In Aesch geistert der nächste Deponienstreit herum. Denn der Gemeinderat bringt die Hollenmatt wieder als Deponiestandort ins Spiel. Das passt nicht allen. Und vor allem: Im vergangenen November wurde die Deponie vom Baselbieter Stimmvolk bachab geschickt.
Vor einem Jahr stiessen zwei Deponiestandorte, welche der Kanton vorsah, auf Kritik.

In Zwingen und Blauen bekämpfte ein Referendumskomitee die Pläne des Kantons. An der Referendumsabstimmung im November letzten Jahres dann das klare Verdikt: Die Deponiestandorte fielen mit 53 Prozent Nein-Stimmenanteil durch. Im Schlepptau dieser Standorte wurde auch die Hollenmatt in Aesch gekippt.

Der Kanton hat im April nun die Gemeinde Aesch noch mal angefragt, ob die Hollenmatt trotzdem in den Richtplan aufgenommen werden könne. Der Gemeinderat bejahte dies. «Das Referendum wurde nur gegen die Deponien im Laufental und nicht gegen die Auffüllung in Aesch ergriffen. Darum hat sich für uns nichts geändert, die Auffüllung macht aus ökologischen Gründen Sinn.

Zudem können wir dem Landwirt auf diese Weise helfen», sagt die Aescher Gemeindepräsidentin Marianne Hollinger. Sie betont aber auch, dass die Gemeinde nicht von sich aus aktiv geworden ist, sondern vom Kanton angefragt wurde.
Der Kanton bestätigt, dass er die Gemeinde Aesch angefragt hat, ob sie noch grundsätzliches Interesse am Standort hat. «Der Beitrag der Hollenmatt am Bedarf an Deponienfläche ist zwar klein, doch der Aufwand für eine Aufnahme in den Richtplan auch nicht», so Martin Huber, stellvertretender Kantonsplaner.

Kritik von SP-Gemeinderat

Ein grosser Kritiker des gemeinderätlichen Vorgehens kommt ausgerechnet aus dem Rat selbst. SP-Gemeinderat Paul Svoboda sieht im Vorgehen des Rats eine Missachtung des Volkswillens. Die Aescher Bevölkerung hat die Vorlage damals mit fast 70 Prozent verworfen. Nicht einfach ein Solidaritätsakt mit dem Laufental und den Gemeinden Zwingen und Blauen? «Nein, die Aescherinnen und Aescher wussten genau, was die Vorlage beinhaltete», so Svoboda.

Zudem habe es eine Leserbriefaktion im Vorfeld gegeben, die klar auf den Standort Hollenmatt hingewiesen habe. Hollinger betont, dass es überhaupt ein Fehler gewesen sei, die Hollenmatt mit den beiden Standorten in Zwingen und Blauen zu verbinden. Die Hollenmatt sei im Landrat und beim Referendumskomitee unbestritten gewesen.

Ein Blick in die Abstimmungsdetails zeigt: Nirgendwo im Bezirk Arlesheim war die Ablehnungsquote des Referendums höher als in Aesch. Und auch in den anderen Bezirken ausserhalb des Bezirks Laufen lehnten nur gerade Bretzwil und Lauwil in ähnlichem Masse ab.

Deponie kommt sicher vors Volk

Der Kanton will nun mit den den potenziellen Standortgemeinden und den Grundeigentümern gemeinsam das Gespräch suchen. «Nebst der grundsätzlichen Eignung muss man sich auch über die Sinnhaftigkeit des Standorts unterhalten», so Martin Huber. Bereits im Vorfeld der Referendumsabstimmung wurde klar, dass die Grundbesitzerin, die Christoph Merian Stiftung, kein Interesse an einer Deponie auf dem Land hat. Im Gegensatz zum Landwirt, der das Land gepachtet hat.

Dieser kann das Land momentan nicht bebauen, weil es sich gesenkt hat und Drainageleitungen an die Oberfläche kamen, wie Marianne Hollinger erklärt. An der Haltung der Grundbesitzerin hat sich nicht geändert. «Wir wollen keine Deponie auf unserem Land», sagt Toni Schürmann von der Christoph Merian Stiftung. Dies habe man schon mehrfach betont.

Die Grundbesitzerin hat also keine Lust auf eine Deponie. Warum dann überhaupt das Interesse der Gemeinde? «Falls sich die Stiftung — wie noch vor kurzem — wieder für die Auffüllung entscheidet, wäre alles vorbereitet», sagt Marianne Hollinger.

Wenn der Standort im Richtplan ist, ist es keineswegs so, dass dort auch tatsächlich eine Deponie entsteht. «Am Schluss ist es in jedem Fall die Aescher Bevölkerung, die beschliesst, ob es eine Auffüllung gibt oder nicht», so Hollinger.