Die Entwicklung der Landwirtschaft im Baselbiet – und längst nicht nur hier – zeigt seit Jahren in die gleiche Richtung: Die Anzahl der Betriebe nimmt ab, gleichzeitig steigt wenig verwunderlich die Grösse der verbleibenden Höfe. Diese Tendenz ging im vergangenen Jahr weiter, wie die neusten Zahlen des Statistischen Amts des Kantons Baselland zeigen: Das Baselbiet zählte 2016 noch 911 Landwirtschaftsbetriebe, 25 weniger als im Vorjahr. Vor zehn Jahren waren es noch 1032.

Am massivsten zurückgegangen sind im Zehnjahres-Vergleich die Höfe der Grössenkategorie 10 bis 19,9 Hektaren (2006: 306, 2016: 220). Zugelegt hat nur die Zahl der grossen Betriebe, die 30 und mehr Hektaren bewirtschaften. Pascal Simon, beim Landwirtschaftlichen Zentrum Ebenrain Leiter Produktion, Markt und Direktzahlungen, erklärt diese Entwicklung vor allem mit der Nachfolgeproblematik: «Bauern haben teils keine Kinder oder die Kinder wollen nicht bauern oder sie sehen im Hof keine wirtschaftliche Perspektive, weil er zu klein ist.»

Umverteilung von Klein zu Gross

Doch Simon betont: «Dieser Strukturwandel mit verschwindenden kleineren Betrieben ist klar gewollt.» Früher hätten nur Betriebe bis 30 Hektaren die vollen Direktzahlungen erhalten, mittlerweile sei diese Grenze auf 60 Hektaren verdoppelt worden, sodass es zu einer Umverteilung von Klein- zu Grossbetrieben komme. Doch, so relativiert Simon, nicht jede Hofaufgabe sei eine Katastrophe, weil es den Bauern danach in einem andern Job im Verhältnis zum Aufwand finanziell oft besser gehe.

Ein durchschnittlicher Baselbieter Hof bewirtschaftet heute laut Simon 25 Hektaren Land und betreibt in der Regel einen Mischbetrieb aus Milchwirtschaft und Ackerbau oder aus Mast und Spezialkulturen wie Obst-, Beeren- oder – seltener – Gemüseanbau. Im Vergleich zu Betrieben im Mittelland erfolge das extensiver und mit einem höheren Anteil an Ökoflächen.

Eher auf dem absteigenden Ast sieht der Ebenrain-Kadermann wegen dem tiefen Milchpreis die Milchwirtschaft, Boompotenzial hätten dagegen der Gemüseanbau sowie alle Veredlungsprozesse auf dem Betrieb selbst. Das sei zum Beispiel die Herstellung von gutem Wein oder die Direktvermarktung von Produkten. Simon: «Die Zukunft liegt in der Vermarktung von regionalen Produkten, denn wir haben eine halbe Million Konsumenten vor der Haustüre. Die Bäuerinnen-Apéros zum Beispiel sind ein Hammer.»

Basel ist Bio-Trumpfkarte

Ein kleineres Rätsel gibt’s im Bio-Bereich: Dort explodierte die Zahl der Betriebe bis vor 15 Jahren richtiggehend, seither stagniert sie konstant auf 120 bis 130 Höfen. Und das bei steigender Nachfrage nach Bio-Produkten. Der Leiter der Beratung beim Forschungsinstitut für biologischen Landbau (Fibl), Robert Obrist, weist auf die spezielle Baselbieter Situation. Hier seien viele konventionelle Betriebe auf Obstbau, Weinbau oder Spezialkulturen ausgerichtet, bei denen eine Umstellung auf Bio schwieriger sei. Dazu komme generell, dass eine solche Umstellung immer noch ein physischer und psychischer – «wer etwas Spezielles macht, fällt oft aus dem kollegialen Netz» – Effort sei.

Wobei das Baselbiet beim Bio-Landbau im Vergleich mit andern, landschaftlich ähnlich gelagerten Kantonen nicht so schlecht dasteht: In Baselland werden knapp 14 Prozent der Betriebe biologisch bewirtschaftet, im Kanton Solothurn 10, im Aargau 9, und im Schweizer Mittel 13 Prozent. Dieser eidgenössische Durchschnittswert ist so hoch, weil ihn die Bergkantone, wo die Umstellung auf Bio einfacher ist, nach oben ziehen. So arbeiten in Graubünden fast 60 Prozent der Bauern nach biologischen Richtlinien.

Obrist ist für die Bio-Zukunft zuversichtlich: «Der Trend, dass Bio wächst, wird weitergehen. Im Baselbiet sehe ich ein grosses Wachstumspotenzial, denn hier gibt es mit der nahen Stadt Basel einen wichtigen Vorteil: Urbane Gebiete haben eine grössere Nachfrage nach Bio-Produkten.» Lohnen würden sich im Baselbiet in den Augen Obrists vor allem Bio-Umstellungen von Obst-, Beeren- und Ackerbaubetrieben.

Obrist liegt mit seiner Prognose offenbar goldrichtig, denn Pascal Simon sagt: «In diesem Jahr haben wir sieben Betriebe, die auf Bio umstellen; früher war es etwa einer pro Jahr. Und wir haben bereits Ankündigungen von Bauern fürs 2018, dass sie dasselbe tun wollen.»