Im altehrwürdigen Benediktinerkloster Mariastein klirren die Sektgläser. Es ist eine illustre Schar, die sich versammelt hat, um auf das Wohl des hundertjährigen Bruders Josef Kropf anzustossen: Der Solothurner Landammann Remo Ankli ist ebenso ins Kloster gepilgert wie Standesweibel Ueli Lisser und Gemeinde-Vizepräsident Peter Probst, um diesen doch etwas ungewöhnlichen «Hundertsten» zu begehen. Ebenfalls gekommen und unter die Schar der Gratulanten mischen sich Bischof Felix Gmür und Pfarrer Günter Hulin der Pastoralgemeinde Solothurnisches Leimental.

1945 ins Kloster gekommen

Nach einer kurzen Ansprache des Original-Schwarzbuben-Regierungsrats Remo Ankli überreicht man üppige und sehr üppige Blumensträusse sowie ein Goldgeschenk der Regierung, das Bruder Josef freudestrahlend entgegennimmt. Die Brüder und Patres feiern ihr ältestes Mitglied mit herzlicher Fröhlichkeit. «Das Gold musst du dann gut versorgen!», witzelt einer der Mönche. «Heute ist er noch nicht ganz Hundert», spasst auch Abt Peter von Sury.

Der 1917 in Zürich geborene Albert Kropf (bürgerlicher Name) wächst bei seinen Grosseltern in Einsiedeln auf, ehe er zu einer Pflegefamilie im toggenburgischen Bazenheid kommt, die ihn freundlich aufnimmt. Dort besucht er acht Jahre lang die Schule und wird dann Knecht auf verschiedenen Landwirtschaftsbetrieben. Das will er jedoch nicht für immer bleiben. Aus diesem Grund tritt er 1945 ins Kloster Mariastein ein und legt drei Jahre später die Mönchsprofess ab.

«Er ist für uns alle ein Vorbild», sagt ein Pater über Josef Kropf. «Sein Glaube ist stark und treu, und diese Kraft sieht man ihm an.» Ein anderer ergänzt: «Er hatte kein leichtes Leben. Die Arbeit als Knecht war zu jener Zeit sehr schwer. Solange es körperlich möglich war, hat er aber auch hier immer fleissig im Garten gearbeitet und zu den Tieren geschaut.» Später habe er dann die Sakristei der Gnadenkapelle übernommen.

Vor acht Jahren ist er schliesslich ins Krankenzimmer gekommen, da er aufgrund eines Hüftleidens immer mehr auf den Rollstuhl und die Hilfe der Spitex angewiesen ist. Seit einem Monat nimmt er nur noch sporadisch an den Gottesdiensten und den gemeinsamen Mahlzeiten teil. Trotz seines hohen Alters und einer Hörbehinderung wirkt der Bruder zufrieden, aufnahmefähig und geistig präsent.