Dass man im Alter etwas spiessiger wird und auf die eine oder andere Annehmlichkeit nicht mehr verzichten will – das darf man selbst Radio X nicht verübeln. Die Zeit des «Punky Groove» habe man nun hinter sich, wie Geschäftsführer Thomas Jenny sagt. Dem Konfirmationsanzug sei man entwachsen. Im neuen Studio im Kunstfreilager auf dem Dreispitz hat man ihn gegen fliessendes Wasser und eine Telefonzentrale eingetauscht. Durchaus legitim, denn so «underground» ist RadioX nicht mehr. Heute hören laut der letzten Erhebung von Publica Data 40000 Menschen täglich RadioX. Jenny schätzt aber, dass die Zahl bei rund 50000 liegt: «Die ausländischen Hörer werden gar nicht erfasst», sagt er und verweist auf die verschiedensprachigen Sendungen.

Dreimal mehr Platz

Seit drei Tagen wird RadioX nun von der Oslostrasse gesendet, gestern feierte man die Einweihung der neuen Lokalität, wo die Angestellten fast dreimal mehr Platz haben. Prunkstücke sind zum einen eine geräumige Lounge, wo der kulturelle Austausch gepflegt werden soll. Lesungen sollen hier stattfinden und Kunstschaffenden ihre Werke präsentieren. Geknausert wurde auch nicht bei den beiden Studios. «Wer hier gearbeitet hat, für den ist der Schritt zum Radio DRS nicht gross», erzählt Jenny. Dank der Isolation ist zudem die Tonqualität markant gestiegen. «An der Spitalstrasse hörte man, wenn ein Regahelikopter durchflog», lacht er.

Die vielleicht wichtigste infrastrukturelle Neuerung steht indes nicht auf dem Dreispitzareal, sondern auf dem St. Chrischona. Dank einer Leistungserhöhung um 200 Watt kann Radio X nun den Vergleich mit Radio Basilisk und Radio Basel aufnehmen. «Wir haben jetzt etwa zwei Drittel der Sendeleistung der Konkurrenz», schätzt Jenny. Der Kostenpunkt des neuen Radio-X-Standorts liegt bei 900000 Franken, wovon 842271 Franken gedeckt sind.

Alter Inhalt neu verpackt

Mit dem Umzug schimmert auch durch, welches Jennys Stossrichtung sein wird. Der Inhalt bleibt der alte, die Verpackung wird neu. An den Programminhalten soll sich nämlich in nächster Zeit kaum etwas ändern. Spezialsendungen und Musik, die ausserhalb des Mainstreams liegen, sollen Radio X prägen. Als Alternativsender will Jenny seinen Sender aber nicht bezeichnet haben: «Die Hörerzahlen zeigen, dass wir eher ein Zentrumssender oder ein Mittesender sind.» Dass sich dieser Mittesender zunehmend professionellere Personalstrukturen aneignet, liegt auf der Hand. Neben einer neu geschaffenen Stelle für Leitung von Projekten (seit August) wird Radio X im Januar auch einen neuen Redaktionsleiter einstellen. Kleine Schritte weg vom «Punky Groove» des alten Radio X.