Das Pfeffinger Forum ist eine Institution. Fast nirgends ist die (bürgerliche) Politikerdichte grösser als an dem Anlass in der etwas abseits der Verkehrsadern liegenden Unterbaselbieter Gemeinde.

Landräte, Grossräte, Gemeindepräsidenten, Regierungsräte aus Basel-Stadt und die komplette Baselbieter Regierung sind dabei, wenn alt Landrat Paul Schär (FDP) Bundesräte und andere nationale Politgrössen schaulaufen lässt.

Die Mehrzweckhalle, parfümiert mit dem Mief hunderter Turnstunden, ist jeweils brechend voll, wenn ein leibhaftiger Bundesrat – dieses Jahr Verkehrsministerin Doris Leuthard – ans Rednerpult tritt, bevor dann nationale und regionale Politgrössen eine Diskussion führen.

Am vergangenen Montag waren Verkehr und Umwelt Thema, wobei Letztere eigentlich nur einmal erwähnt wurde: Im haarsträubenden Zirkelschluss, wonach Stau auf Autobahnen und Zufahrten die Umwelt belaste, weshalb mehr Strassen gebaut werden müssten.

Womit auch klar war, um was es wirklich ging: um Bundesmanna zur Beseitigung von Engpässen in der Region Basel. Die Argumentationskette der Teilnehmer, die mit Ausnahme des grünen Feigenblattes, GPS-Präsidentin Regula Rytz, in erschreckender Einhelligkeit das Hohelied des forcierten Teerens sangen, in das selbst der wahlkämpfende Basler Baudirektor Hans-Peter Wessels einstimmte, führte geradewegs in die Vergangenheit.

Nach der jahrelangen Bevorzugung des öV sei nun die Strasse dran. Rheintunnel, Sanierung von Osttangente und Schänzlitunnel, Ausbau Autobahnknoten Hagnau , die deutsche A98 als Umfahrungsmöglichkeit des Grossraums Basel und was der Projekte mehr sind.

Mehr Strassen gleich mehr Verkehr

Forderungen, die im beschaulichen, aber autophilen Pfeffingen auf viel Verständnis stiessen. Die Gleichung «Engpass weg – Stau weg – Problem gelöst» zieht offenbar auch heute noch. Sie war vor 30 Jahren falsch und ist es auch noch heute.

Denn es ist nun mal eine Tatsache, dass mehr Strassen zu mehr Verkehr führen. Natürlich, das Bevölkerungswachstum und der Wohlstand überlasten eine Infrastruktur, die weitgehend in den Sechzigerjahren geplant wurde.

Insbesondere auf die Lastwagenlawine sind die Autobahnen nicht ausgelegt. Natürlich, der Ausbau des öffentlichen Verkehrs, so massiv er in den letzten Jahren war, kann den Mehrverkehr nicht absorbieren, insbesondere den nicht alpenquerenden Warenverkehr nicht.

Natürlich, die wuchernden Agglomerationen haben trotz bestem Tram-, S-Bahn- und Busnetz (wovon Pfeffingen nicht allzu sehr profitiert) in der Rushhour ein massives Verkehrsproblem. Doch ist der Ausbau der Strasse wirklich die alleinselig machende Lösung?

Gemäss dem Pfeffinger Forum schon. Noch der leiseste Hinweis auf intelligente Verkehrsführung wurde entweder mit einem Murren abgetan oder dann von Fuhrunternehmer und Nationalrat Ueli Giezendanner in der Rolle als Kompaniekalb lautstark lächerlich gemacht.

Selbst die Baselbieter Verkehrsdirektorin Sabine Pegoraro, die Kraft ihres Amtes die technischen Möglichkeiten der Zukunft im Blick haben sollte, verwarf abschätzig die Hände. Es muss nicht gleich das selbstfahrende Auto sein, das hilft, die Strassenkapazität besser zu nutzen.

Selbst wenn die Technik eines Tages ausgereift ist, bleiben immer noch zahlreiche rechtliche Fragen ungelöst. Zum Beispiel jene um die Haftung bei Unfällen. Es reicht fürs Erste, die heutigen Möglichkeiten, die schon nur das Smartphone bietet, ein bisschen weiterzudenken. Wenn man sie denn überhaupt sieht.

Uber, so umstritten die amerikanische Plattform in Europa aus arbeitsrechtlichen Gründen auch sein mag, machts vor. In vielen Städten können sich Pendler über die Uber-Pool-App eine Fahrt teilen. Das funktioniert hervorragend. Sagt zumindest Uber. In San Francisco hat der Service die Staudichte merklich verringert. Warum soll das bei uns nicht funktionieren?

Utopien können Realität werden

Und warum redete eigentlich niemand über das Projekt «Cargo Sous Terrain», eine eigentliche Gütermetro durch die Schweiz? Immerhin sind Grossunternehmen wie Coop, Migros und die SBB involviert.

Warum nicht mitdenken, mit dem Ziel, die Region Basel von Anfang an einzubinden? Warum als Utopie abtun, was die Zukunft positiv gestalten hilft? Womit wir wieder beim eigentlichen Thema sind, das das Pfeffinger Forum hätte dominieren sollen: die Umwelt.

Es kann doch nicht sein, dass im Jahr 2016 über Infrastrukturvorhaben verhandelt wird, die weiteren Landverlust verursachen und alles andere als klimaschonend sind. Selbst bei massivem Anstieg der Elektromobilität werden die Lastwagen weiterhin Millionen Liter Diesel verfeuern.

Stau gibt es nicht nur auf den Strassen, sondern auch in den Köpfen.

david.sieber@bzbasel.ch