Oskar Kämpfer hatte einen schwierigen Start: Im März 2012 wurde er an einer chaotischen Parteiversammlung und in einer Kampfwahl zum Präsidenten der Baselbieter SVP gewählt, wobei der damalige Amtsinhaber Dieter Spiess unmissverständlich zu verstehen gab, dass er Kämpfer für den falschen Mann halte. Dies auch, weil der Therwiler Unternehmer aus beruflichen Gründen sein Amt erst neun Monate später, per 1. Januar 2013, antreten konnte.

Seit nun aber Kämpfer die SVP führt, läuft der Motor wie geschmiert: Bereits wenige Wochen nach Amtsantritt lieferte er sein Gesellenstück ab. Er brachte in der Ersatzwahl für den abtretenden FDP-Regierungsrat Adrian Ballmer den SVP-Kandidaten Thomas Weber gegen SP-Nationalrat Eric Nussbaumer durch. Bei der Kantonsfusion positionierte sich der gebürtige Solothurner früh als Antipode des Pro-Lagers – auch hier bewies er gutes politisches Gespür, wie sich im Herbst 2014 zeigte.

Gar als Triumph verbuchen durfte Kämpfer die Gesamterneuerungswahlen vom 8. Februar 2015. Nicht nur gewann die SVP, die bereits zuvor die wählerstärkste Partei im Kanton war, im Landrat vier Sitze. In der Regierung konnte das bürgerliche Lager einen vierten Sitz erringen – auf Kosten der SP, die nach 90 Jahren aus der Exekutive flog. Heute, im Herbst 2018, ist der etwas knorrig wirkende Mann mit Schnauz der unbestrittene Chefstratege der Bürgerlichen.

Aus «Grenchner Armenviertel»

Sein Weg als Parteichef weist Parallelen auf zu seiner Biografie. Kämpfer stammt aus bescheidenen Verhältnissen, wuchs im «Armenviertel Grenchens», wie er sagt, gemeinsam mit neun Geschwistern auf. Der Vater, der als Bauarbeiter und in der Uhrenindustrie tätig war, starb früh, ebenso zwei Geschwister. «Ich habe früh gelernt, was es heisst, Verantwortung zu übernehmen und eine Gemeinschaft zu unterstützen», sagt er. Nach einer Lehre als Mechaniker konnte er dank eines privaten Stipendiums an der Fachhochschule Biel Maschinenbau studieren. Nach einem dreijährigen beruflichen Aufenthalt in Mexiko bildete er sich zum Wirtschaftsingenieur weiter.

Dann machte er sich selbstständig und kam in die Region Basel. Kämpfer wurde wenig in die Wiege gelegt, umso beharrlicher verfolgte er seine Ziele. 1989 gewann er den mit 100 000 Franken dotierten Jungunternehmerpreis der Vigier-Stiftung; der 36-Jährige hatte eine neuartige Zentrifugalpumpe entwickelt, die er Firmen der Chemie- und Lebensmittelindustrie – unter anderen Thomy + Franck – verkaufen konnte.

Das alles erklärt einiges über Kämpfer, der erst nach 50 zur Politik gefunden hat: Inhaltlich steht der Unternehmer zwar am rechten Parteiflügel; ein Christoph Blocher stehe ihm politisch wesentlich näher als ein Adolf Ogi. Der 65-Jährige äussert seine Meinung – auch da ist er der stramme SVPler – klar und unverblümt. «Bei Oskar Kämpfer kann niemand sagen, er wisse nicht, woran er bei ihm sei», sagt Hanspeter Weibel. Der Bottminger SVP-Landrat ist der wichtigste politische Weggefährte Kämpfers.

SP-Präsident Adil Koller kennt Kämpfer schon lange, seit er sich im Gymnasium Münchenstein engagiert hat; Kämpfer amtete dort als Schulrat. Koller sieht in ihm eine interessante Persönlichkeit mit vielen Gesichtern. «Wir pflegen einen guten Umgang.» In seinen Voten im Landrat wirke Kämpfer aber manchmal belehrend. «Viele finden das unangenehm», sagt Koller. Im Unterschied zu manchem Polteri ist der Therwiler allerdings keiner, der mit dem Kopf durch die Wand geht. Als Zweitjüngster in einem grossen Familienverbund gilt für ihn seit Kindsbeinen die Maxime: «Nur mit Mehrheiten kommt man vorwärts.» Bei seiner Wahl zum Parteichef sagte er, dass er die Kontakte zu den anderen Fraktionen verstärken und wieder mehr über Inhalte und weniger über den politischen Stil diskutieren wolle.

Kantonswohl über Parteiräson

Es blieb nicht bei der Ansage: Gemeinsam mit den damaligen Parteichefs Christine Frey (FDP) und Marc Scherrer (CVP) schmiedete der Taktiker vor den Wahlen 2015 ein bürgerliches Bündnis, wie es unter Vorgänger Spiess kaum möglich gewesen wäre. So musste er dem eigenen Lager erklären, weshalb man nicht selber mit zwei Regierungskandidierenden ins Rennen stieg. Doch für Kämpfer war immer klar: «Das Kantonswohl geht über die Parteiräson.» In der Politik komme es selten gut, wenn persönliche Befindlichkeiten vorneangestellt würden.

