Herr de Courten, Sie wurden zum neuen Abteilungsleiter der Wirtschaftsförderung ernannt. Kam das Angebot für Sie überraschend?

Thomas de Courten: Das war in der Tat eine kurzfristige Option. Ich habe die Chance aber beim Schopf gepackt. Es ging dann sehr rasch, und ich freue mich, dass es geklappt hat.

Welche Qualitäten bringen Sie mit in Ihr neues Amt?

Ich arbeitete zehn Jahre in der KMU-Förderung der Wirtschaftskammer Baselland und bin seit sieben Jahren als selbstständiger Unternehmer mit eigener Kommunikationsagentur in der Schnittstelle Politik und Wirtschaft tätig. Ich weiss, worauf es ankommt, und habe ein breites Beziehungs- und Kontaktnetz. Ich denke, das ist ein guter Rucksack für die neue Aufgabe.

Wie viele Jobs haben Sie denn jetzt? Können Sie sich zeitlich wirklich einbringen in Ihrem neuen Amt?

Als ich Nationalrat wurde, habe ich mein Landratsmandat abgegeben, weil beides gleichzeitig nicht gegangen wäre. Jetzt lege ich meine Agentur still und werde mich zu 100 Prozent meiner 70-Prozent-Stelle in der Wirtschaftsförderung widmen.

Als künftiger Kantonsangestellter und nationaler Abgeordneter sehen Sie keinen Interessenkonflikt?

Im Gegenteil. Die Wähler gaben mir den Auftrag, das Baselbiet in Bern zu vertreten. Das heisst, ich muss auch Kantonsanliegen in Bundesbern vertreten. Dazu ist es wichtig, nah an Verwaltung und Institutionen zu sein. Ein guter Draht nach Bern kann auch für die Kantonsregierung nur hilfreich sein.

Sie können also als Bundespolitiker Ihre kantonale Aufgabe parteiunabhängig ausüben?

Ich packe meine Aufgabe bei der Wirtschaftsförderung mit einem beruflichen Rucksack an. Mein Parteibuch hat da nichts zu suchen. Ich weiss das sehr wohl zu trennen.

Es wird gemunkelt, Ihr «Amtsvorgänger» Simon Schmid ging, weil er sich in der Gesamtregierung nicht durchsetzen konnte. Werden Sie sich durchsetzen können?

Ich weiss nicht, was über Herrn Schmid gemunkelt wird. Ich habe einen guten Kontakt zu ihm, bin aber nicht sein Nachfolger. Ich habe mit Regierungsrat Peter Zwick über die neue Konzeption der Wirtschaftsförderung gesprochen; und wir fanden eine gemeinsame Basis. Ich bin zuversichtlich, dass ich meine Aufgaben erfolgreich und wirksam erfüllen kann. Das dann im Gesamtregierungsrat durchzusetzen, ist Aufgabe Herrn Zwicks.

Welche sind nun Ihre prioritären Zielsetzungen?

Die Baselbieter Unternehmer müssen spüren, dass sie einen Ansprechpartner beim Kanton haben. Und sie müssen spüren, dass der Kanton ihnen Wertschätzung entgegenbringt, für die Arbeitsplätze, die sie schaffen, die Lehrstellen, die sie anbieten, das Volkseinkommen, das sie kreieren und die Steuern, die sie zahlen. Ich will mein gutes Netzwerk in der Wirtschaft nutzen und auf die Unternehmer aktiv zugehen. Bei konkreten Problemen will ich für eine konkrete Antwort sorgen.

Hat die Regierung die Forderungen des Landrats mit der neuen Konzeption bereits erfüllt?

Das gilt es jetzt zu beweisen mit meiner Arbeit. Eine wichtige Querschnittsaufgabe für die ganze Verwaltung bleibt aber noch die konzentrierte Entwicklung der im Postulat genannten Industriegebiete Salina Raurica, Münchenstein und Aesch Nord. Diese Entwicklung voranzubringen, sehe ich als meine Aufgabe an.