«Persönlich unterstütze ich noch immer die Haltung von Blauen und sage Ja zur Anpassung des Richtplans.» Der letzte Satz in einem Gastbeitrag des Laufentaler Landrats Rolf Richterich (FDP) im aktuellen «Wochenblatt» verwirrt. Ist dem Leser nicht bewusst, dass sich die Gemeinde Blauen mehrfach gegen die Aushub-Deponie im Blauner Gebiet Stutz ausgesprochen hat, könnte er meinen, sie sei dafür.

Auch aus dem restlichen Text geht diese Tatsache nicht hervor. In Leserbriefen in regionalen Tageszeitungen und mit einer Rede an der Landsgemeinde beim Schloss Zwingen machte sich der Blauner Gemeindepräsident Dieter Wissler zuletzt gegen die Ablagerung von Aushub im Gebiet Stutz stark. FDP-Fraktionspräsident Rolf Richterich ist wiederum der einzige Parlamentarier aus dem Laufental, welcher die Pläne des Kantons unterstützt, und er ist Mitglied des Ja-Komitees. Am nächsten Wochenende stimmt das Baselbiet über die Aufnahme des Gebietes als Deponiestandort in den Kantonalen Richtplan ab.

Auf Nachfrage der bz beim Blauner Gemeindepräsidenten Dieter Wissler äussert sich dieser sehr kritisch über den Beitrag von Rolf Richterich. «Ich habe den Text zur Kenntnis genommen und bin überhaupt nicht erfreut darüber», sagt er. Richterich versuche, das Laufentaler Stimmvolk zu manipulieren. «Er verbreitet, gegen besseres Wissen, vorsätzlich die Unwahrheit», wirft Wissler dem Laufner vor. «Wir haben mehrfach kommuniziert, dass wir gegen die Deponie sind. Das weiss Rolf Richterich haargenau.» Mit seinem Beitrag mache er nicht nur sich als Politiker unglaubwürdig, sondern schade als Fraktionspräsident auch dem Ansehen seiner Partei. Wissler stellt klar: «Die Gemeinde Blauen lehnt die Mammutdeponie Stutz ab.» Sie würde Blauen grossräumig Attraktivität und Wohnqualität wegnehmen. Um Waffengleichheit herzustellen, habe er vor, im nächsten «Wochenblatt» einen offenen Brief an Richterich zu publizieren.

Blauen habe dazugelernt

Die Angriffe des Blauner Gemeindepräsidenten kontert Rolf Richterich mit einem Verweis auf offizielle Dokumente. «Ich beziehe mich auf einen Bericht der landrätlichen Bau- und Planungskommission von diesem März.» Darin heisst es, dass die Gemeindevertreter von Blauen sich den Betrieb einer Deponie am Standort Stutz vorstellen könnten, wenn zwei Bedingungen erfüllt seien: Zum einen müsse die Wasserversorgung der Gemeinde Blauen sichergestellt werden. Zum anderen müsse die verkehrliche Situation im Bereich der Abzweigung nach Blauen mit baulichen Massnahmen langfristig angepasst werden. «Bereits im Jahr 2013 führten die Verantwortlichen von Blauen dieselben Bedingungen ins Feld.» Wieso sich Dieter Wissler nun so vehement gegen die Deponie wehrt, kann er sich nur so erklären: «Der Gemeinderat Blauen ist fremdbestimmt durch den Verein Depo-Nie.»

Dem widerspricht Wissler. «Wir sind alles andere als fremdbestimmt. Es ist doch jeder Organisation erlaubt dazuzulernen.» In den vergangenen Monaten sei der Widerstand der Bevölkerung gegen die Deponie in Blauen gewachsen. «Im Zuge des Protestes hat sich der Gemeinderat intensiv mit den Dimensionen der Aushub-Deponie auseinandergesetzt.» Man sei zum Schluss gekommen, dass der Standort Stutz inakzeptable Konsequenzen habe.

Richterich gibt sich mit dieser Erklärung nicht zufrieden. Mehr noch: «Sie ist ein Armutszeugnis für den Gemeinderat.» Wissler entlarve damit, dass man auf Druck einer Mehrheit von der ursprünglichen – richtigen – Meinung abgekommen sei.