Mit Monica Gschwind (FDP) holten die Bürgerlichen damals den vierten Sitz. Ob dasselbe mit einem zweiten SVP-Kandidaten gelungen wäre? Kämpfer äussert sich ausweichend: «Man braucht im geeigneten Moment geeignete Köpfe. Das hatte die FDP – und sie konnte Wahlen gewinnen.» 2013 war die Situation ähnlich: Kämpfer setzte auf den damals kaum bekannten, aber moderaten Weber. Das ebnete der SVP den Weg zurück in die Regierung, der sie nach der Abwahl von Jörg Krähenbühl 2011 nicht angehört hatte.

Der ehemalige CVP-Chef Marc Scherrer schätzt Kämpfer als pragmatischen Allianzenschmied und verlässlichen Partner. «Bei Oskar gilt: ein Mann, ein Wort. Wenn nötig, verteidigt er übergeordnete Entscheide auch gegen Widerstände aus dem eigenen Lager.» Scherrers Nachfolgerin Brigitte Müller-Kaderli sieht das etwas anders: Zwar hält auch sie ihren SVP-Amtskollegen für einen brillanten Analytiker. Doch die gelobte Kompromissfähigkeit interpretiert Müller anders: «Oskar Kämpfer ist verliebt in die politische Macht. Dem ordnet er vieles unter.»

Vertrauen nicht mehr dasselbe

Verfügt Kämpfer als Stratege über eine beinahe makellose Bilanz, so ist unklar, ob er auch ein guter Personalchef ist. In seine Zeit als Parteipräsident fällt viel interner Knatsch: im Sommer 2014 der Rücktritt von Daniela Gaugler als Landratspräsidentin im Zuge der von der bz aufgedeckten Bed-and-Breakfast-Affäre. Oder jüngst der Ausschluss der Landräte Roman Klauser und Pascale Uccella aus der SVP Allschwil-Schönenbuch wegen eines Streits um Mandatsabgaben.

Welche Rolle Kämpfer hinter den Kulissen spielte, ist schwierig zu beurteilen. Den Vorwurf, er sei zu wenig sensibilisiert gewesen und habe die Brisanz lange verkannt, weist Kämpfer zurück: «Weder die Parteileitung noch der Präsident haben etwas laufen lassen.» Die mehrere Monate dauernde Mediation belege dies. Analog zum Fall Maudet in Genf sei es aber auch hier nicht möglich, das Problem einer Sektion von der zentralen Parteileitung zu regeln. Vordergründig konnte Kämpfer die Kantonalpartei bisher schadlos halten.

Nun steht der Strippenzieher vor seiner schwierigsten Mission. Kämpfer ist von den bürgerlichen Regierungsräten Anton Lauber (CVP), Monica Gschwind (FDP), Thomas Weber (SVP) sowie dem neu antretenden Kandidaten Thomas de Courten (SVP) zum Wahlkampfmanager erkoren worden. Allerdings treten die Bürgerlichen nicht so geschlossen auf wie 2015. So unterstützt die CVP offiziell nur das wiederantretende Trio – nicht aber de Courten. Diese Konstellation ist auch auf den zwischenzeitlichen Präsidentenwechsel bei FDP (von Frey zu Paul Hofer) und CVP (von Scherrer zu Müller-Kaderli) zurückzuführen. Kämpfer räumt ein: «Das Vertrauensverhältnis ist nicht mehr dasselbe.»

Verändert hat sich auch die Ausgangslage. Bei den Regierungswahlen 2019 wird es für die Bürgerlichen schwierig, nach dem Abtritt von Baudirektorin Sabine Pegoraro (FDP) den Status quo zu halten. So ist CVP-Präsidentin Müller überzeugt, dass Kämpfer mit seinem sturen Festhalten am Kandidaten de Courten den Bogen überspannt und im Hinblick auf die Wahlen viel Goodwill verspielt habe.

Thomas de Courten sei der richtige Kandidat, entgegnet Kämpfer. «Um die Infrastruktur weiterzuentwickeln, brauchen wir einen Regierungsrat mit einem guten Netzwerk in Bundesbern – genau das hat er.» Doch räumt Kämpfer ein, dass es «sicher nicht einfacher wird als vor vier Jahren mit FDP-Kandidatin Gschwind».

Im Gegensatz zu anderen Bürgerlichen ist Kämpfer zudem nicht der Meinung, dass die SP als zweitstärkste politische Kraft im Kanton in die Regierung gehört. «Mir ist der Grüne Isaac Reber in der Regierung jedenfalls lieber als SP-Kandidatin Kathrin Schweizer.» Sollten sowohl Reber als auch Schweizer gewählt werden, was nicht unwahrscheinlich ist, so wäre das auch eine Niederlage für Kämpfer.

So hat er selber kürzlich der bz gesagt: «Als Wahlkampfleiter bin ich für alle vier Kandidaten verantwortlich, also bin ich auch schuld, sollten sie die Wahl verpassen.» Am 31. März 2019 schlägt für Oskar Kämpfer also die Stunde der Wahrheit. Und das im verflixten siebten Jahr seiner Präsidentschaft.