«Es liegt im Interesse unserer Stadt, dass die Zollabfertigung auf der Autobahn ohne Staus und damit unfallfrei erfolgt», sagt Weils Oberbürgermeister Wolfgang Dietz. Schliesslich seien die Feuerwehrleute, die zwei- bis dreimal im Jahr wegen schwerer Zusammenstösse mit wartenden Lastwagen ausrücken müssen, alle ehrenamtlich im Einsatz und fehlten während der stundenlangen Einsätze in ihren Betrieben.

Eigentlich dürfte das Stadtoberhaupt von Weil am Rhein dahin gehend optimistisch in die Zukunft blicken. Bei der gestrigen Präsentation der Baufortschritte für die Umgestaltung der Gemeinschaftszollanlage Weil am Rhein/Basel für eine schnellere Abfertigung des Transitverkehrs war der zuständige Abteilungsleiter bei der deutschen Bundesfinanzdirektion Südwest, Ekkehard Schmidl, jedenfalls voll des Lobes: Die Bauarbeiten seien voll im Zeitplan. Auf deutscher Seite (Süd-Nord-Richtung) ist bereits ein Viertel der Fläche umgebaut, auf schweizerischer Seite (Nord-Süd-Richtung) gar ein Drittel. Die geplanten Bauzeiten bis Mitte 2013 beziehungsweise Ende 2012 werden laut den Planern eingehalten.

Kein neuer Platzverbrauch

Die Bauarbeiten sind besonders diffizil, weil bei laufendem Betrieb gebaut wird. Dass bedeutet aber auch, dass abgesehen von knapp 1500 Quadratmetern an der südlichen Einfahrt des deutschen Zolls keine neuen Flächen versiegelt werden. «Ich sehe auch nicht, wo dazu noch Platz sein sollte», sagt Dietz gegenüber der bz. Der Oberbürgermeister verhehlt nicht, dass ihn ärgert, dass die Gemeinschaftszollanlage komplett auf Weiler Bann erbaut wurde: «Diese 35 Hektar könnte eine flächenarme Stadt wie Weil am Rhein auch sehr gut anders gebrauchen.»

Die Zollanlage sei in den Siebzigern auf deutscher Seite geplant worden, weil Basel kurzfristig die Pläne für die gemeinsame Kläranlage Bändlegrund aufgegeben habe und eine eigene baute – dort, wo eigentlich der Schweizer Zoll geplant gewesen sei. Als Entschädigung wurde den Weilern der Bau der zollfreien Strasse auf Riehener Bann versprochen (die bz berichtete), worauf Dietz in den letzten Jahren auch vermehrt drängte.

Frust über Nachtfahrverbot

Dennoch habe Weil keinen «unmittelbaren Nutzen» von den jetzigen Optimierungen. «Ein unmittelbarer Nutzen wäre es, wenn die ganze Anlage gar nicht da wäre», bringt Dietz seine Ansicht auf den Punkt. Dass sich Deutschland und die Schweiz darauf einigten, dass dafür der Autobahnzoll Kreuzlingen/Konstanz komplett auf schweizerischem Gebiet liegt, nutze der Stadt Weil wenig.

Auch Bauleiter Schmidl betont, dass es nicht Aufgabe der Zollbehörde sei, «Verkehrspolitik zu machen», sondern nur die bestehende Situation zu optimieren. Zwischen den Zeilen klingt der Frust über das schweizerische Nachtfahrverbot durch, das die Stauprobleme auf deutscher Seite überhaupt erst verursacht.

Allerdings biete die Gemeinschaftsanlage der Deutschen und Schweizer auch Synergien, wie der schweizerische Zollinspektoratsleiter Rolf Tschudi erläutert: Die Spediteure könnten die schweizerische und deutsche Abfertigung in einem Büro erledigen.