«Ich bin froh, wenn jemand dieses verlorene Kind wieder an die Hand nimmt», sagt BLT-Direktor Andreas Büttiker angesprochen auf die Verlängerung der Tramlinie 8 bis Allschwil-Letten. An die Hand genommen haben es die Landräte Klaus Kirchmayr (Grüne) und Werner Hotz (EVP). Sie reichen am Donnerstag im Landrat ein Postulat ein, welches vom Regierungsrat fordert, diese Verlängerung zu prüfen. «Damit würde man für relativ wenig Geld den grösstmöglichen Nutzen im Kanton herausholen», ist Kirchmayr überzeugt. «Wenn eine Netzverlängerung irgendwo Sinn macht, dann dort.»

Das findet auch Büttiker. «In der ganzen Diskussion um den öV beobachte ich immer wieder, dass es nur um Milliardenprojekte wie etwa das Herzstück geht», erzählt er. «Über die ‹tief hängenden Früchte› mit überschaubaren Investitionen und grosser Wirkung wird gar nicht gesprochen.» Und einer dieser «reifen Früchte» ist für ihn eben genau diese Verlängerung des 8ers, der heute bei der Neuweilerstrasse an der Grenze zu Allschwil hält und gemäss Postulat entlang der Binningerstrasse weiter bis ins Gebiet Letten geführt werden soll, wo unter anderem das Jumbo-Center steht.

Schon vor sechs Jahren wurde über die Verlängerung des 8ers bis ins Dorfzentrum Allschwils diskutiert. Diese Idee scheiterte damals aber aufgrund der Kosten und des begrenzten Platzes im Dorfzentrum. «Die Verlängerung um 500 oder 600 Meter bis zu Allschwil-Letten wäre der billige Teil», glaubt Kirchmayr. «Für rund 30 Prozent der Kosten hätte man 75 Prozent des Nutzens.» Ausserdem könne man die Verlängerung, die er im Postulat als das «wahrscheinlich höchste nicht genutzte öV-Potenzial im Kanton» bezeichnet, auch als Etappe der Entwicklung Allschwils sehen. «Später könnte man die Linie immer noch via Fabrikstrasse bis Bachgraben oder weiter auf der Binningerstrasse ins Dorf führen, falls dies nochmals Thema würde.»

Postulat greift Konzept vor

Kirchmayr plant den Vorstoss schon seit Weihnachten, wollte ihn vorher aber umfassend abklären. So hatte er unter anderem auch mit Vertretern diverser Allschwiler Parteien Kontakt und stellte fest, dass die Verlängerung für sie einem Bedürfnis entspricht. «Ich glaube schon, dass die Verlängerung mehrheitlich befürwortet wird», sagt auch Gemeindepräsidentin Nicole Nüssli (FDP). Trotzdem ist sie über das Postulat nicht begeistert, denn es kommt zu früh. «Es greift der Diskussion vor, die wir im Moment im Rahmen unseres räumlichen Entwicklungskonzepts führen.» Deshalb möchte sie sich auch nicht dazu äussern, wie die Gemeinde zur Verlängerung stehen würde. «Die Debatte dazu ist noch immer am Laufen.»

Bedenken kamen unter anderem von an der Binningerstrasse angesiedelten Gewerbebetrieben. Dort befürchtet man Verkehrsbehinderungen durch das Tram. Ebenfalls sei moniert worden, dass das Tram vor allem die Basler an die Einkaufszentren beim Letten anbinde und für Allschwil wenig bringe. Kirchmayr und Büttiker sehen dies anders. «Der Südteil von Allschwil ist in den letzten Jahren stark gewachsen», so Kirchmayr. Der 8er sei für diesen eine wichtige Anbindung, nicht zuletzt weil er auch das Basler Stadtzentrum sowie den Bahnhof ansteuere. Zudem könne ein Umstiegsknoten mit der Buslinie 64 entstehen, die auch den Bachgraben und Allschwiler Wohnquartiere anbinde.

Postulanten sind zuversichtlich

Kirchmayr sieht gute Chancen für sein Postulat. «Der Landrat muss sich in Sachen öV-Planung mit Priorisierungen befassen», sagt er. «Da spielen Kosten/Nutzen-Abwägungen eine sehr wichtige Rolle und diese sprechen auf jeden Fall für den Vorstoss.» Ausserdem sei er überzeugt, dass der Bund die Verlängerung über das Agglomerationsprogramm mitfinanzieren werde. «Am Schluss kostet es den Kanton fast gar nichts mehr.»