Ganz oben in der Ecke, rechts über der Orgel in 15 Metern Höhe, sieht man noch zwei russschwarze Flecken. So sah die Stuckatur des Arlesheimer Doms noch vor zwei Jahren aus. Diese zwei Flecken sind nicht etwa vergessen worden während der zweijährigen und rund sechs Millionen Franken teuren Sanierung: «Es ist üblich bei grossen Sanierungen, dass man eine kleine Stelle unbearbeitet lässt, als Zeitdokument sozusagen», erklärte Kirchgemeinderatspräsidentin Janine Galgiani anlässlich der offiziellen Wiedereröffnung des Arlesheimer Doms am Wochenende.

Mit einem vollbesetzten Gottesdienst und der Altarweihe durch Bischof Felix Gmür wurde am Sonntagmorgen das 334 Jahre alte Gebäude wieder seiner Bestimmung übergeben: Ein Jahr lang konnte die Gemeinde den Dom gar nicht nutzen, seit gut einem Jahr immerhin das Schiff. Die offizielle Feier mit Gästen aus Politik und Kirche fand bereits am Samstagabend statt.

Kirchgemeinderat Alois Schmidlin, als Präsident der Baukommission letztendlich für die Sanierung verantwortlich, strahlte sichtlich ob des gelungenen Werks. Gerne zeigte er die innovativsten technischen Neuerungen wie den Rauchmelder, der aus einem Laser besteht, der von der Orgelempore quer durch die ganze Kirche bis zum Altardach verläuft, oder die neue Sitzheizung, die direkt unter den Bänken entlangführt. Heisse Füsse dürfte es damit nicht mehr geben, meinte er und spielte damit auf die früher oft schwer regulierbare Temperatur an: «Da musste manche Dame ihre Handtasche neu kaufen, wenn sie sie zu lange auf dem Boden abgestellt hatte.»

Glocken neu computergesteuert

Generell ist es Schmidlin wichtig, auf die durchgängige Automatisierung des Doms hinzuweisen: Glocken, Heizung, Licht, Raumklima – alles könne nun per Computer gesteuert werden. Besonders die alte Heizung von 1930 war Schmidlin als «Energieschleuder» ein Dorn im Auge gewesen: Nun kommt die Wärme umweltfreundlich von der Holzschnitzelanlage der Gemeinde Arlesheim. Die verantwortliche Architektin Regine Nyfeler freut sich über die Beleuchtung: «Der Dom strahlt und wirkt jetzt ganz anders.» Die Deckenfresken von Joseph Appiani aus dem Jahre 1681 würden nun optimal ausgeleuchtet. Froh ist Nyfeler auch, dass durch die Sanierung die optisch störenden Metallstützen in der Decke entfernt werden konnten.

Es sei viel Koordination nötig gewesen, damit 45 000 Arbeitsstunden auf 4500 Quadratmetern Sanierungsfläche an Boden, Wände und Decke erfolgreich zum Ziel geführt hätten: «Das musste alles mit Feingefühl passieren. Ein ganz grosses Lob an die Arbeiter; ich finde es toll, wenn man solche Handwerkskunst fördern kann.»

Während der Kirchenraum einen neuen Boden erhielt, wurden die Wände kaum verändert. Sie seien nur gereinigt, nicht neu gestrichen worden, wie Kirchgemeinderatspräsidentin Galgiani betont. Wobei wir wieder bei den Schmutzflecken wären: «In 30 Jahren sieht man sie vermutlich nicht mehr», fügt Galgiani augenzwinkernd an: «Dann sieht wieder die ganze Wand so aus.» Die Präsidentin ist aber überzeugt, dass die Sanierung noch «jahrzehntelang ihre Wirkung zeigen werde: «Ich vertraue auf die beteiligten eidgenössischen und kantonalen Experten.»

Schliesslich steht der Dom seit 1930 nicht nur unter dem Denkmalschutz von Bund und Kanton; beide halfen auch finanziell bei der Sanierung auf. So ermöglichten die Regierungsräte Sabine Pegoraro und Isaac Reber über eine Anpassung der Swisslos-Verordnung eine kantonale Subvention von 2,2 Millionen Franken. Dieses Geld hatte wiederum die Beteiligung anderer Institutionen ausgelöst, so der Landeskirche, der Nachbarkantone Basel-Stadt und Solothurn, des Bundes sowie der Einwohnergemeinde Arlesheim .