«Ich bin sehr enttäuscht. Ganz so schnell aber geben wir nicht auf», stellt die Baselbieter Grünen-Nationalrätin Maya Graf klar. Nachdem das Baselbieter Stimmvolk mit deutlichen 65 Prozent für den Erhalt der S9 und damit gegen die Sparbemühungen der Kantonsregierung gestimmt hatte, witterten die Befürworter Morgenluft. Um die Attraktivität des in den vergangenen Jahren mässig frequentierten Läufelfingerlis zu steigern, haben sie im Baselbieter Landrat gleich eine ganze Kaskade von Vorschlägen eingebracht.

Um die Bemühungen zu verstärken, wurde Graf auch auf nationaler Ebene aktiv und brachte die Idee einer Durchbindung der zwischen Olten und Sissach fahrenden Bahn bis nach Basel erneut vor. Konkret wollte sie wissen, ob der Bund bereit sei, das Projekt in der nächsten Bahnausbauetappe Step 2030/35 aufzunehmen.

Doch davon will der Bundesrat nichts wissen. Die Forderung einer Durchbindung der S9 bis nach Basel sei von der Planungsregion Nordwestschweiz schon einmal eingebracht worden – als eines von vielen Projekten. In der Prioritätenliste aber wurde das Projekt zurückgestellt. Der Bundesrat nennt dafür gleich mehrere Gründe: So sei die Trassenkapazität der Hauensteinstrecke zwischen Basel und Olten bis 2030/35 mit Fern-, Güter- und Regionalzügen ausgelastet. «Die Verlängerung der S9 würde unverhältnismässig hohe Investitionen auf der Strecke Sissach - Basel auslösen», argumentiert die Landesregierung.

Bund gewichtet Kosten höher

Kommt hinzu: Die Bahnperrons im Homburgertal seien schlicht zu kurz. Sie würden nur maximal 75 Meter lange Züge zulassen. Die Züge in Richtung Basel müssten aber mindestens doppelt so lang sein, um die Nachfrage zu abzudecken, argumentiert der Bundesrat. «Insofern ist es die beste Lösung, wenn die S9 wie bisher über die Hauenstein-Bergstrecke verkehrt und in Olten und Sissach gute Umsteigeverbindungen bestehen.» Schliesslich sei dem kostenoptimalen Betrieb hohe Priorität einzuräumen – auch nach dem Baselbieter Volksentscheid.

Damit aber will sich Nationalrätin Graf nicht abspeisen lassen: «Der Bund ist gar nicht erst bereit, die Option überhaupt zu prüfen», sagt sie verärgert. «Das kann nicht die letzte Antwort sein. Damit geben wir uns nicht zufrieden.» Sie hofft nun darauf, dass die Baselbieter wie auch die Solothurner Regierung in der Vernehmlassung zum nächsten Bahnausbauschritt Step 2030/35 weiter Druck machen.

Für die Freunde des Läufelfingerlis bleibt die Antwort aus Bundesbern dennoch ernüchternd – gerade auch, weil die Baselbieter Bau- und Verkehrsdirektorin Sabine Pegoraro (FDP) nach anfänglichen Vorbehalten im Landrat angekündigt hatte, dass sich die Regierung in der Vernehmlassung des Bundes nun doch für eine Durchbindung einsetzen wolle. «Mit einer solch vorgefertigten Antwort aus Bern geben wir uns deshalb nicht zufrieden», sagt Graf. «Wir bleiben dran.»