Der Steinkauz steht kurz vor der Rückkehr ins Baselbiet: Die gerade mal DIN-A5-grosse Eulenart ist seit über 30 Jahren nicht mehr in der Nordwestschweiz gesehen worden. Nun hofft Biologe Lukas Merkelbach, dass der Vogel den Weg über das badische Hochrheintal oder den Sundgau zurück in den Landkanton findet. Grund für seinen Optimismus ist das «Trinationale Obstwiesenprogramm und Artenförderung Steinkauz» von Naturschutzorganisationen aller drei Länder, das Merkelbach für den Schweizer Vogelschutz/ Birdlife Schweiz (SVS) koordiniert. Dem Programm, das von der EU mitfinanziert wird, ist es seit Beginn im Jahr 2000 gelungen, die damals rund 60 Brutpaare im Dreiland zwischen dem jurassischen Ajoie und Colmar zu verdreifachen.

Vorbereitet ist alles für die Ankunft des Steinkauzes: Zwischen Rodersdorf, Therwil, Allschwil, Reinach, Muttenz und Pratteln haben zahlreiche Helfer des SVS künstliche Niströhren in Obstbäume gehängt. Die Röhren sind mit einem dreifach gewundenen Eingang vor Mardern geschützt. Damit nicht andere Vögel die Röhren besetzen, werden an jeden Baum zusätzlich kleinere Nistkästen angebracht. Die Biotope um die Obstbäume wurden entsprechend mit Blumenwiesen, Hecken und Kleinsträuchern aufgewertet. Der kleine Steinkauz ist ein typischer «Kulturfolger»: Er mag die Nähe von Bauernhöfen und nistet nicht selten in Scheunendächern. Er jagt auch nicht in typischer Eulenmanier im Sturzflug, sondern rennt durchs niedere Gras, um Mäuse zu fangen. Die Jungtiere lernen fliegen, indem sie sich vom Ast fallen lassen und am Stamm wieder hinaufklettern.

Erste Rufe im Leimental

Einige Jungtiere wurden laut Merkelbach im Leimental bereits gehört. Niedergelassen hat sich jedoch keines. Steinkäuze sind soziale Tiere: Zwar können sie Strecken bis zu 100 Kilometer zurücklegen – sie brüten aber normalerweise nur in Rufweite anderer Tiere. Und sie fürchten den Wald, in dem ihr Todfeind, der Waldkauz, lebt. Der Waldgürtel zwischen Allschwil und dem elsässischen Oltingen ist also ein natürliches Hindernis für sie, das sie erst endgültig überwinden werden, wenn der Bevölkerungsdruck zu gross wird. Momentan sind die Vögel laut Merkelbach im Sundgau bis etwa vier Kilometer an die Baselbieter Grenze herangerückt.

Ein zweiter Korridor ins Baselbiet führt für die Steinkäuze über den badischen Hochrhein und das untere Fricktal: In Herten und Möhlin wurden in den vergangenen Wochen ebenfalls Nistkästen auf Streuobstwiesen angebracht. Drei Männchen wurden bereits auf den Wiesen in Herten gehört; sie stammen wahrscheinlich aus den Populationen im Vorderen Kandertal (Eimeldingen, Schallbach, Binzen) und dem Unteren Wiesental (Lörrach, Steinen).

Auch der Wiedehopf kehrt zurück

Doch selbst, wenn der Einzug des Steinkauzes ins Baselbiet noch einige Jahre dauern mag, sei die Arbeit der Vogelfreunde nicht umsonst, versichert Merkelbach: «Der Steinkauz ist nur das Flaggschiff unseres Programms. Es gibt weitere Obstwiesen-Vöge, die sehr von den neu gestalteten Biotopen profitieren.» Allen voran sei dies der Wiedehopf, der im Baselbiet ebenfalls ausgestorben war und nun vor der Rückkehr stehe. Im Gebiet des Oberrheins habe sich die Population in anderthalb Jahrzehnten von zehn auf 200 Brutpaare vermehrt – laut Merkelbach eine «riesen, riesen Erfolgsgeschichte». Auch die Gartenrotschwänze haben im Baselbiet deutlich zugenommen; ebenfalls profitieren die Zaunammer und der Wendehals von den Massnahmen.