Das wichtigste Geschäft aus Basler Sicht in der Herbstsession des Bundesparlaments startet morgen Donnerstag: Der Nationalrat debattiert die Neufestsetzung der Medikamentenpreise. Für die Pharmaindustrie der Region Basel stehen hohe Beträge und viele Arbeitsplätze auf dem Spiel. Die vielen Lobbyisten im Bundeshaus laufen zur Höchstform auf. Neu dabei ist seit dieser Session Muriel Uebelhart, die erste offizielle Interessenvertreterin des Kantons Basel-Stadt in Bundesbern. Sie versucht, Parlamentarier von hohen Medikamentenpreisen zu überzeugen.

Adrian Ballmer ist «leicht irritiert»

Beide Basel vertreten bei diesem Thema dieselbe Haltung, doch Uebelhart handelt nur im Auftrag des Stadtkantons. Basel-Stadt hat die Lobby-Stelle im Alleingang geschaffen. Das stösst im Baselbiet auf Kritik. «Es macht keinen Sinn, dass jeder Kanton in Bundesbern eine eigene Vertretung organisiert», betont der Baselbieter Regierungsrat Adrian Ballmer gegenüber der bz. Während sein Regierungskollege Peter Zwick im Januar gegenüber dem «Sonntag» noch diplomatisch beschwichtigte, dass er am Alleingang nichts Negatives erkennen könne, äussert Ballmer nun seinen Missmut: «Ich bin leicht irritiert, dass uns Basel-Stadt nicht angefragt hat.»

Denn die Idee stamme ursprünglich aus dem Baselbiet. Als Beleg zieht Ballmer den Partnerschaftsbericht der Baselbieter Regierung aus dem Jahr 2003 hervor. Darin heisst es, dass das Baselbiet zusammen mit Basel-Stadt «eine ständige Vertretung der Wirtschaftsregion Nordwestschweiz in Bern prüfen» möchte. Die Idee wurde verworfen – unter anderem, weil die Basler Regierung nicht interessiert war. Ballmer hätte erwartet, dass der Stadtkanton bei einem neuen Anlauf auf den Landkanton zukäme. «Wenn wir in Baselland so etwas machen würden, hätten wir Basel-Stadt selbstverständlich angefragt», hält der Finanzdirektor fest.

Guy Morin ist ebenfalls irritiert

Ballmer ist irritiert – was wiederum den Basler Regierungspräsidenten Guy Morin irritiert. Dieser hätte erwartet, dass die Baselbieter Regierung den ersten Schritt gemacht hätte: «Wenn Baselland uns einen Vorschlag zur Beteiligung macht, würden wir diesen wohlwollend prüfen.» Ihm schien es nicht angebracht, neue Forderungen zu stellen: «Derzeit führt das Baselbiet mit uns Verhandlungen über Kürzungen gemeinsamer Leistungen. Deshalb sind wir zurückhaltend und fragen wenn möglich nicht um neue finanzielle Beiträge an.»

Den idealen Zeitpunkt hat Morin verpasst. Jetzt auf den fahrenden Basler Zug aufzuspringen erscheint Ballmer nicht besonders attraktiv: «Man hätte vor der Anstellung zusammen über das Stellenprofil reden müssen.» Die Kosten für das Baselbiet wären jedenfalls überschaubar: Jährlich kostet die Basler Interessenvertretung 200000 Franken für 150 Stellenprozente und Sachmittel wie Büromieten. Guy Morin kündet an, das Thema aufgrund der nun gehörten Kritik an der nächsten gemeinsamen Regierungssitzung anzusprechen. Damit das Happy End in dieser Partnerschaftsposse gelingt, müssten die beiden Halbkantone aber offensichtlich zuerst ihre Interessenvertretung in Liestal und Basel intensivieren.