschliessung bedrohte Ortschaft, bei der die Regierung zurückkrebst. In den bevölkerungsreicheren Gemeinden Aesch, Münchenstein, Birsfelden, Bubendorf und Gelterkinden werden keine Polizisten mehr stationiert sein, in Arlesheim nur noch polizeiliche Sicherheitsassistenten.

Aesch versuchte mit einem Brief und einem Gespräch mit der Sicherheitsdirektion, den Posten zu behalten. «Isaac Reber hat uns erklärt, dass das nicht möglich sei», sagt Gemeindepräsidentin Marianne Hollinger. Auch Münchenstein und Arlesheim kritisierten öffentlich den Abbauentscheid des Kantons – erfolglos.

Die Argumente sind im Unterbaselbiet weniger regionalpolitisch als im Waldenburgertal. «Die entscheidende Frage ist, ob die Polizei schnell vor Ort sein kann», sagt der Münchensteiner Gemeindepräsident Giorgio Lüthi. Er habe Zweifel, ob das die Kantonspolizei ohne Posten in Münchenstein garantieren könne. «Aber wenn sie es tun kann, haben wir nichts gegen eine Schliessung.»

«Konzession an ein Randgebiet»

In Arlesheim freut man sich darüber, dass der Kanton wegen des Bezirksgefängnisses mit den Sicherheitsassistenten eine minimale Präsenz behält. «Die Schliessung des Postens schmerzt schon», sagt Gemeindepräsident Markus Eigenmann. Aber er anerkennt, dass die Distanzen in seiner Gemeinde kürzer seien als im Oberbaselbiet. Deshalb hat er – wie auch Lüthi – ein gewisses Verständnis für die Sonderbehandlung des Waldenburgertals. «Das ist eine Konzession an ein Randgebiet. Die haben so etwas nötiger als wir in Arlesheim, die nicht das Gefühl haben müssen, abgehängt zu werden.» Lüthi weist zudem darauf hin, dass kleine Gemeinden kaum die Möglichkeit hätten, sich Dorfpolizeien zu leisten.

Ganz nüchtern argumentiert der Birsfelder Gemeindepräsident Christof Hiltmann. Seine Gemeinde könne mit der Schliessung des Ortspostens leben, «wenn es dafür mehr Patrouillen gibt». Genau das hat der Kanton auch angekündet. Dass Waldenburg bleibe, hält er für politisch nachvollziehbar. «Ob es sicherheitstechnisch sinnvoll ist, dazu will ich mich als Unterbaselbieter nicht äussern.»