Um 16 Uhr stürmen rund 40 Mädchen und wenige Knaben aus dem grossen Tanzsaal. Der zweite Tag des Sommertanzcamps ist vorbei. Begeistert schwatzen die Kinder ihren wartenden Müttern den Kopf voll. Lehrerin Denise Döbeli strahlt ebenfalls, als sie in den Gang tritt. Sie scheint ebenso viel Spass gehabt zu haben wie ihre Schülerinnen und Schüler.

Döbeli versichert sich, dass alle Kleinen auch tatsächlich abgeholt werden. Ein Mädchen meint, es dauere noch eine Weile, bis die Mutter käme. Döbeli nimmt sie deshalb wieder ins Studio. Im «Move in Arts» ist man eine grosse Familie und schaut zueinander. Gründerin, Lehrerin und Choreografin der Tanz- und Musicalschule und quasi die Mutter aller ist Denise Döbeli. Sie hat vor sechs Jahren den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt und diesen noch nie bereut. Die Schule ist ihr Lebensmittelpunkt. Sie geht völlig auf, in dem, was sie tut.

«Ich konnte als Kind nie stillsitzen»

«Ich bin glücklich, ich habe mein Hobby zu meinem Beruf gemacht», sagt die
30-Jährige. Döbeli, in Ziefen geboren und aufgewachsen, hat früh mit Ballett, Jazztanz, Gymnastik und rhythmischer Gymnastik begonnen und nie wieder aufgehört. «Ich fand Tanzen so cool und konnte als Kind einfach nie stillsitzen.» Lustigerweise sagt sie von sich, sie sei überhaupt nicht sportlich, hasse etwa Jogging oder Hochsprung. «Was wir hier im Move in Arts machen ist – wie der Name besagt – eben mehr Kunst denn Sport», erklärt Döbeli. Angeboten wird nicht nur Tanz-, sondern auch Gesangsunterricht sowie Akrobatik. Vor allem für letztere ist Roman Lerf verantwortlich. «Er ist seit mehreren Jahren als Akrobatik- und Tanzlehrer im Move in Arts tätig und aus dem Team nicht mehr wegzudenken. Mit viel Leidenschaft, Kreativität und grossem Engagement trägt er täglich zum Erfolg der Tanzschule bei», so Döbeli.

Lebhaft erzählt sie von ihrer Schule und «ihren» Kindern – für eine eigene Familie lässt sie sich noch Zeit beziehungsweise hat dafür noch keine Zeit. Doch so richtig zu schwärmen beginnt sie, wenn das Gespräch aufs choreografieren kommt. Das ist ihr Ding. Den richtigen Mix an Liedern zusammenstellen. Schöne Bilder kreieren, bei denen die Zuschauerinnen und Zuschauer mitgehen können. Den richtigen Ausdruck auf die Gesichter und in die Bewegungen der Kinder zaubern. Damit feiert sie Erfolge: Seit vier Jahren gehören ihre Showgruppen zu den besten Showdancers. Und vor drei Wochen erst hat sich die Kindershowgruppe LilMonsterz mit dem zweiten Platz im Final der Streetdance Schweizermeisterschaften für die Weltmeisterschaften in Graz qualifiziert

Döbeli will die Erfolge jedoch nicht auf sich buchen. Sie meint bescheiden, das Erfolgsgeheimnis liege im grossen Zusammenhalt, in der grossen Unterstützung durch die Eltern, im Ehrgeiz der Kinder, die intensiv trainieren würden. Auf ihre Kinder ist sie dann jeweils «furchtbar stolz». Ein bisschen von der guten Leistung zweigt sie trotzdem für sich ab: «Es ist für mich eine gute Rückmeldung. Ich habe also gut gelehrt.»

Sie ist eine strenge Lehrerin, aber sie achtet darauf, stets eine lockere Atmosphäre zu schaffen und die Kinder zusammenzuschweissen. So schnell wie möglich sollen allfällige Hemmungen abgebaut werden – wenn nötig mit humorvollen Einlagen der Lehrer. Sie ist überzeugt, jeder könne tanzen.

Mit der Zeit gewinne man die nötige Erfahrung, sagt Döbeli. Die pädagogische Basis hat sie an der Universität Basel gelegt: Sie studierte Musik, Französisch und Deutsch. Daneben unterrichtete sie Tanz. «Zudem hat mich meine eigene Hip-Hop-Tanzlehrerin geprägt. Sie war streng, aber lustig und ungezwungen.» Choreografische Inspiration holt sich die Baselbieterin in London – oder von befreundeten Tanzlehrern.

Immer wieder Neues einstudiert

Denise Döbeli bemerkt, Choreografien würden aber erst funktionieren, wenn sie auf die Schülerinnen und Schüler zugeschnitten seien. Leider trete dabei ihre künstlerische, chaotische Ader zutage: «Ich ändere stets etwas. Meine Showgruppen müssen immer wieder Neues einstudieren. Das ist nicht einfach.» Fixiert werde manchmal ein Auftritt erst sehr kurzfristig. Die Kinder hätten sich daran gewöhnt.

Und sie kommen gerne. «Ich war überrascht, wie viele Angefressene von Anfang an zu mir kamen», erzählt Döbeli. Dabei waren es ihre Schülerinnen und Schüler, die sie nach Abschluss des Studiums überzeugt hatten, nicht mit dem Tanzunterricht aufzuhören. Viele gehören bereits fast zum Inventar – einige von ihnen unterrichten nun selbst in der Schule. Die zwei grossen Tanzsäle am Benzburweg im Hanro-Areal in Liestal genügen längst nicht mehr. In weiteren fünf Baselbieter Gemeinden werden vom zehnköpfigen Team Kurse angeboten. «Tanzen ist einfach voll in», sagt Döbeli.

Sie selber kommt nicht mehr so viel zum Tanzen. «Ab und zu gehe ich Salsa tanzen und so oft es geht ins Jazz, Ballett oder Yoga», erzählt sie. Immerhin nimmt sie sich immer wieder Auszeiten: Dann fährt sie in ihr Tanz-Mekka, nach London. Von dort bringt sie dann eben immer wieder neue Ideen mit – oder gleich auch Profis, die ihr Team vor Ort weiterbilden. Fährt die Tanzschulbesitzerin dann doch einmal wirklich in die Ferien, heisst das Ziel eventuell Griechenland – ihre Mutter ist nämlich Halbgriechin. Es ist aber wahrscheinlicher, dass sie ihre Ferien wie momentan in Liestal verbringt, an ihrem Wohnort, in ihrer Schule, im Sommercamp.