Taschenlampe fassen, den schwarzen Vorhang passieren und rein ins dunkle Gehäuse, ein Rascheln, grunzende Wildschweine, es wird langsam unheimlich, Taschenlampe an – und da steht ein Luchs im Lichtkegel. Dieses kleine Abenteuer bietet das Museum.BL in Liestal zusammen mit vielen andern Attraktionen in seiner neuen Dauerausstellung «Wildes Baselbiet. Tieren und Pflanzen auf der Spur», die am Samstag ihre Türen fürs Publikum öffnet.

Mit den ausgestopften Tieren im Dunkelraum des sogenannten Artenkabinetts -– Seite an Seite mit dem Luchs steht ein Grossteil der heimischen Fauna vom Biber bis zum Rotmilan – will das Museum aber nicht die Besucher erschrecken, sondern ihre Sinne schärfen. Museumsleiter Marc Limat sagt: «Mit der Taschenlampe in der Hand schaut man genauer hin, als wenn alle Tiere in einem hellen Raum in einer Vitrine stehen würden.»

Genauer hinschauen, was da kreucht und fleucht vor der Haustüre – das zieht sich wie ein roter Faden durch die neue Ausstellung. Und um das Interesse anzustacheln, arbeiten die Ausstellungsmacher mit allerlei museumspädagogischen Kniffs. Schon fast klassisch ist die Forschungswerkstatt: An mehreren Tischen können die Besucher in die Stapfen von Forschern von Charles Darwin bis zum Baselbieter Franz Leuthard treten und zum Beispiel Schnecken unter dem Mikroskop untersuchen, sich auf die Genetik einlassen oder mit dem Feldstecher Tiere suchen.

Läuten beim Schwarzspecht

Einen ausgesprochen originellen Ansatz hat die Ausstellungskuratorin Ila Geigenfeind bei der Vorstellung der vier Lebensräume Gewässer, Strasse, Wald und Kulturlandschaft gewählt: im Zentrum ein Blickfang, umgeben von Holzwänden mit Türchen, hinter denen sich wie bei einem Adventskalender Überraschungen verbergen. So dient etwa im Lebensraum Wald eine grosse Scheibe einer kürzlich auf Wildenstein ob Bubendorf gefallenen Eiche als Augenfänger, auf deren Jahresringe diverse Ereignisse eingetragen sind, angefangen bei Napoleons Krönung zum Kaiser im Jahr 1803. Und hinter einem der zahlreichen Türchen kommt eine «Totholz-WG», wie es Geigenfeind an der gestrigen Medienorientierung nannte, zum Vorschein: Übereinander angeordnete Namensschildchen mit Knöpfen zum Läuten, wie wir es vom Eingang eines Wohnblocks kennen, daneben diverse Bildchen. Wir läuten bei Dryocopus martius. Darauf leuchtet ein Bildchen mit einem Vogel auf, und eine Stimme ertönt: «Ich bin der Schwarzspecht, der grösste Specht Europas.» Und es folgen viele Infos zum trommelnden Waldbewohner.

Der politische Lebensraum

Etwas makaberer sieht es, wen wunderts, im Lebensraum Strasse aus. Hier dient ein toter Steinmarder auf einem Strassenstück, garniert mit der Warntafel «Unfall!», als Blickfang. Womit auch ein Bogen zum ausgestellten Luchs im «Artenkabinett» geschlagen ist: Bei ihm handelt es sich um den ersten Rückkehrer ins Baselbiet nach einem Jahrhundert Absenz, der im Jahr 2004 überfahren in Muttenz aufgefunden wurde.

Und dann gibt es in der rund 200 000 Franken teuren Dauerausstellung, die für die nächsten zehn Jahre Bestand haben soll, auch noch einen ganz besonderen Lebensraum – den politischen. Hier sollen sich dereinst alle 86 Baselbieter Gemeinden mit einer Tafel inklusive Film zu einem Naturphänomen in ihrem Bann präsentieren. Neun Gemeinden tun das bereits, so etwa Blauen mit den Wildrosen, die als lebende Zäune Magerweiden abgrenzen, oder Ziefen, dessen Grosse Wiesenameisen schon die Gemeindeversammlung beschäftigten. Mit einem Obolus in eine Riesenkasse mit Schlitzen für jeden einzelnen Ort können Spender Gemeinde-Tafeln mitfinanzieren.

Ambitioniert ist das Ziel der Ausstellung. Geigenfeind sagt: «Wir wollen, dass der Besucher beim Hinausgehen weiss, was Biodiversität ist.»