Der Regierungsrätin Sabine Pegoraro sollte spätestens seit dem erfolgreichen Widerstand gegen den ÖV-Abbau im Rahmen des Entlastungspaketes klar sein: Das Volk toleriert hier keine Abstriche. Und trotzdem finden sich auch im Entwurf des 7. Generellen Leistungsauftrags (GLA) für den öffentlichen Verkehr 2014 bis 2017 noch immer mehrere Sparmassnahmen.

Wartung könnte teuer werden

So soll unter anderem die schon lange geplante Beschaffung des neuen Rollmaterials der Waldenburgerbahn um vier Jahre auf frühestens 2018 verschoben werden. Gegenüber der bz kündigen Urs Steiner, Verwaltungsratspräsident der Waldenburgerbahn, sowie Langenbrucks Gemeindepräsident Hector Herzig Widerstand an. «Wir kämpfen für unsere Bahn», sagt Steiner. Die Fahrzeuge seien in bedenklichem Zustand.

Zudem verlangt das Behindertengleichstellungsgesetz des Bundes die Umsattlung auf behindertengerechte Wagen. Steiner glaubt nicht, dass die Verzögerung den Kanton wirklich günstiger kommt: «Die alten Wagen zu warten, wird enorme Mehrkosten auslösen. Wir werden der Regierung das im Rahmen der Vernehmlassung mit einer Rechnung aufzeigen.»

Gemeinsame Vernehmlassungsantwort

Auf Nachfrage bestreitet dies Pegoraro: «Die Wartung kostet deutlich weniger, als es die Neubeschaffung täte.» Im 7. GLA werde zudem umfangreich in die Infrastruktur des Waldenburgerli investiert – dies teils als Voraussetzung für das neue Rollmaterial. Das genügt Herzig nicht. Für ihn ist die Sparmassnahme bezeichnend und letztlich die Konsequenz aus dem kantonalen Richtplan: «Dort wurde das Waldenburgertal zur Steppe erklärt. Ich habe manchmal das Gefühl, man will uns am liebsten abschneiden.»

Für den GLP-Präsidenten braucht es nun drei Schritte, um die Verzögerung zu kippen: So müssten nun alle Gemeinden des Waldenburgertals eine gemeinsame Vernehmlassungsantwort verfassen. Zusätzlich bräuchte es aber auch politische Lobbyarbeit im Landrat – und eine Petition mit 5000 bis 10000 Unterschriften.

Idee eines öV-Lastenausgleichs

Herzig wie Steiner kritisieren, dass das Geld einmal mehr vor allem in die Agglomeration fliesse. Beispiel Allschwil: Hier wird der 48er-Bus vom Bachgrabengebiet zum Bahnhof SBB ab 2014 statt nur zu den werktäglichen Stosszeiten neu von Montag bis Samstag ganztags verkehren. Und der 38er wird an die Endstation des 8er-Trams verlängert. Das freut Gemeindepräsident Anton Lauber natürlich. Gleichzeitig kann er den Frust der Waldenburger nur bedingt nachvollziehen: «Das Bachgraben ist offiziell ein Arbeitsplatzgebiet von kantonaler Bedeutung. Also nutzt es nicht nur uns. Ausserdem erzielen wir nur deshalb so hohe Steuereinnahmen, die via Finanzausgleich ins Oberbaselbiet fliessen.»

Auch Pegoraro betont, dass das Waldenburgertal keineswegs vernachlässigt werde. «Im 7. GLA steigen die Infrastrukturabgeltungen stark an – und zwar massgeblich wegen der Investitionen in die Infrastruktur des Waldenburgerlis.» Herzig ist derweil überzeugt, dass nur ein Paradigmenwechsel die öV-Problematik lösen kann. «Die Fahrgastfrequenz darf nicht mehr die einzig entscheidende Grösse sein. Wir brauchen einen öV-Lastenausgleich, der die kleineren, aber dennoch wichtigen Linien unterstützt.»